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Archive for the ‘Places to be’ Category

Dreieinhalb Jahre nach dem berühmten Warmduscher-Trek kommt 2014 endlich die Fortsetzung. Wieder Nepal, wieder der Himalaya, aber ein anderer Berg. Und etwas kernigere Bedingungen. Lassen Sie mich vorwegnehmen, dass wir, den Klassiker „The Ascent of the Rum Doodle“ im Gepäck und den richtigen Berg schließlich gefunden haben.

ABC steht für Annapurna Base Camp, das Ziel unseres Treks. Aber vor jedem Ziel kommt der Weg. Und der ist Nepali-flach, was so viel bedeutet wie fast senkrecht. Eingedenk dieser Tatsache haben wir dieses Mal bereits 5 Monate vor der Abreise mit unserem Konditionstraining begonnen. Auf unzähligen Runden der Tartanbahn des Friedrich Ludwig Jahn-Sportparks keuchten wir uns zu: „Wer ist eigentlich auf die bescheuerte Idee gekommen, in unserem Alter noch nach Nepal zu fahren?“ und beandworteten die Frage mit einem gleichzeitig gejapsten „Du!“ Wir speckten jede 5-6 Kilogramm ab, indem wir ein gutes Vierteljahr lang an zwei Tagen pro Woche jeweils nur 600 Kalorien zu uns nahmen. Die schlechte Laune an den Hungertagen war hochgefährlich für unsere Mitmenschen und uns selbst.

Und schließlich war es so weit: Der Trek konnte beginnen! Mit einem Bier am Flughafen Tegel.

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Auch bei diesem Trek sind wir wieder nur die Träger für die Stofftiere Biggi und Waltraud, die eigentlich diese Reise unternehmen. Die Erstbesteigung des Annapurna Base Camp durch Stofftiere. Wir sind nur Mittel zum Zweck.

In Tegel zieht sich die Zeit bis zum Boarding ewig hin. Eine Gruppe von Phuket-Reisenden aus Sachsen, unter ihnen die Reinkarnation von Sponge Bob, hat dem Alkohol reichlicher zugesprochen als wir. Es ist schwer, das Gelalle auszublenden. Ich veranschlagte Sponge Bob auf einen IQ von 35 (Brot hat 40).

Bei Nachtflügen denke ich immer dass ich unmöglich in dieser Sardinenbüchse schlafen kann – und tue es dann doch. In Abu Dabi warten wir fast vier Stunden auf den Weiterflug, während Sponge Bob mit einer Dose Heineken in der Hand nach seiner Herde sucht. Im Flieger nach Kathmandu haben wir die Sachsen dann abgehängt, können wieder etwas pennen und leiden Durst. Der Service bei Ethiad war schon mal besser.

Kathmandu Airport ist baulich vergleichbar mit einer durchschnittlichen deutschen Gesamtschule. Der internationale Teil, wohlgemerkt. Die Abflughalle für Inlandsflüge ist eine Mischung aus Markthalle und kleiner Spedition. Uns ist der Flughafen schon vertraut, und auch das Chaos und der Dreck, der Linksverkehr und der Lärm durch das ständige Gehupe auf Kathmandus Straßen schocken nicht mehr so wie beim ersten Besuch.

Unser Hotel ist ein kleines grünes Paradies im Moloch. Seht hier. Unser erster Tag endet, wie er begann: Mit Bier auf der Dachterrasser.

Der zweite Tag: Ab nach Pokhara

Um 6 Uhr klingelt der Wecker. Wir duschen und packen die Wanderschuhe zunächst in unsere Taschen, werden sie noch lang genug tragen. Das beste am Frühstück ist der leckere selbst gemachte Joghurt. Unser Guide heißt Kamal, und er spricht relativ wenig Englisch, auch Deutsch nur einige Worte. Ich verstehe ihn teilweise nicht gut, Birgit ist da besser. Der Träger heißt Ham (wie das englische Wort für Schinken), ist einen Kopf kleiner als ich und ziemlich schüchtern. Der Fahrer ist sehr cool mit seinen Autofahrer-Handschuhen, einer hippen Frisur und Sonnenbrille. Er fährt uns sicher über die teilweise aufgerissene „Autobahn“, die mehr ein teilweise geteerter Feldweg ist. 220 Kilometer, sechs Stunden Fahrt. Wir hatten einen Transfer mit dem Jeep erwartet, aber es ist ein komfortabler 9-Sitzer Bus.

