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Kommen wir zu einem ernsten Thema. Auch Stofftiere können unter Schizophrenie leiden. So genannte Freunde haben ein solches Exemplar bei uns eingewiesen, mit einem Arztbrief ausgestattet, um diesem unfreundlichen Akt eine medizinische Rechtfertigung zu geben. In dem Arztbrief war zu lesen, dass wir uns bemühen sollten, das Tier in seiner Ganzheit anzusprechen, und es nicht hektisch hin und her zu stülpen hätten. Ich hatte von Anfang an ein schlechtes Gefühl.

Wir leiden schon genug unter unseren Stofftieren, die sich recht dominant gebärden. Und jetzt auch noch ein klinisch massiv auffälliger Patient! Wir gaben dem indifferenten Wesen den Namen Dolly-Dieter Jeckyll-Hyde. Und sind seitdem hilflos.

Frau Dr. konnte Sympathie für das Tier nur in seiner Identität als Wolf, genannt Dieter, entwickeln. Die Teilpersönlichkeit Dieter wiederum entwickelte eine starke Bindung an Frau Dr. Dieter verteidigt seine Bezugsperson gegen vermeintliche Angriffe und legt ein aggressives Verhalten mir gegenüber an den Tag. Eine nicht geringe Belastung.

Dolly-Dieter Jeckyll-Hyde in der Gestalt als Dieter, der Wolf

Dolly-Dieter Jeckyll-Hyde in der Gestalt als Dieter, der Wolf

Ich glaube auch, dass es vom medizinischen Standpunkt her nicht angezeigt ist, dauerhaft einseitig eine Teilpersönlichkeit des Wahnsinnstiers anzusprechen. Die Teilpersönlichkeit Dolly, ein weißes Schaf, wird so zu stark unterdrückt mit der Folge, dass sich nach innen gerichtete Aggressionen aufstauen. Wenn der Druck zu stark wird, kann man beobachten, wie Dolly sich gegen Dieter zu behaupten versucht. Ein dramatischer Kampf der beiden Persönlichkeiten um die Vorherrschaft entbrennt.

Dolly im Kampf mit Dieter

Dolly im Kampf mit Dieter

Hier sehen wir, wie sich in quälendem Kampf, der Dolly-Dieter Jeckyll-Hyde gewiss gewaltige Schmerzen verursacht, langsam die Teilpersönlichkeit Dolly durchsetzt.

Dolly-Dieter Jeckyll-Hyde in der Gestalt als Dolly, das Schaf

Dolly-Dieter Jeckyll-Hyde in der Gestalt als Dolly, das Schaf

Bis Dolly schließlich triumphiert. Frau Dr. reagiert ausgesprochen negativ auf Dolly, vor allem morgens. Denn Frau Dr. ist ein Morgenmuffel, wie hier schon verschiedentlich erwähnt worden ist. Und Dolly ist morgens ziemlich penetrant zu ihr, wohl auch als Rache für die Parteilichkeit zugunsten von Dieter. „Ey Alte, das ist echt ein voll geiler Morgen, voll der Bringer, sieh das doch einfach mal nur positiv. Easy, Frau Dr., dem fröhlichen Menschen lächelt das Glück…“ und so weiter quasselt Dolly drauflos, während Frau Dr. die Decke über den Kopf zieht.

Aber Dollys Triumph ist natürlich nicht von Dauer. Schon sehr bald ist Dieter wieder zurück und richtet seine Aggressionen gegen mich. Warum, ist mir ein Rätsel. Aber so ist es.

Schaf im Wolf oder Wolf im Schaf?

Schaf im Wolf oder Wolf im Schaf?

Mit schlechtem Gewissen muss ich zugeben, dass wir den Patienten kein Stückchen näher an die Genesung bringen konnten. Ich befürchte sogar, in unserer Obhut hat sich sein Leiden verschlimmert. Wenn jemand da draußen Erfahrung mit der Behandlung von Schizophrenen Stofftieren hat und Tipps geben könnte, wären wir sehr dankbar. Nutzen Sie bitte die Kommentare. Vielen Dank!

