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Archive for the ‘Tierisches’ Category

Kommen wir zu einem ernsten Thema. Auch Stofftiere können unter Schizophrenie leiden. So genannte Freunde haben ein solches Exemplar bei uns eingewiesen, mit einem Arztbrief ausgestattet, um diesem unfreundlichen Akt eine medizinische Rechtfertigung zu geben. In dem Arztbrief war zu lesen, dass wir uns bemühen sollten, das Tier in seiner Ganzheit anzusprechen, und es nicht hektisch hin und her zu stülpen hätten. Ich hatte von Anfang an ein schlechtes Gefühl.

Wir leiden schon genug unter unseren Stofftieren, die sich recht dominant gebärden. Und jetzt auch noch ein klinisch massiv auffälliger Patient! Wir gaben dem indifferenten Wesen den Namen Dolly-Dieter Jeckyll-Hyde. Und sind seitdem hilflos.

Frau Dr. konnte Sympathie für das Tier nur in seiner Identität als Wolf, genannt Dieter, entwickeln. Die Teilpersönlichkeit Dieter wiederum entwickelte eine starke Bindung an Frau Dr. Dieter verteidigt seine Bezugsperson gegen vermeintliche Angriffe und legt ein aggressives Verhalten mir gegenüber an den Tag. Eine nicht geringe Belastung.

Dolly-Dieter Jeckyll-Hyde in der Gestalt als Dieter, der Wolf

Dolly-Dieter Jeckyll-Hyde in der Gestalt als Dieter, der Wolf

Ich glaube auch, dass es vom medizinischen Standpunkt her nicht angezeigt ist, dauerhaft einseitig eine Teilpersönlichkeit des Wahnsinnstiers anzusprechen. Die Teilpersönlichkeit Dolly, ein weißes Schaf, wird so zu stark unterdrückt mit der Folge, dass sich nach innen gerichtete Aggressionen aufstauen. Wenn der Druck zu stark wird, kann man beobachten, wie Dolly sich gegen Dieter zu behaupten versucht. Ein dramatischer Kampf der beiden Persönlichkeiten um die Vorherrschaft entbrennt.

Dolly im Kampf mit Dieter

Dolly im Kampf mit Dieter

Hier sehen wir, wie sich in quälendem Kampf, der Dolly-Dieter Jeckyll-Hyde gewiss gewaltige Schmerzen verursacht, langsam die Teilpersönlichkeit Dolly durchsetzt.

Dolly-Dieter Jeckyll-Hyde in der Gestalt als Dolly, das Schaf

Dolly-Dieter Jeckyll-Hyde in der Gestalt als Dolly, das Schaf

Bis Dolly schließlich triumphiert. Frau Dr. reagiert ausgesprochen negativ auf Dolly, vor allem morgens. Denn Frau Dr. ist ein Morgenmuffel, wie hier schon verschiedentlich erwähnt worden ist. Und Dolly ist morgens ziemlich penetrant zu ihr, wohl auch als Rache für die Parteilichkeit zugunsten von Dieter. „Ey Alte, das ist echt ein voll geiler Morgen, voll der Bringer, sieh das doch einfach mal nur positiv. Easy, Frau Dr., dem fröhlichen Menschen lächelt das Glück…“ und so weiter quasselt Dolly drauflos, während Frau Dr. die Decke über den Kopf zieht.

Aber Dollys Triumph ist natürlich nicht von Dauer. Schon sehr bald ist Dieter wieder zurück und richtet seine Aggressionen gegen mich. Warum, ist mir ein Rätsel. Aber so ist es.

Schaf im Wolf oder Wolf im Schaf?

Schaf im Wolf oder Wolf im Schaf?

Mit schlechtem Gewissen muss ich zugeben, dass wir den Patienten kein Stückchen näher an die Genesung bringen konnten. Ich befürchte sogar, in unserer Obhut hat sich sein Leiden verschlimmert. Wenn jemand da draußen Erfahrung mit der Behandlung von Schizophrenen Stofftieren hat und Tipps geben könnte, wären wir sehr dankbar. Nutzen Sie bitte die Kommentare. Vielen Dank!

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Die Muskelkaterkrabbe

Verschiedentlich bekam ich bereits Beschwerden von Leserinnen und Lesern, dass mein Blog etwas zu Fußballlastig werde. Ich nehme Anregungen immer gerne an und widme mich heute dem Thema Biologie. Der Anlass ist erfreulich, denn ich habe heute eine neue Art entdeckt, die Muskelkaterkrabbe.