Die LKW sind bunt bemalt, vorne haben sie häufig indische Gottheiten prangen und einen Spruch wie „Speed Limit“, „Road King“ oder „Speed Control“, hinten heißt es „See you“, „Horn, please“ oder „Wait for signal“.

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Die Baustellen sind abenteuerlich. Frauen mit Tragekörben schleppen den Kies heran. In einem für den Hausbau üblichen kleinen Zementmischer wird der Beton für den Fahrbahn-Untergrund gemischt.

Im Tal reiht sich Dorf an Dorf. Viele Reisfelder werden gerade mit Ochsengespannen gepflügt, dann geflutet und bepflanzt. Ich sehe Bananenstauden und suche nach den Bananen. Wir machen Kaffee- und Pinkelpause in einem Restaurant, wo eine große Gruppe Asiaten (Japaner vermutlich) sich mit einem Bananen-Fruchtstand vergnügt – für die genauso etwas ungewöhnliches wie für mich, scheint’s. Das Mittagessen ist Dal Bhat, also Reis und Linsen, mehr als ein Nationalgericht, sondern eher das einzige, was normale Nepalis jemals essen. Im Restaurant wird es meist mit etwas Kartoffelcurry, Pickles und einer Art Spinat oder Mangold (aber leckerer als letzterer) gereicht. Und der Kartoffelcurry ist scharf.

Wir sind bereits gegen halb drei in Pokhara, haben wieder ein tolles Hotel. Der Security-Mann am Eingang salutiert jedes Mal, wenn wir vorbeigehen. In meinem Arm zuckt es, ich will zurück salutieren.

Wir schlendern in die Stadt, die früher als Hippie-Paradies galt. Davon ist nicht mehr viel zu sehen, aber jede Menge Läden mit Touristen-Krempel wie Klangschalen, T-Shirts und Trecking-Ausrüstung. Ich kaufe mir einen Pashima-Schal. Birgit kauft Karten von der Gegend.

Wir gehen zum See und setzen mit dem Boot über zu einem Tempel auf einer Insel – die einzigen Touristen zwischen lauter festlich gekleideten Nepalis, Frauen in bunten Saris, die als Opfer Blumen, Räucherkerzen und bunte Farbpulver darbringen. Am Seeufer lassen wir den Tag ausklingen, bei einer köstlichen Forelle aus dem See und einem Everest-Bier. Der Kellner in dem Gartenrestaurant ist ungeheuer charmant. Er erinnert mich an den Jungen aus dem Film „Slumdog Millionaire“.

Hier alle Fotos vom zweiten Tag.

 Dritter Tag: Auf dem Trek nach Ghandrung

Der Wecker versagte aber Birgit funktionierte. Ein opulentes Frühstück wurde verspachtelt. Und jetzt: Adieu, Luxus! Willkommen, steiler Pfad!

Unser cooler Fahrer fuhr uns noch ein kurzes Stück nach Najapul. Von hier geht es weiter auf Schusters Rappen. Der kleine Ham schnürte unsere beiden Taschen zusammen und hing sich die fast 30 Kilo mit einem Tragegurt auf die Stirn – und war meistens vorneweg.

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Hier der Größenvergleich: von links unser Gepäck, der Träger Ham, und Birgit.

Im Everest-Gebiet werden die Gepäckstücke meist von Rindern getragen, einer Kreuzung aus Rind und Yak genauer gesagt, gewissermaßen das Maultier unter den Paarhufern. Im Langtang sind Maultiere üblich. Im Annapurna-Gebiet werden Lasten durch Träger befördert (mit wenigen Ausnahmen). Die Alternativen sind folgende: Gewöhne Dich an den Gedanken oder trage selbst. Wer selbst trägt, nimmt Ham seinen Job weg. Tja.

Wir folgten etwa eineinhalb Stunden der staubigen Straße, die zum Glück wenig  befahren war (Auto = Staubdusche).  Dann folgte ein erster, kurzer und steiler Anstieg über Treppen nach Syauli Bazar, dem Ort unserer Mittagsrast. Wir machten den Fehler, Momos zu bestellen, die leckeren nepalesischen Teigtaschen. Es dauerte ewig, aber sie waren göttlich.

Wir stiegen dann wieder ab nach Khimche, und kamen wieder an die Straße, die hier endet. Viele Trecker beginnen erst hier mit der Tour. Nach dem sich weit erstreckenden Dorf ging es erst flach, dann wieder steil weiter. Wir kommen an einer Schule vorbei, dort steht eine Spenden-Sammelbox. Birgit zweifelt, ob das dort gesammelte Geld wirklich der Schule zugute kommt. Ich lasse mich davon beeinflussen, obwohl ich eigentlich was in die Box geben wollte. Im Nachhinein ärgerte ich mich. Und spende von da an immer.