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…dass ich Zapfenstielzchen heiß. Dooorie ist nämlich nicht mein richtiger Name, neiiiin. Har har. Unter dem Deckmantel (wie die Gebrüder Grimm zu berichten wissen: einem Scharlachroten mit Kapuze) der Anonymität kann ich hier rumpeln und stielzen wie mir beliebt! Ich verzapfe Unsinn! Publiziere unvorteilhafte Bilder von Menschen, die ich „ich“ nenne. Ich spiele nicht nur mit Stofftieren, ich lanciere auch noch deren Abhandlungen über Schwarzschafismus! Ich verfasse Schröckliches wie … uuhh, ahh … Unfreundlichkeiten einem ehemaligen Innenminister gegenüber, wiewohl nur in einer Geste und einer Andeutung ausgedrückt, aber dennoch VIELSAGEND. Wenn nicht gar: ein Skandal. Wenn das jemand wüsste, dass Zapfenstielzchen dahinter steckt! Uiii ohh!

Zapfenstielzchen ist nämlich eine echte Person, müsst Ihr wissen. Eine von Fleisch und Blut, nicht bloß aus Internet. Eine mit einem Beruf. Ja, Beruf! Und … har, har … einem Chef. Und Zapfenstielzchen ist sogar selbst Chef. Oh-ho. Das geht aber gar nicht. So jemand muss doch ein Vorbild… Wenn dass jemand wüsste, dass Dooorie in Wahrheit Zapfenstielzchen ist, uiii, das gäbe aber…

nichts. Wetten, dass?

Ich schreibe diese Zeilen für eine unbekannte Kollegin, die es für nötig befunden hat, sich mit farbigen Ausdrucken aus diesem Blog in der Institution, in der Zapfenstielzchen arbeitet noch weitere Feinde zu machen. Ich werde hier nichts löschen, liebe Kollegin. Und ich wünsche weiter viel Spaß bei der Lektüre.

fragte mit leicht fassungsloser Stimme ein anderer Newbie auf der Fanbusfahrt nach Köln, als wir uns abends nach dem Spiel am Bus versammelt hatten und auf die Nachzügler warteten. Er hätte früher Fussball gespielt und wär schon verschiedentlich mit Bussen zu Spielen von Männermannschaften gefahren, aber diese Gefasstheit hätte er nie erlebt. Und dass hier die Leute standen und sagten: Frankfurt hat ja auch echt ne tolle Saison gespielt, und sie waren die bessere Mannschaft – das als Turbine-Fans, das machte ihn staunen.

Erklären konnte ich es ihm nicht. Aber empfehlen. Es macht gelassen und verhindert Magengeschwüre. Wahrscheinlich auch bei Männern. Einen Versuch ist es jedenfalls wert.

Diese Gelassenheit eint übrigens offenbar Spielerinnen und Fans gleichermaßen. Anna Felicitas Sarholz postete auf Facebook in musikalischer Weise ihren Kommentar zum Pokalfinale: Gewinnen kann jeder.

Und der Verein scheint sich ihrer Sicht anzuschließen, er setzt eine entsprechende Newsmeldung auf seine Webseite. Das nenne ich souverän verloren.

Und nächstes mal als Sieger!

Meine erste Fanbusfahrt

Wie gut, dass ich irre bin. Wie gut, dass Frau Dr. ebenfalls völlig gaga ist. Denn man muss echt bescheuert sein, um so etwas zu machen: Am Freitag nach einer Arbeitswoche, wenn man gerade von seinen Feierabendbieren so richtig bettschwer ist, den Arsch heben und ihn Richtung S-Bahn bugsieren. Wir sind ja in Berlin, da wird man ja wohl nach 1 Uhr noch mit der S-Bahn zum Zoo kommen. Weil von dortselbst geht um 1:30 der Fanbus nach Potsdam. Dort wird umgestiegen und ein müder Pulk in blau, mit Trommeln, Fahnen, Schals und Rasseln ausgestattet, ergießt sich in die bereitstehenden Busse. Das ist der Plan.

Mir ist ein wenig mulmig, wie wohl die Realität zu dem Plan so wird, jetzt, kurz vor dem Start. Ich wär schon ein wenig versucht, zu kneifen. Was natürlich nicht geht, gar nicht geht. Da musste jetzt durch.

Teil 1 des Plans funktioniert schon mal perfekt. Wir kommen am Zoo aus der S-Bahn und sehen Leute mit blauen Trikots und Schals neben einem Bus mit einem Fanschal im Fenster. Müde klettern wir in das Gefährt, das für die nächsten 28 Stunden quasi unser Zuhause sein wird.

