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Posts Tagged ‘Tauchsport’

Herzlichen Glückwunsch an mich selbst, ich habe den Open Water Diver, Level 1, erworben und darf mich jetzt Fisch nennen. Das heißt, wenn ich ungut rieche, dann immer vom Kopf her. Aber das kommt eh‘ nicht vor bei mir.

Letztes Wochenende am Carwitzer See, in Thomsdorf, fanden die Exerzitien zum Freifisch statt. Es begann mit dem Beladen von Wägelchen, denen folgendes aufgepackt wurde: Große Flaschen aus Stahl mit gepresster Luft darin. Schläuche mit Atemreglern und Messgeräten. Ein schwarzes Neoprenmonster, das einen eigentlich bloß wärmen soll, aber aus purer Bosheit dabei noch den Hals würgt, kleinere schwarze Neoprenmonster für Hände Kopf, und Füße sowie eine Art Neopren-Unterwäsche. Je 8 Kilo Blei für Frau Dr. und mich. Riesige Westen, an denen die Luftflaschen befestigt werden. Flossen. Masken.

In mehreren Fuhren wurde dieser halbe Umzugswagen von Kram von der Tauchbasis zu einer Wiese am See geschafft. Dort angekommen begannen wir einen ungleichen Ringkampf mit den Neoprenmonstern. Normalerweise ist es ja so, dass einen das Monster fressen will, und man selbst will das Gegenteil. Hier war es nun umgekehrt. Wie den armen Gänsen bei der Herstellung der berühmten der Foie Gras stopften wir uns den Monstern ins Maul, gegen deren erbitterten Widerstand, millimeterweise trieben wir Arme und Beine in die schwarzen Rachen, und wurden gewürgt zum Dank. Die Sonne lachte und briet uns freundlich. Dann schwangen wir uns die Westen auf den Rücken, mit dem Gewicht der Flasche und den 8 Kilo Blei dran.

Wir wankten von Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern (also von der Wiese zum Steg). Dort holte der Tauchlehrer zu länglichen Erläuterungen aus, während mich der Druck des Gewichts auf den Schultern Millimeter um Millimeter schrumpfte. Kurz bevor ich zur Tablette gepresst war durfte ich den Steg hinauf wanken und mich setzen. Klonk, machte die Flasche und stand auf dem Steg. Ich fühlte mich zum ersten Mal seit gefühlten Stunden gut. Füße im Wasser, aaaahhh. Flossen anfummeln, Maske aufsetzen, Jacke aufpumpen, ab in den See!

Der Tauchlehrer mahnte uns, die Luft vorsichtig aus unserem Fortgeschrittenen-Schwimmflügel (Fische sagen Jacket dazu) herauszulassen, und langsam abzutauchen ohne in das Sediment am Grund… Wir fielen wie die Steine in den schlammigen Grund und befanden uns in finsterer Nacht aus aufgewirbeltem Sediment. Willkommen, liebe Tauchanfänger, rief ein unsichtbarer Fisch und suchte das Weite.

Frau Dr. und ich verbrachten einige Zeit damit, wieder Luft in das Jacket einzulassen und zu hoch nach oben zu schießen, um danach erneut im Sediment zu landen und so weiter. Wir machten dabei Fortschritte von saumäßig bis mäßig. Aber wir sind ja erst Level 1 Fisch. Man muss sich ja steigern können. Ich weiß jetzt wie Schilf von unten aussieht und finde es erstaunlich lang, so ein Schilfrohr. Das geht unter Wasser noch 3 Meter weiter. Außerdem weiß ich, das da wo es im Sediment gehuscht hat, ein Krebs gewesen ist. Jemand von uns hat auch einen Fisch gesehen.

Alles das ist dann aber auch ohne Bedeutung, denn was wir im Carwitzer See wollten ist die Lizenz zum selber tauchen, ohne Tauchlehrer. Und die haben wir jetzt.

Als wir uns nach unseren Tauchgängen aus den Neopren-Monstern herausschälen wollten, hatten die übrigens ihre Meinung über uns radikal geändert. Sie bissen sich an uns fest und wollten uns nicht mehr herausgeben. Wieder ein Ringkampf. Vielleicht ist Tauchen doch eher wie Ringen und nicht wie Gewichtheben. Oder, wie es einer von den Tauchlehrern sagte: Tauchen ist so lange Sport, bis man im Wasser ist. Und danach auch wieder.