Gegen Ende der Strecke kommt das richtig fiese, steile Ende. Der Aufstieg nach Ghandrung auf 2.000m zieht sich wie Kaugummi. Immer reiht sich noch eine Treppe an die vorherige. Und als die ersten Häuser von Ghandrung erreicht sind, sind wir mitnichten am Ziel, denn dies ist erst der neue Teil des Ortes. Unsere Lodge ist noch eine gute halbe Stunde Treppensteigen weiter, im alten Ghandruk.

Wir stoppen in einem winzigen Museum, in dem altersschwache Gegenstände aus dem Leben der Bauern hier ausgestellt sind(wie sie nicht selten noch heute in Benutzung sind). Auch das ACAP Annapurna Conservation Area Project besuchen wir, aber da ist der Beamer kaputt und deswegen nicht viel zu sehen. Es reut mich um die Treppen, die wir zum ACAP hinunter gestiegen sind und die jetzt wieder erklommen werden müssen.

Endlich kommt das alte Dorf. Mit Lehm verputzte kleine Veranden kennzeichnen die traditionelle Bauweise. Die Dächer sind mit Schiefer gedeckt. Das Vieh steht in Bambus-gedeckten Unterständen oder quasi mit im Haus. Vorne an den Häusern hängen Maiskolben zum Trocknen, und Bienenstöcke aus Holz.

Unsere Lodge hat ein winziges Zimmer, in das gerade so zwei Betten und unser Gepäck passen. Wir genießen die heiße Dusche. Mit einem Gurkha-Bier feiern wir das Ende der ersten Etappe. Hier alle Fotos. Das Eine Foto vom Baumdickicht ist ein Suchbild: Finden Sie die Affen!

Vierter Tag: Vergleichsweise easy nach Tadapani

Früh morgens scheint die Sonne und es gibt einen ersten Blick auf Annapurna Süd, Hiyauli und Machapuchare (Fish Tail), wenn auch mit ein paar Wolken drum herum. Der Kaffee ist gesüßt, aber mit unserem Nescafè-Espresso-Nachwürz-Trick wird er genießbar. Kamal beobachtet uns und zieht seine Schlüsse, von denen noch zu lesen sein wird.

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Wir machen einen Spaziergang durch das Dorf, bevor wir los wandern. Die Leute wohnen hier wie im Mittelalter, bis auf die Strommasten und hin und wieder Gegenstände aus Kunststoff. Auf einem größeren Platz im Zentrum des Dorfes spielen die Jungen Volleyball, der Nationalsport in Nepal. (Kein Wunder eigentlich, schließlich fehlt es an genügend ebener Fläche für Fußballfelder). Schließlich machen wir uns gemütlich auf den Weg. Die einzigen beiden nepalesischen Wörter, die ich kann sind bistare (langsam) und namaste (guten Tag/ auf Wiedersehen). Ersteres ist das Geheimnis des Ankommens. Nur wer schleicht, wird ABC erreichen!

Am oberen Ende des Dorfes passieren wir noch ein richtiges Volleyballfeld, dann geht es endlich in den Urwald, in die berühmten Rhododendronwälder. Doch wir sind enttäuscht. Die Bäume tragen nur wenige Blüten, denn das Wetter war hier bis vor kurzem noch recht garstig.

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Dabei war die Rhododendronblüte doch der Grund, weswegen wir überhaupt im Frühjahr diese Reise geplant haben…

Immerhin ist es angenehm schattig im Wald. Die knorrigen, mit Moos bewachsenen Bäume taugen für eine Verfilmung des Hobbit, außer Tieren und unseren Schritten ist nichts zu hören. Es sei denn eine Gruppe anderer Trecker kommt vorbei.

In Bhaisi Kharka, dem Ort unserer Mittagsrast, essen wir eine leckere Nudelsuppe und trinken eine riesige Kanne Tee. Zwei Holländerinnen, die wir bei einer vorherigen Rast überholt hatten, flirten mit unserem Träger Ham. Wie viel Kilos er trage, fragen sie, bewundern und bedauern ihn. Dass es unsere Plünnen sind, mit denen Ham sich abplagt, wissen sie nicht. Wir schauen unschuldig drein.

Weiter gehts, bistare, bistare, durch den Wald. Wir sehen etwas mehr blühenden Rhododendron und vor allem eine Herde Pavian-ähnliche Affen mit grauem Fell.