Frau Dr. in vollem Ornat - und müde

Frau Dr. in vollem Ornat - und müde

Ich in vollem Ornat - und nicht viel wacher

Ich in vollem Ornat - und nicht viel wacher

Mit unseren aufblasbaren Nackenkissen können wir zumindest stundenweise halbwegs pennen. Vier Stunden sind es vielleicht, dann wird es zu hell und der Busfahrer schmeißt die Musik an. Immer abwechselnd eine Stunde Disco-Oldies wie Abba und Supertramp, dann wieder Schlager von der grauenhaftesten Sorge. Als wir uns dem Ziel Köln nähern, versucht der Fahrer es mit den Höhnern, aber beim preussischen Publikum springt der Funke sowas von gar nicht über. Viele sind, wie man den Gesprächen an Bord entnehmen kann, zum ersten Mal in Köln.

Die Folgen von Akustik-Folter mit Schlagermusik

Die Folgen von Akustik-Folter mit Schlagermusik

Immerhin, auf den letzten Metern durch Köln wirft der Fahrer noch mal die Turbine-Hymne ein, und die Fans singen mit: „Und rollt die Lawine vor, fällt bald ein Turbine-Tor. Jeder irrt sich der da spricht, so schnell schießen Preußen nicht. Die Langen Kerls sind lange schon passé, wir haben ja den 1. FFC!“

Nach dem Aussteigen machen wir uns selbständig, erst in der Hoffnung auf einen Brunch in der Brennerei Weiß, die bitter enttäuscht wird – ist offenbar nur Sonntags, wenn überhaupt noch. Also fahren wir zum Ebertplatz und suchen die Bäckerei épi auf, in der Neusser Straße 32. Hier ist ein echtes Stück Frankreich in Kölle zu Hause, die gigantischsten Croissants, Baguettes, und kleine Kügelchen aus Brandteig mit Hagelzucker drauf zum Kaffee.

Irgendwie muss man die Zeit bis zum Anstoß rumbringen. Wir spazieren den Rhein entlang, aber mich zieht es dann doch zum Müngersdorfer Stadion, das jetzt wie alle Stadien einen neuen Namen, nämlich den Namen von irgend so einem bescheuerten Unternehmen hat, welcher mir nicht über die Lippen kommt.

Wir verpassen ausgerechnet das geilste vom Vorprogramm, unter dem Titel Retro kicken ein paar ehemalige Nationalspielerinnen. Bis wir es geschnallt haben ist es zu spät und die Damen haben sich verstreut. Immerhin gelingen mir noch ein paar Schnappschüsse von Silke Rottenberg.

Silke Rottenberg im Gespräch mit Fans

Silke Rottenberg im Gespräch mit Fans

Annike Krahn hält einen Plausch mit ihren Ex-Kolleginnen, nachdem sie ihre Pflicht am Autogrammstand erledigt hat.

Was Silke Rottenberg und Saskia Bartusiak wohl so plauschen?

Was Silke Rottenberg und Annike Krahn wohl so plauschen?

Auf einmal schiebt sich Alex Popp in Begleitung einer ganzen Meute mit den Fanfreundschafts-Schals Turbine-Duisburg um den Hals durch die Menge. Ehe ich den Fotoapparat zücken kann, ist sie schon untergetaucht. Ein Mann stupst mich an und fragt, wer das war, das Gesicht käme ihm bekannt vor. Ich sage: Das war die Torschützenkönigin der U-20-WM und Nationalspielerin Alexandra Popp. Leider in Duisburg spielend und nicht in Potsdam. Vielleicht ändert sich das ja noch mal…

Wir müssen noch ein paar Songs von Michael Holm durchstehen. Auf der Bühne hüpfen 1. FC-Köln-Cheerleader im Grundschulalter herum, während Amateurmannschaften irgendwelche Pokale für ihr Gekicke auf den Stadion-Vorwiesen bekommen. Wir trinken uns die Sache schön, so gut es geht.

