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Posts Tagged ‘Philipp Poisel’

Heute blogge ich mal über Musik. Habe ich noch nie getan. Aber da ich hier ja generell über Dinge blogge, von denen ich keine Ahnung habe, ist Musik genauso passend wie jedes andere Thema. Und ich muss etwas loswerden.

Gestern waren Frau Dr. und ich bei dem Open-Air-Konzert im Rahmen der IFA, das „Neue DeutschPoeten“ verhieß. Was uns dorthin zog war „Wir sind Helden“, von sämtlichen anderen Künstlern hatten wir noch nie gehört. Wir kamen eine Weile, nachdem das Konzert angefangen hatte, hörten von ferne einen der Acts, vielleicht war es „Kraftclub“, und beschlossen einen Rundgang über die IFA zu machen, bis die Musik hoffentlich besser wird.

Wir strichen dann durch die Hallen mit den Haushaltsgeräten. Ich konnte mich gar nicht sattsehen an den neuesten Küchenmaschinen, die Nudelteig verarbeiten und kochen können. Wir himmelten reihenweise Wein-Kühlschränke an. Wir belächelten die Staubsauger-Roboter. Einen Roboter kaufe ich erst, wenn der Treppen laufen kann und mir den Kasten Bier vier Treppen hochträgt. Wir freuten uns an Waagen im Schaf-Design mit dem Spruch „Ich hab schwere Wolle“. Und wir überlegten, welchen Kaffee-Vollautomaten wir kaufen würden, wenn wir nicht schon einen hätten.

Dann schloss die Ausstellung, und wir gingen zurück zum Konzertgelände. Dort coverte Marteria gerade ein Lied von Peter Fox. Das Lied ist gut, und die verdarben es wenigstens nicht. Dann betrat ein Typ die Bühne, mit einem scheußlichen gestreiften T-Shirt und einem Fusselbärtchen an seinem Eierkopf. Da gab es hübsche junge Mädels die ihn anhimmelten. Eine gute Nachricht für alle Männer: Ihr könnt noch so scheiße aussehen (und singen) irgend jemand findet es gut. Der Typ heißt Philipp Poisel, ein Name den ich mir merken werde, um demnächst die Flucht zu ergreifen. Hat so ne Knödelstimme wie Grönemeyer. Die Texte sind nicht schlimm genug, um richtig peinlich zu sein, und nicht gut genug, um auch nur einen Hauch von Interesse zu wecken. Die Musik ist… vergessen. War da Musik?

Endlich kamen die Helden dran, und sie rechtfertigten das Warten. Ich frage mich nur, warum der Mann von Judith Holofernes unbedingt so aussehen will wie der junge Osama Bin Laden. Drei mögliche Gründe gibt es: Er findet Haare schneiden und rasieren scheiße. Er hat keinen Spiegel und niemand sagt ihm wie er aussieht. Er will die einzige Frisur haben, mit der man heute noch anecken kann. Alles nach meiner unmaßgeblichen Meinung nicht wirklich überzeugend. Aber er spielt geil Schlagzeug und singt schön die Backings für seine Frau. Und irgendeinen Trick muss er sonst noch können, sonst hätte er gar keine so tolle Frau abgekriegt.

Leider geht so eine Stunde dann doch schnell vorbei. Und nach den Helden kam dann der angekündigte Höhepunkt und Haupt-Act. Clueso und Band. Hatte ich auch noch nie gehört. Überraschung Nr. 1:  Die Moderatorin sprach den Typ „Klüso“ aus. Okay, ich habe nicht wirklich einen besseren Vorschlag für die Aussprache von „Clueso“. Aber wir kommt man bloß dazu, wenn man so einen Witzlaut wie „Klüso“ als Künstlernamen wählt, der ja  immerhin noch ironisch oder witzig gemeint sein könnte, so eine angestrengt bildungsbürgerliche Schreibweise dafür festzulegen? Was soll das?

Ich stellte dann fest, dass ich keines der Lieder je gehört hatte. Da spielt so ein Top-Act aus Erfurt. 13.000 Leute wollen den sehen. Weil sie den kennen. Der Typ stammt ganz klar aus einer Parallelwelt. Gar keine so kleine Parallelwelt. Wo hatte die sich die ganze Zeit versteckt? Und was zum Teufel  finden die vielen Leute daran so attraktiv?

Als DeutschPoet hat Klüso Ansätze. Manche Texte sind okay bis nicht so schlecht. Auch die Musik hat Ansätze, vor allem das Keyboard. Aber nach ein paar Takten, man denkt grad hey, das könnte was werden, wird das Stück wieder verdaddelt und verlangweilt. Ein wenig ist es wie weißer Jazz. Feeling fehlt. Und alles ist zu pickepackevoll. Ein richtiger Stil ist nicht auszumachen.

Eine hörbare Deutsche Welle gab es schon in den 80ern so pauschal nicht. Neben Glanzlichtern wie Falco und Rio Reiser gab es den Driss wie Nena. Und jetzt, 30 Jahre später ist es genauso. Gute Musik mit deutschen Texten ist die Ausnahme, und nicht die Regel.

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