Um 14 Uhr sind wir bereits an der Lodge und haben Pech. Eine riesige Gruppe von etwa 30 Koreanern ist auch da, und alle wollen duschen. Koreanerinnen sind da recht langwierig. Irgendwann bekommen auch wir unseren Tropfen heißes Wasser. Die Koreaner sind Gegenstand allgemeinen Spotts: Sie kleiden sich wie für eine Everest-Expedition, in neuester und teuerster Ausrüstung, inklusive lächerlicher Staubmasken, die außerhalb Kathmandus keiner braucht. Und sie bringen eigene Köche und eigenes Geschirr mit um bei jeder Mahlzeit dasselbe zu essen: Nudelsuppe, Reis, getrockneten Fisch und koreanische Pickles. Wohl bekomm’s!

Kaum haben wir endlich geduscht, gibt es einen mächtigen Wolkenbruch. Wir kuscheln uns in ein beheiztes Panorama-Zimmer (SEHR seltener Luxus auf dieser Reise), denn es wird auf 2.600m bereits empfindlich kühl, wenn die Sonne weg ist. Wir spachteln reichlich Dal Bhat, schwatzen ein wenig mit zwei netten Österreichern, und dann reißen plötzlich die Wolken auf. Und die Koreaner die Fenster. Ich bin erst sauer, weil mir kalt ist. Aber dann gehe ich raus und fotografiere. Berge!

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Da ist er, der Fish Tail.

Hier alle Fotos vom vierten Tag.

Fünfter Tag: Auf und Ab nach Chomrong

Wegen ihrer Ohrstöpsel hört Birgit den Wecker nicht und erschrickt, als ich sie anfasse. Wir frühstücken einen prächtigen dicken Apfelpfannkuchen. Die Koreaner essen exakt das, was sie gestern abend hatten. Zu unserer Mittagsrast treffen wir einen Teil der Gruppe wieder – sie essen… richtig geraten!

Unser Weg geht erst durch angenehm schattigen Rhododendronwald, dann steil über Treppen durch in der Sonne liegende Weizenfelder. Es ist Anfang April, und das Getreide ist fast reif zur Ernte. Hier sind wohl zwei Ernten pro Jahr möglich – Kamal bestätigt es mir auf meine Frage hin.

Während unserer Mittagsrast in Kamrung (Birgit gönnt sich leckere, handgeschnitzte Pommes) werden wir gefragt, ob wir Medizin dabei hätten. Der Senior der Lodge hat eine zwei Wochen alte Brandwunde am Fuß, die offenbar schon von Vorgängern versorgt worden war (sonst hätte sie nicht so relativ gut ausgesehen). Wir helfen mit Bepanthen und einer sterilen Wundauflage.

Dann steigen wir ab zu einer Hängebrücke und erklimmen danach, in der Sonne schwitzend, den steilen Weg wieder hinauf nach Chomrong auf 2.250m. Zwei mal noch machen wir Rast zwischendurch. Und ein Mal bewundern wir eine Gruppe Russen. Der Hahn im Korb posiert auf einem Baum, der über einem Felsvorsprung ragt, für ein Macho-Foto in bester Putin-Manier. Eine der Frauen hat ganz kurze schwarze Boxershorts an, so wie die Boxer sie noch in den 80ern trugen. Unter diesen lugt ein ebenfalls schwarzes, durchsichtiges Negligé-Höschen hervor.  Die Nepalis sehen höflich darüber hinweg. Vielleicht lästern sie ein wenig, wer weiß.

Die Regel bei unserem Reiseveranstalter Hauser lautet: Deine Unterkunft ist immer die letzte Lodge im Dorf (besonders wenn dieses Dorf sich über Kilometer erstreckt). Heute haben wir Glück und unsere Lodge ist die vorletzte.

Und wieder zieht es sich abends zu und die Berge verschwinden. Hoffentlich ist die Sicht morgen gut.

Hier alle Fotos vom fünften Tag.

Sechster Tag: Nepali flat nach Doban

Wir machen die wichtigste Frühstücks-Entdeckung: Gurung Bread (auch Tibetan Bread genannt). Das ist die nepalesische Version von Batura, in Fett herausgebackenes, leicht gesüßtes und aufgeblähtes Brot. Genau die richtige Kalorienbombe für die Anstrengungen des Tages. Dazu gibt es Eier, immer Eier, denn die Marmelade und der Honig sind meist ungenießbar fies süß, und anderes gibt es nicht. Außer Porridge natürlich, aber den können nur Briten essen. Für Menschen ist das Zeug unbekömmlich.