Überflüssig wie ein zweiter Kropf: Das Rahmenprogramm des DFB

Überflüssig wie ein zweiter Kropf: Das Rahmenprogramm des DFB

Endlich, im Stadion, riecht die Athmosphere endlich nach Fußball. Wir haben großartige Plätze. Richtige Sessel. Unser Turbine-Sitzkissen wird nicht gebraucht. Die Reihen des Fanblocks füllen sich langsam.

Micha und ein paar der Leute aus unserem Bus

Micha und ein paar der Leute aus unserem Bus

Mich quatscht ein Hochschullehrer aus der Sporthochschule Köln an, der hier am Rande des Spiels eine Umfrage macht. Er dürfe auf der Tribüne seine Fragebogen nicht verteilen, ob ich ihm helfen könne. Ich mache es mit dem Argument: Ey, der Typ ist der Betreuer von Viola Odebrechts Diplomarbeit. „Für Viola machen wir das!“ rufen etliche Leute und füllen brav die Zettel aus. Auch Frau Dr. und ich natürlich. Ich schreibe da rein, dass das Vorprogramm des DFB für mich so attraktiv wie die Beulenpest ist. Und dass die gottverdammtenscheißöffentlichrechtlichen Sender gefälligst mehr Fußball von Frauen bringen sollen.

Umfragen für Viola - ich mache mich zum Heinz für die Wissenschaft

Umfragen für Viola - ich mache mich zum Heinz für die Wissenschaft

Schließlich kommen unsere Stars und machen sich warm. Die Konzentration ist so nah zu spüren, man fühlt sich hier tatsächlich dichter dran als im kleinen Karl-Liebknecht-Stadion zu Hause. Ich zücke meine Kamera und halte den Zauber der Anspannung vor dem Spiel fest.

Im Vordergrund Corinna Schröder, Links hinten Bajmaraj und Mittag

Im Vordergrund Corinna Schröder, Links hinten Bajmaraj und Mittag, rechts Monique Kerschowski

Yuki Nagasato, die spätere Torschützin

Yuki Nagasato, die spätere Torschützin

Anja Mittag, Lira Bajmaraj und Josephine Henning, wenn ich das richtig sehe

Anja Mittag, Lira Bajmaraj und Tabea Kemme, wenn ich das richtig sehe

Josephine Henning und Viola Odebrecht

Josephine Henning und Viola Odebrecht

Monique Kerschowski winkt Felicitas Sarholz - die ein schlechtes Spiel machen wird

Monique Kerschowski winkt Felicitas Sarholz - die ein schlechtes Spiel machen wird

Aber Hoppla, auf einmal kommt Alex Popp vorbei, erklimmt die Tribüne und nimmt weiter oben Platz. So komme ich doch noch zu meinem Foto von ihr.

Lieber Fußballgott. Mit dem 1. FFC Duisburg ist zur Zeit nicht so viel los. Bitte mach, dass Alex nächste Saison nach Potsdam wechselt.

Alex Popp, der "Popp-Star" der U 20 WM war mit dem Verein zuletzt eher glücklos

Alex Popp, der "Popp-Star" der U 20 WM war mit dem Verein zuletzt eher glücklos

Die Mädels auf der Bank machen einen etwas gelösteren Eindruck als die auf dem Feld

Die Mädels auf der Bank machen einen etwas gelösteren Eindruck als die auf dem Feld

Der verkrampfteste Moment eines jeden Fußballspiels ist das Hymnensingen. Man müsste mal die Einlaufkinder fragen, ob die Damen hinter ihnen ihnen die Finger in die Schultern krallen. Einige machen das bestimmt…

blüh im Gla-han-ze dieses Glü-hü-ckes

blüh im Gla-han-ze dieses Glü-hü-ckes

Schon bald nach dem Anpfiff wurden die Potsdamer Befürchtungen wahr, es gab den ersten Gegentreffer durch ein Versagen der tief schlafenden Potsdamer Abwehr. Auch die Heldin von Getafe, Felix Sarholz sah bei diesem und dem zweiten Treffer in Halbzeit zwei nicht besonders gut aus. Ein zweiter Ausgleichstreffer für Potsdam wurde nach einem Einspruch der Linienrichterin wegen angeblicher Behinderung der Torhüterin Natze Angerer nicht gegeben – klare Fehlentscheidung, aber ein Ergebnis. Letzlich war das 2:1 für Frankfurt aber nicht unverdient, die Mannschaft spielte präziser und effizienter, unser Sturm war wackelig und Anja Mittag hatte überhaupt keinen guten Tag. Lira Bajmaraj wiederum war durch die Frankfurter Abwehr stets mit 3 Gegnererinnen lahmgelegt, so bald sie sich dem Frankfurter Strafraum auch nur näherte. Isabel Kerschowski, zu spät eingewechselt, versuchte das mit ihrer unglaublichen Kraft und Schnelligkeit noch aufzuknacken, aber ihre Pässe fanden nicht die Abnehmer. Tja Folks.