Was dem Wintersportler sein Après-Ski, ist dem Taucher übrigens sein Deko-Bier. Deko steht hier für Dekompression, der beim Tauchen im Körper angereicherte Stickstoff mus raus, und ein Bierchen spült, zwei spülen mehr, und so weiter. Während das Bier seine Arbeit tat, drehte sich ein Wildschwein auf dem Spieß im Hotel neben der Tauchbasis, es gab ungeheuer leckeren selbst gemachter Kartoffelsalat und vieles mehr zu sagenhaft günstigen Preisen. Frau Dr. und ich wurden Raubfische und fielen über das Essen her.

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Frau Dr. und ich lernen Fisch. Die Kunst dabei ist das Atmen unter Wasser. Jahrmillionen lang hat man gedacht, das geht gar nicht, aber dann erfand man SCUBA, ausgeschrieben self-contained underwater breathing apparatus, übersetzt Unterwasser-Atemgerät. Jetzt geht es prinzipiell, aber lernen muss man es doch noch.

Es beginnt mit einem quietschbunten Buch das einem Dinge wie das Boyles-sche Gesetz nahebringt. Nach jedem Kapitel folgen Fragen in Form eines Lückentexts, man zählt zum Beispiel die zahlreichen Ausrüstungsteile auf, die ein gelernter Fisch braucht oder nummeriert die Reihenfolge durch, in der diese dann montiert werden müssen. Was das Buch verschweigt ist, wie viel diese Ausrüstungsteile wiegen. Und wie viel sie kosten.

Zu diesem Buch gibt es noch eine CD, die einem in blassen und langweiligen Clips denselben Stoff noch einmal nahe bringt. Alles ist so optimiert, dass auch ein Zeitgenosse mit einem IQ unter 50 Fisch lernen und Fisch werden kann. Vorausgesetzt, er kann die Flasche mit der Atemluft tragen und bringt das nötige Kleingeld für Tauchcomputer, Anzug, Atemregler, Flossen, Jacket und diversen anderen Schnick wie Lampen und Unterwasser-Kamera zusammen.

Das ist wohl auch der Grund, weshalb es Frau Dr. nicht genug war, einfach nur ganz normal Fisch zu lernen. Sie wollte auch Nitrox-Fisch sein. Als Nitrox-Fisch atmet man unter Wasser ein anderes Gemisch als die gewöhnlichen Luft-Fische, eines mit mehr Sauerstoff drin. Dafür muss man einen extra Fisch-Schein machen, und als Streber macht man den vor dem eigentlichen Fisch-Examen. Also fanden wir uns eines Freitags abends bei Dirk ein, um das aus einem kleineren bunten Fischlern-Buch gelernte dort zum Besten zu geben, und theoretisch alles über das Tauchen mit enriched air nitrox zu wissen, nur eben nicht, wie man taucht. Denn das war dem Samstag und dem Sonntag vorbehalten.

Der OWD-Kurs (OWD heißt nicht Oh Watt is Datt, sondern open water diver) brachte uns die harte Realität des Fisch-Seins näher, zunächst die im Schwimmbad. Erkenntnis Nr. 1: Das Wasser in so einem Schwimmbecken ist mal so wat von trüb, dat sieht nich jut aus durch sonne Taucherbrille. Erkenntnis Nr. 2: Ein Atemregler hat viele Schläuche. Erkenntnis Nr. 3: Anne Luft sind die Klamotten schwerer als wie im Wasser. Sauschwer, um genau zu sein. Tauchsport ist ein anderer Name für Gewichtheben.

Und ein Sport mit feiner Ironie. Zum Beispiel zeigt man sich gegenseitig ständig Handzeichen, die man sich an Land, insbesondere im Wedding und in Neukölln, niemals zeigen würde (es sei denn, man ist seeeehr schnell). Mit der dem nicht-Fisch als „Arschloch“ bekannten Geste soll der angehende Fisch seinen Artgenossen signalisieren „OK“. Und bekommt als Antwort die gleiche freundliche Geste, den zwischen Daumen und Zeigefinger geformten Ring. Es ist ein toleranter Sport: ich (Arschloch) ok, du (Arschloch) ok.

Die anderen Details der Fischausbildung (Druckausgleich, Maske ausblasen, etc.) sind nicht interessant genug für einen Platz in diesem Bericht. Und für einen sauberen Tiefenrausch fehlten bei 2,80 m Beckentiefe die Voraussetzungen.

In einem Monat wird die Grundausbildung Fisch mit den Tauchgängen in einem Brandenburger See abgeschlossen. Dann sind wir sozusagen Freifisch. Ich werde berichten.

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