Jeden Abend und jeden Morgen ist die Bestellung des Essens dasselbe Ritual. Kamal, unser Guide, kommt mit einem Zettelblock der Lodge und mit der Karte. Er nimmt unsere Bestellungen von Abendessen und Frühstück auf, und schreibt die gewünschten Gerichte Buchstabe für Buchstabe aus der Speisekarte ab. (Ich hoffe, dass er des Schreibens mit nepalesischer Schrift etwas mächtiger ist…) Dann erfragt er die gewünschte Zeit, zu der wir essen wollen. Schließlich gibt er die Bestellung weiter und serviert uns auch das Essen. Er wartet ab, ob alles in Ordnung ist und geht erst dann mit dem Träger Ham zu den anderen Nepalis in die Lodge-Küche, sein Dal Bhat essen. An diese Bedienerei kann ich mich nur schwer gewöhnen. Wir könnten problemlos selbst ordern, weil die Lodge-Besitzer genug Englisch verstehen – aber Kamal nimmt seinen Job sehr ernst.

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Die Speisekarten sind von der lokalen Tourismusorganisation standardisiert und mit Einheitspreisen versehen. Damit wird verhindert, dass die Lodges sich gegenseitig mit Preisen unterbieten. Mit steigender Höhe steigen auch die Einheitspreise, weil das Essen einen weiteren Weg von Trägern hinauf getragen werden muss. Das macht sich insbesondere beim Dosenbier bemerkbar. Die Preisstruktur ist eigenwillig. Eine Übernachtung kostet fast nichts, das Doppelzimmer höchstens drei Euro. Das Mittag- und Abendessen hingegen kostet je nach Gericht mehr. Wenn Warmwasser mit Gas statt mit Solarenergie hergestellt werden muss, dann kann eine Dusche ganz oben im Basislager so viel Kosten wie das Zimmer. Die Lodge-Besitzer machen ihr Geld also mit dem Essen. Da sind koreanische Selbstversorger natürlich ein Problem. Weswegen es saftige Sonderpreise für die Küchennutzung gibt.

Wir starten um 8 Uhr früh, wie immer.  Zunächst gibt es einen langen, langen Abstieg über endlose Treppen zur Hängebrücke, dann heißt es dieselbe Strecke auf der anderen Seite wieder erklimmen, bis zu einer kleinen Teepause in Sinuwa um halb 11. Auf der Strecke sind wir meistens in der Sonne unterwegs, wir passieren hunderte winzige, auf Terrassen angelegte Felder, wie sie die Landschaft unterhalb von 2.500 Metern hier prägen. Hin und wieder kommen uns Rinder entgegen, auf dem Weg zu ihrer Weide oder zu ihrem Unterstand. Die Nepalis haben viel Respekt vor diesen Tieren – und wir dann auch. Kamal verjagt die Rindviecher für uns vom Weg, damit wir passieren können.

Nach der Teepause haben wir noch einmal zweieinhalb Stunden Marsch bis zu unserer Mittagsrast in Bamboo Lodge. Wir steigen  zur nächsten Hängebrücke ab und klettern wieder hoch. Dann macht der Trek einen weiten Umweg um eine Erdrutsch-gefährdete Stelle am Hang, also wieder hoch und runter, weil es soviel Spaß macht. Immerhin haben wir jetzt wieder den Schatten des Rhododendron-Urwalds um uns herum. Es bewölkt sich immer mehr. Werden wir es trockenen Fußes in unsere nächste Lodge schaffen? Ham eilt uns mit dem Gepäck auf dem Rücken voraus, das beschämt uns. Er ist zwar nur halb so alt wie wir, aber auch einen ganzen Kopf kleiner.

In Bamboo machen wir eine Stunde rast und vertilgen ein extra fettiges, kalorienreiches Mittagsmahl, gebratene Nudeln bzw. Reis. Während wir rasten, laufen ständig Jungs mit Holzkiepen an uns vorbei. Sie schleppen Steine zu einer Baustelle neben der Lodge. Jedes Haus hier ist buchstäblich auf dem Rücken von jungen Nepalis gebaut.