Nach dem Spiel: Felix knuddelt ihre Mutti und badet in der Menge

Nach dem Spiel: Felix knuddelt ihre Mutti und badet in der Menge

Felix Sarholz macht mich glücklich, als ich mich mit dem Edding bewaffnet nähere: Jetzt ziert ein Autogramm mein Trikot. „Silber im Pokal ist doch auch nicht schlecht“, antwortet sie auf meine Bemerkung, dass das nächste Spiel wieder ein Sieg wird. Unzufrieden wirkt sie nicht. Aber einen Anschiss vom Trainer hat sie bestimmt noch bekommen. Würde mich wundern, wenn nicht.

Auch Lira Bajmaraj verteilt Autogramme, neben ihr ein Fan mit kroatischer Flagge

Auch Lira Bajmaraj verteilt Autogramme, neben ihr ein Fan mit kosovarischer Flagge

Lira nimmt neben einer Freundin oder Verwandten ein Bad in der Menge, die eine kosovarische Flagge, schwarzer Adler auf rotem Grund, in der Hand hält.

Schließlich treten wir den Fußmarsch zurück zu unserem Bus an, es ist eine ziemliche Strecke. Pünktlich starten wir gen Berlin, die Stimmung im Bus ist verhalten. Vor uns fachsimpeln sie über das Spiel, und Verschwörungstheorien werden auch zirkuliert. Lira wolle nach Frankfurt wechseln, deshalb habe sie nicht richtig angegriffen. Solche Art Klatsch ist wohl leider unvermeidlich. Interessant auch, dass die Verschwörungstheoretiker davon ausgingen, dass Lira Coco Schröder mitnimmt, wenn sie geht.

Um vier Uhr Sommerzeit waren wir am Zoo, und wir gönnten uns ein Taxi nach Hause. Mein Fazit: Obwohl diese Fahrten verdammt anstrengend sind, muss ich noch mal eine machen. Schon allein deswegen, weil ich die Athmosphere im Bus nach einem Sieg erleben will.

Ehrlich gesagt, mehr als zwei. Aber weil man ebenso leicht an zu geringem Ehrgeiz scheitern kann wie an zu großem, habe ich mit zwei Projekten angefangen. Ich will einen Zwischenbericht zu meinen Erfahrungen geben.

Vielleicht ist es die Fernwirkung von Nepal. Ich reflektiere mein Einkommen. Ich finde meinen Wohlstand unglaublich. Ich mache mir bewusst, dass ich mehr besitze als ich brauche. Ich finde, das muss Konsequenzen haben.

Also passte ich zuallererst meinen Gewerkschaftsbeitrag und meinen Beitrag für die Partei, in der ich Mitglied bin kräftig nach oben an. Ich überwies einen Schwung Geld an Flattr, um mit Micropayments zu unterstützen, was unterstützenswert ist. Aber das waren nur Einzelaktionen. In zweierlei Hinsicht will ich mein Leben ändern.

Erstens: Ich kaufe kein Fleisch mehr aus konventioneller Massentierhaltung. Nie wieder. Ich kaufe wenn Fleisch, nur Bio, am Besten Neuland oder ein anderes zertifiziertes Label, weil „Bio“ zu lasch ist. Ich esse weniger Fleisch, um eine geringere ökologische Last für den Planeten zu sein. Aber ich verwende mein Geld für eine andere Art und Weise, Nahrung zu produzieren und mit Tieren umzugehen. Nicht weil es besser schmeckt (das tut es auch). Sondern als politische Entscheidung. Weil ich mir das leisten kann, sehe ich mich dazu verpflichtet.