Die Muskelkatergrabbe gehört zur Ordnung der Geziefer. Geziefer haben sich irgendwann in der langen Geschichte der Evolution von den Ungeziefern abgespalten und leben in enger Symbiose mit manchen Menschen. Es sind hoch spezialisierte Nischenbewohner, oft ernähren Sie sich ausschließlich von einer einzigen Person, und von dieser wiederum nur auf ganz spezialisierten Körperarealen. Es gibt zum Beispiel Rückenbeißer, die sind sehr angenehm massierend für das Wirtstier, ich meine den Wirtsmenschen. Es gibt aber auch sehr lästigen Befall.

Geziefer sind für das bloße Auge unsichtbar, aber man kann sie sehr wohl fühlen.  Man hat das Gefühl, ständig betatscht einen jemand. Auf Nachfrage, „Schatz warst Du das?“, stellt sich dann heraus, es war mal wieder das Geziefer.

Seit einigen Wochen nun wird bei uns gejoggt. Wir wollen ja nach Nepal und dort trekken, da braucht’s etwas Kondition. Und weil wir uns wirklich über die Maßen schinden, ist offenbar eine neue Nische für ein weiteres, neuartiges Geziefer entstanden: die Muskelkaterkrabbe.

Die Muskelkaterkrabbe in 10.000facher Vergrößerung

Die Muskelkaterkrabbe in 10.000facher Vergrößerung

Sie beißt besonders gerne in schmerzende Oberschenkel. Ein gequältes Stöhnen scheint ihren Appetit noch enorm anzuregen. Wirklich extrem belastend.

Wir haben schon überlegt, den Kammerjäger zu rufen. Aber wahrscheinlich ist die Muskelkaterkrabbe streng geschützt weil extrem selten. Das würde mich jedenfalls nicht wundern. Die Tierschützer sind ja überall auf dem Vormarsch, und um uns Krabbengeplagten Jogger kümmert sich natürlich mal wieder kein Schwein.

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Lucky ist tot. In Ballarat im australischen Bundesstaat Victoria starb sie hochbetagt, im Alter von 23 Jahren. Bereits mit 21 hatte sie einen Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde als ältestes Schaf der Welt erringen können – Unsterblichkeit war ihr allerdings nicht gegeben.

Zum Todesfall sagt Waltraud Mouton-Noir, Begründerin und einzige Anhängerin des Schwarzschafismus: „Lucky macht uns Schafen Hoffnung, dass ein längeres und ein glücklicheres Leben für Schafe möglich ist. Freilich ist der Weg noch weit, nicht nur weil Schafe gegenüber Menschen diskriminiert werden, sondern weil auch innerhalb der Schafpopulation die schwarzen Schafe immer noch schlechtere Karten haben. Lucky war weiß. Erst wenn wir ein schwarzes Schaf mit dieser Langlebigkeit vorweisen können, wird für den Schwarzschafismus substanziell etwas erreicht sein.“

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Hamster in der Wirtschaftskrise

Ich habe gezögert, diesen sehr hellsichtigen Artikel aus der brand eins hier zum Thema zu machen, denn ich muss die berechtigte Kritik meiner Leser fürchten. Ich bin ob des Artikels innerlich zerrissen. Einerseits möchte ich dem Autor Wolf Lotter recht geben, andererseits will und kann ich es nicht akzeptieren, dass Hamsterräder abgebaut und Hamster arbeitslos werden. Der Hamster gehört doch in sein Rad! Ich sehe auch die Alternative nicht, die Lotter andeutet – ein Lotterleben etwa?

Ja,  ich gebe es zu, auch wir haben den Arbeitsplatz eines Hamsters abgebaut, eine schmerzliche Entscheidung, die aus dringenden betrieblichen Gründen  erfolgte – Allergisches Asthma auf Seiten von Teilen des Managements – und die uns nicht leicht gefallen ist. Auch angesichts der Proteste, die sich dagegen erhoben. Wir hatten schon verschiedentlich Demonstrationen in unseren vier Wänden, aber diese traf vor allem Frau Dr. als Gewerkschaftsmitglied und Betriebsratsvorsitzende (disclaimer: sie vertritt eine andere Spezies als die Hamster, nämlich Menschen) sehr persönlich.

Aber zurück zu brand eins. Wir legen Wert auf die Feststellung, dass die bei uns angestellten Hamster, insbesondere Cecilia (aka Bernadette), keine Goldhamster waren sondern anständige, ordentlich das Hamsterrad betätigende Tiere. Wir haben den Käfig samt Hamsterrad an eine Investorin verkauft, der uns versicherte, er wolle den Arbeitsplatz mit einem neuen Hamster besetzen. Bei der Investorin handelte es sich allem Anschein nach um eine echte Unternehmerpersönlichkeit, und nicht um einen Heuschrecken-Fonds, der die einzelnen Teile des Käfigs gewinnbringend im Zoohandel veräußert hätte.