Beim Aufstehen nach der Rast merke ich den Muskelkater. Wir haben vorbeugend jeden Tag Magnesium genommen – es hilft nichts. Aber als die Muskeln wieder warm sind, geht es einigermaßen. Der Weg durch den Wald nach der Bamboo Lodge ist nicht mehr so steil, und wir erreichen schon nach einer Stunde Doban, unser Ziel für die Nacht. Die Tip-Top Lodge in Doban ist nicht besonders tip-top. Zwar gibt es Everest-Bier in Dosen, aber die Momos schmecken bescheiden. Und die Toilette der Tip-Top Lodge gehört zum fiesesten, was das Annapurna-Gebiet zu bieten hat. Wie die meisten Klos hier ist es ein Stehklo, also dieses schon an sich eher fiese Loch im Boden. Aber dieser Gestank! Und als Frau muss man sich dem Quell des Geruchs so unangenehm nähern, dass es besonders morgens Brechreiz verursacht. Wir suchen vergeblich nach einem Waschbecken und verzichten deshalb am Abend aufs Zähneputzen.

Wir sind zwar nur auf 2.500 Meter, aber es wird jetzt nachts richtig fies kalt. Deshalb liegen wir um 20 Uhr in unseren Schlafsäcken – Daune sei Dank! – und mummeln uns ganz fest ein. Ich brauche ewig, bis meine Füße endlich warm werden. Immer wieder höre ich Regen auf dem Wellblechdach unserer Lodge.

Hier alle Fotos vom Tag.

Siebter Tag: 1200 Meter höher – und Höhenkrank

Am Morgen ist der Himmel wieder klar, aber das Tal liegt noch in tiefem, kalten Schatten. Wir bekommen einen Wasserhahn gezeigt – die Alternative zum Waschbecken. Zähneputzen mit auf-den-Boden-spucken, der hier natürlich zugleich Wäschewaschplatz ist. Ich ziehe mich für den nächsten Abschnitt deutlich wärmer an. Unser Pfad geht erst Nepali-flach, dann mit deutlich angenehmerer Steigung aufwärts zum Ort Himalaya Hoitel, wo wir Tee trinken und rasten. Danach wird der Wald zu Buschwerk, und der Blick auf dramatische Steilwände frei.

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In Deurali machen wir Mittagsrast mit Gurong Bread und Nudelsuppe. Wir sitzen draußen, aber überdacht. Das ist praktisch, denn während wir essen, fängt es an zu regnen. In leichtem Schneeniesel machen wir uns wieder auf den Weg. Wir haben die Baumgrenze hinter uns, die Vegetation ist winterlich braun, der Weg hat keine ordentlichen Stufen mehr, sondern es muss über Geröll und Steine geklettert werden.

Schon kurz hinter Deurali müssen wir den Fluss Modi Khola überqueren und auf dem anderen Ufer weitergehen, wegen Lawinengefahr. Die großen Geröllbrocken machen den Aufstieg mühsam, hin und wieder geht es durch Matsch oder über verharschten Schnee. Dann kommt die Querung zurück auf die andere Seite des Flusses.

Der Schneefall wird stärker. Wir ziehen unsere Hardshells und Regenhosen an, Kamal nimmt seinen an einer Seite aufgeschnittenen Müllsack als Regenschutz, wie ihn auch die meisten nepalesischeen Träger verwenden. Durch Matsch, Geröll, Schnee klettern wir weiter, und langsam merke ich die Höhe. Jeder dicke Brocken bringt mich ganz schön ins Schnaufen.

Endlich kommt das Machapuchare Base Camp in den Blick. Verlockend thront es über uns. Aber vor dem Tee (kein Bier mehr über 3.000 Meter!) und dem Abendessen ist noch ein weiter Bogen zu bewältigen, um dort anzukommen. Der Umweg ist der Preis für eine etwas sanftere Steigung, bitter nötig bei unseren nachlassenden Kräften.

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Obwohl unsere Übernachtungen jeweils reserviert und bestätigt sind, ist es eine Lotterie, ob wir bei dem Trubel hier ein Zimmer bekommen oder mit anderen im Dining Room schlafen müssen. Denn die Lodge-Besitzer bevorzugen große Gruppen und verlieren schon mal eine Reservierung, um eine solche Meute noch unterzubringen. Aber am MBC haben wir Glück und unser kleines Kämmerlein.

Der Essensraum im Gurung Guest House, MBC, ist pickepackevoll. Um bis zum Abendessen durchzuhalten vertilgen wir jeder ein Snickers. Es ist wieder fies kalt, ich habe zunehmend Kopfschmerzen wegen der Höhe. Ein so starker Aufstieg an einem Tag ist für die Höhenkrankheit gar nicht gut. Idealerweise sollten zwischen den Übernachtungen nicht mehr als 500 Höhenmeter liegen.