Zweitens: Ich trainiere mir mühsam etwas ab, was ich mir in jahrelanger Übung angeeignet hatte. Die furchtbare Unsitte des Großstädters, achtlos am Elend links und rechts vorüberzugehen. Die Leichtigkeit des Nein-Sagens, des nicht-in-die-Augen-Schauens, des genervt Vorbeihastens. Schon wieder ein „Vortragsreisender“ der in der Bahn sein Verslein von der Obdachlosenzeitung sowieso aufsagt, dachte ich. Ich fühlte mich mit mit meinen Sitznachbarn eins in dem Gefühl der Belästigung. Das muss ich mir doch nicht gefallen lassen, dachte ich. Ich nam eine Haltung ein, die eigentlich der schwarzen Pädagogik zuzurechnen ist: Dir werd‘ ich das Betteln abgewöhnen, Du Schlingel, du kriegst von mir nichts! Ich lasse mich doch nicht nötigen zu einem schlechten Gewissen, beschloss ich. Und hatte es nicht. Zu unrecht.

Denn wie einfach ist eine kleine Geste, so, wie ich sie jetzt praktiziere. Alles messingfarbene Kleingeld geht in eine leicht erreichbare Tasche meiner Jacke. Jeder Erwachsene, der darum bittet bekommt einen kleinen Betrag aus dieser Tasche, was man so greift, blind, ohne großes Bohei. Nur Kindern gebe ich nie Geld, denn die Wahrscheinlichkeit ist zu groß dass es sich bei bettelnden Kindern um ausgebeutete Sklaven handelt.

Muss ich mir denn Gedanken machen, ob der elende Mensch meine 70 Cent vertrinkt? Selbst wenn er es tut, ist es doch seine Sache. Mehr als die Summe zählt die Geste. Der Akt der Freundlichkeit. Ich sehe Ihre Not, sage ich damit, ich habe Mitgefühl. Ich sage das mit Geld, nicht mit Worten. Die Beschenkten verstehen es, glaube ich. Sie verstehen zumindest, dass ich nicht weghöre und wegsehe. Und das ist doch schon sehr viel.

Was mich am allermeisten erstaunt ist, wie wenig Geld dabei drauf geht. In der Woche vielleicht drei Euro, obwohl ich täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin. Mir kam die Bettelei so viel maßloser vor, als ich mich noch angestrengt habe, sie zu ignorieren. Ich hätte gedacht, dass der Vorsatz, wirklich jedem Bettler jedes Mal wenigstens einen halben Euro zu geben das zehnfache kostet, mindestens.

Ich glaube, wir unterschätzen unsere Möglichkeiten, großzügig zu sein. Man könnte es auch Geiz nennen.

Letztens haben wir es geschafft, immerhin vier der Warmduscher vom Everest-Gebiet noch einmal zusammen zu trommeln und den Versuch gemacht. echt nepalesisch zu kochen. Und was soll ich sagen, auch wenn dies leider ein Selbstlob impliziert, es ist phantastisch gelungen. Rezepte findet man mitlerweile leicht im Internet, der nepalesisch-deutsch Kulturverein hat eine Sammlung von Links hier. Ein aktives Mitglied dieses Vereins ist der sehr nette Betreiber des „Nepal Mandala“ Restaurants in der Brunnenstr. 164 in Berlin-Wedding, dicht an der Grenze zu Mitte. Von ihm erwarben wir auch die vier Flaschen echtes nepalesisches Bier, zwar nicht Everest-Bier, aber immerhin, Gurka-Bier schmeckt auch echt.

Frau Dr. und ich beim Chicken Curry

Frau Dr. und ich beim Chicken Curry

Wir hatten überwiegend vegetarische Gerichte, veggie-Momos, natürlich Dhal Bat, also Linsen und Reis, einen Blumenkohl-Curry, einen Eier-Curry und einen Kartoffel-Curry. Und vorweg die unvermeidliche Suppe, mehr so freestyle, aus Gemüse. Und das Huhn für das Hühnercurry war Bio, denn das ist mein fester Vorsatz in 2011: ich kaufe kein Fleisch aus Massentierhaltung mehr. Ich esse überhaupt weniger davon. Und hier ist ein Rezept für eine großartige Gewürzmischung, mit der man fast alles auf nepalesisch trimmen kann, super lecker.