Ich denke, wir sind nach alledem unser ethischen Verpflichtung zum Erhalt von Vollzeit-Hamsterradarbeitsplätzen nachgekommen.

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Wir hatten schon seit Wochen den Verdacht, dass es um unseren Haushamster nicht zum Besten steht. Cecilia ließ sich immer seltener außerhalb ihres Baus blicken, aß nur im Schutz der Dunkelheit rasch ein paar Salatblätter oder etwas Möhre, räumte den frisch aufgefüllten Napf in ihr Nest um, und das war es dann. Wortkarg war Cecilia ja schon immer, aber wir kannten sie noch als lebendige junge Hamsterin, mit Sturm und Drang ihr Hamsterrad antreibend und mit waghalsigen Klettermanövern die in den Käfig gehängten Knusperstangen vertilgend.

Wir wissen, Cecilia hatte auch eine dunkle, zweite Seite. Von der wusste nur ein Ehepaar aus Altglienicke, bei dem sie unter dem Decknamen Bernadette ausleben konnte, wozu sie zu Hause in Berlin Mitte nicht das Recht zu haben meinte. Sie hat dort passiv geraucht, Duran Duran (sprich: Duhrann) gehört und „Dynamo, Dynamo!“ gerufen – und noch vieles mehr, von dem wir nichts wissen und wohl auch nie mehr erfahren werden. Es schmerzt uns heute, dass sie uns zu einem so wichtigen Teil ihres Lebens keinen Zugang gewähren wollte, und wir müssen uns selbstkritisch fragen, ob es uns an Offenheit gefehlt hat.

So vieles gäbe es zu besprechen. Aber uns war die Zeit nicht mehr gegeben. Dennoch – tief im Herzen habe ich die Gewissheit, dass Cecilia (Bernadette) immer gewusst hat, dass wir sie als ganzen Hamster akzeptieren, mit allen ihren Facetten und auch mit ihren Abgründen. Cecilia ist die Letzte ihrer Art, denn einen neuen Hamster hat der Allergiearzt von Frau Dr. G. untersagt. Wir werden sie in Erinnerung behalten, als das knopfaugigste und tiefgründigste Hamsterchen, das je in unserem Wohnzimmer gelebt hat.

Wir bitten von Kranzspenden abzusehen und würden uns stattdessen über eine Beileidsbekundung in den Kommentaren freuen.

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Zutiefst erschüttert muss ich feststellen, dass unser Hamster Cecilia offenbar während seiner Abwesenheit anlässlich der diversen Jahresendfeierlichkeiten nicht nur umbenannt und gehirngewaschen worden ist, sondern auch noch unter dem falschen Namen „Rodney Stanger“ ein Kapitalverbrechen begangen hat.

Ich grübele noch, wie er es in der kurzen Zeit bis an die Ostküste der USA und zurück schaffen konnte. Hier liegt der Verdacht der Beihilfe nahe, der sich gegen ein mir bekanntes Ehepaar aus Altglienicke richtet, dem der Hamster eigentlich zur getreulichen Pflege übergeben worden war.

Hier die belastenden Indizien:

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Arme Cecilia! Von jetzt ab ist sie zwei Wochen im tiefsten Osten, beim Ehepaar G. und wird wieder nach alter FDJ-Kunst und -Fertigkeit zugerichtet, bis sie nicht mehr weiß, wie sie heißt. Wir geben einen ausgeglichenen und tendenziell konservativen Hamster in Pflege. Zurück bekommen wir einen kettenrauchendes und Rockabilly hörendes Tier, das seine niedlichen Knopfaugen hinter einer Sonnenbrille versteckt, um als Raubtier durchgehen zu können – wetten?
Ach! In den kommenden Tagen wird hier in den Kommentaren die Gehirnwäsche nachzulesen sein. Mir wird es das tierliebende Herz zermartern. Den G.’s höhnisches Lachen auf die Gesichter zaubern.
Warum ist das Böse in der Welt? Warum kann ein unschuldiger Hamster mit Festanstellung auf Lebenszeit, der wenn er ein Wahlrecht hätte bestimmt die FDP wählte, warum kann der nicht einfach in Frieden seine Nüsse verzehren?
Ich bitte um sachdienliche Antworten.

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