Nach dem Abendessen macht der Lodge-Besitzer unter dem Tisch die Heizung an. In den Dining Rooms der Lodges gibt es jeweils einen einzigen großen Tisch mit Bänken drumherum. Hinter diesen Bänken, an der Wand entlang gereiht stehen die Notbetten für überzählige Gäste. Am unteren Rand des Tisches ist ein dicker Stoff befestigt, den man sich wärmend auf die Beine legen kann. Dieser Tisch mit Vorhang wird mit einem Petroleum-Brenner von unten beheizt – wenn die Gäste dies wünschen und sich über die Kosten einig sind, denn das kostet 150 nepalesische Rupien pro Person (etwa 1,20 Euro) – für jeden Touristen am Tisch. Hier am MBC ist die Wärme allen die 150 Rupien wert. Auch Kamal und Ham setzen sich zu uns und genießen die Wärme – für die sie als Nepalis natürlich nicht zahlen müssen. „Fried Tourists,“ scherze ich, und Kamal kichert.

Der Petroleumbrenner hat allerdings den Nachteil, dass er der Luft zusätzlich von dem wenigen Sauerstoff entzieht. Meine Kopfschmerzen werden stärker und plagen mich die ganze Nacht. Ich überlege, eine Diamox-Tablette einzuwerfen. Aber die Nebenwirkung ist, dass man vermehrt pieseln muss. Und bei dieser A…kälte aus dem Schlafsack zu kriechen ist irgendwie schlimmer als Kopfschmerzen.

Hier alle Fotos vom Tag.

Achter Tag: Gipfelfreuden

Am morgen ist mir neben den Kopfschmerzen auch noch leicht übel und ich fühle mich krank. Ich sehe wohl auch nicht besonders gut aus, denn Birgit schaut mich besorgt an. Wir hatten eigentlich vor, zum Annapurna Base Camp auf über 4.100 m aufzusteigen und dort zu übernachten. Angesichts meiner Höhenkrankheit ist dieser Plan nicht zu halten. Bei Höhenkrankheit gibt es nur eins: Absteigen.

Wir beschließen, um 7 Uhr ohne Tagesrucksack noch ein Stückchen hinauf zu gehen, um Fotos zu machen, und dann abzusteigen zum ersten Ort, an dem wir einen Schlafplatz finden. Das ist im Idealfall Deureali auf 3.340 m, der Ort, der am Nächsten liegt. Ich quäle mir ein paar Bissen rein, nehme eine Diamox, und los geht’s.

Ohne den Tagesrucksack mit mehreren Litern Trinkwasser und allerlei anderem Kram ist das Gehen leichter. Ehe wir’s uns versehen, haben wir schon die halbe Strecke zum ABC geschafft. Sollen wir nicht versuchen, das Base Camp zu erreichen? Es ist bitterkalt, aber wunderbar klar. Das Tal liegt noch im Schatten, aber vor uns lässt die Sonne die Berge gleißen.

Endlich erreichen wir die Sonne und die Sonne erreicht uns, Im Schatten fror ich trotz warmer Kleidung, jetzt lege ich die Fleece-Jacke ab. Die Kopfschmerzen sind recht erträglich. Es geht. Und geht. Und geht noch ein Stückchen.

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Da stehen wir endlich vor dem Schild, das die Besucher des ABC begrüßt. Wir haben es geschafft! Wir steigen noch auf einen kleinen Hügel oberhalb der Lodge am ABC und machen Fotos um Fotos. Ein gigantischer Ausblick. Kamal zählt die Namen der Berge auf, ich kann sie mir nicht merken. Nur den Machapuchare, den Fish Tail, erkennt man immer raus.

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Wir trinken einen Tee in der Lodge. Ruhig sitzend atme ich schwer – auch das ein Symptom der Höhenkrankheit. Auf der Toilette ist der Betonboden mit Eis überzogen. Ich grusele mich. Hier möchte man nicht ausgleiten! Als wir schließlich absteigen, ziehen die ersten kleinen Wolken auf. Die Sicht wird schlechter. Der frühe Vogel ist mal wieder im Vorteil.

Zurück im MBC schnappen wir unsere Rucksäcke und machen uns an den Abstieg. Inzwischen ist es ganz bewölkt, und es fällt eine Mischung aus Schnee und Niesel. Noch viele Trecker kommen uns entgegen, die zum ABC aufsteigen wollen. Eine gute Sicht und tolle Fotos haben die wohl nicht mehr.

Der Abstieg ist meine große Stunde. Ich hüpfe wie ein Reh über die Felsbrocken, mit jedem Meter tiefer fühle ich mich besser. Birgit kommt kaum hinterher und ist bei der Ankunft in Deurali völlig fertig.