Gabi und Andrea machen Momos

Gabi und Andrea machen Momos

Bei den Momos machten wir es uns einfach: Es gibt beim Asiaten fertige runde Teigblätter für Dumplings zu kaufen, tiefgefroren. Erstaunlicherweise war es kaum ein Problem, all die Gewürze hier in Berlin zu bekommen. Vieles hatten wir ohnehin in meiner umfangreichen Sammlung, Szechuan-Pfeffer, Kurkuma, Nelken, Zimt und Coriandersamen. Und selbst Dinge von denen ich noch nie gehört hatte wie Asafötida waren in Bio-Läden zu erhalten, der Ayurveda-Welle sei dank, die natürlich ansonsten die Pest ist.

Der Lohn der Arbeit ist: lecker!

Der Lohn der Arbeit ist: lecker!

Die vielen verschiedenen Sachen zu kochen ist natürlich ein logistisches Problem, selbst in einer gut ausgestatteten Küche kommt irgendwann die Frage auf: Haben wir eigentlich noch einen Topf für… und wenn ja, gibt es noch eine Herdplatte? Ich frage mich, wie sie das in Nepal machen. Es kamen immer mindestens 5 verschiedene Gerichte auf den Tisch, meist mehr, entweder hübsch auf dem Teller um den Reis herum drapiert, oder als Buffet präsentiert.

nepalisch trinken, Teil 1

nepalisch trinken, Teil 1

Den Nachtisch Sikarni hatten wir in Nepal nicht gehabt, wohl aber im schon erwähnten Nepal Mandala. Ihn herzustellen war dann doch einfacher als gedacht: Man schüttet Sauerrahm und Joghurt in ein Sieb, das mit einem Handtuch ausgelegt ist. Dieses Sieb wird dann auf eine Schüssel gesetzt, so dass die Flüssigkeit aus dem Joghurt ablaufen kann. Gottseidank erlaubte es das Wetter, diese Konstruktion über Nacht auf dem Balkon vor sich hin tropfen zu lassen, im Kühlschrank wäre es eng geworden. Das Joghurt-Konzentrat wird dann nur noch gesüßt und ziemlich wild gewürzt, mit Mandeln oder Pistazien ergänzt – und ist extrem lecker.

nepalisch trinken, Teil 2: der warme Treckerfuß

nepalisch trinken, Teil 2: der warme Treckerfuß

Natürlich durfte zum Abschluß der Rumpunsch nicht fehlen, der nun für immer „warmer Treckerfuß“ heißen wird, zumindest in den Everest Summit Lodges, dafür hat Roland gesorgt. Wir haben dazu einen indischen Rum verwendet, Old Monky, der hat ein schräges schokoladiges Aroma. Und natürlich Zitrone, Zucker, Zimt und heißes Wasser. Schmeckte wie es sich gehört. Und natürlich kann man auf einem Bein nicht stehen, drei ist Bremer Recht, vier ist ne Gerade Zahl, fünf Finger hat die Hand… will heißen, später im Bett liegend kam mir leise der Verdacht, dass es vielleicht besser gewesen wäre, nicht ganz so viel zu trinken.

Hier noch einmal der gesamte Warmduscher-Trek mit allen 17 Teilen schön chronologisch geordnet für Leute, die nicht so gerne viel scrollen.

Ich bedanke mich bei meiner wachsenden Zahl von Leserinnen und Lesern und gebe stolz bekannt, dass dieses kleine, bescheidene, private Blog bereits über 10.000 Besuche verzeichnen konnte. Was nicht zuletzt dem Warmduscher-Trek zu verdanken ist.

A propos danken: Ich danke Gabi für die Fotos, die ich verwenden durfte. Unsere eigenen Fotos waren ja wegen der kaputten Speicherkarte zur Hälfte zerstört, und Gabi ist überhaupt die bessere Fotografin, keine Frage! Danke, Gabi!

Alle 17 Teile von „Auf dem Warmduscher-Trek in Nepal“ zum bequem durchklicken:

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/21/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-1/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/21/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-2/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/21/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-3/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/21/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-4/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/23/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-5/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/24/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-6/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/26/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-7/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/30/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-8/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/30/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-9/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/31/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-10/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/31/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-11/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/01/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-12/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/02/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-13/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/03/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-14/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/07/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-15/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/08/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-16/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/28/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-17-und-ende/