Wir haben Glück. Es gibt ein winziges, nur mit dünnen Sperrholzwänden vom Dining Room abgetrenntes Kämmerlein für uns. Hier passen neben einem Bett für zwei die Gepäckstücke nur übereinander noch hinein. Aber es ist frei und gehört für diese Nacht uns.

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Wir verzichten wie schon im MBC auf eine Dusche. Es ist einfach zu kalt, um sich auszuziehen. Außerdem sind die sanitären Anlagen in Deurali etwa so ansprechend wie die der Tip Top Lodge. Die Toilette stinkt fürchterlich.

Es schüttet jetzt richtig, und die Kälte kriecht in alle Glieder, wenn man sich nicht bewegt. Im Dining Room ist eine Gruppe Touristen zu geizig für den Petroleum-Brenner, also gibt es keine Wärme. Drei misslaunige Inder können nicht verstehen, dass sie zusätzlich zu ihren offenbar zu dünnen Schlafsäcken keine Decke bekommen. Die Decken werden alle für die Nepalis gebraucht, die keine Schlafsäcke mitbringen.Wir ziehen uns in unsere kleine Holzschachtel zurück, kriechen in unsere schönen warmen Daunenschlafsäcke und lesen noch etwas.

Hier die spektakulären Fotos dieses Tages, unbedingt gucken!

Neunter Tag: Begossene Pudel

Am Morgen ist die Überwindung groß, aus dem warmen Schlafsack in die kalte Kleidung zu schlüpfen. Beim unvermeidlichen Gang zur Toilette würgt es mich. Wir brechen um halb 8 auf. Kurz nach Deurali überqueren wir einen Bach. Die Trittsteine liegen unter Wasser. Kamal geht voran und fällt plötzlich. Die Steine sind unsichtbar mit einer spiegelglatten Schicht aus Eis überzogen! Und der Bach fällt direkt neben unserem Pfad steil den Berg hinunter, es hätte bös ausgehen können. Wir warnen alle uns entgegen kommenden Wanderer.

Das Wetter ist zunächst noch freundlich, aber wird rasch schlechter. Wir trinken einen Tee in der Tip Top Lodge in Doban, während es anfängt zu regnen.

Von nun an gehen wir fast die gesamte, sehr lange Etappe im Regen. Wir erreichen die ersten Büsche von  Bambus, dann die ersten Bäume. Wir machen Mittag in der Bamboo Lodge, froh die nassen Klamotten ablegen zu können, Aber danach schüttet es erst richtig. Irgendwann macht auch der beste Hardshell-Regenjacke mal die Grätsche. Man fühlt am Arm eine kleine sich ausbreitende Nässe, Die Knie werden feucht. Unangenehm. Zu allem Überfluss kommt noch fieser Wind auf. Kamal weht es sein Plastik weg, er wird immer nasser.

Wir verlassen jetzt das Annapurna Sanctuary. Das heißt nicht nur so, es ist auch heilig. Deshalb gelten hier ganz besondere Regeln: Kein Fleisch (wohl aber Eier, Milch und Thunfisch aus der Dose) darf hier verzehrt werden.

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Und auch sonst hat man sich reinlich zu benehmen:

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Beziehungsweise: hatte man sich reinlich zu benehmen, Nachdem wir dieses Schild passiert haben, dürfen wir wieder rotzen nach Herzenslust. Tun es aber trotzdem nicht.

Wir flüchten uns in eine Lodge kurz hinter Sinowa und wärmen uns an einem Tee. Als der getrunken ist, kriecht die Kälte uns wieder in die Knochen. Rumsitzen bringt’s nicht, wir müssen weiter. Immerhin lässt jetzt der Regen nach. Ich denke an die vielen Trecker, die uns auf dem Weg nach oben entgegen gekommen sind. Was hier als Regen fällt, ist weiter oben Schnee, der die Wege unpassierbar macht. Von der fehlenden Sicht auf die Berge mal abgesehen. Wir haben unglaubliches Glück.

Es folgt der steile und lange Abstieg zur Hängebrücke. Ich habe Gummibeine und falle ein mal hin, tue mir aber nichts. Endlich sind wir an der Brücke und binden die Gebetsschals, die wir 2010 zum Abschied bekommen haben dort fest, wie es buddhistischer Brauch ist.

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Ich freue mich fast auf den Aufstieg. Aber nur kurz. Er ist auf die Dauer dann halt auch elend. Irgendwann fange ich zur Unterhaltung an, die Stufen zu zählen. Es sind weit über tausend. Die Schinderei hat allerdings einen großen Vorteil: es ist einem warm.

Völlig erschöpft erreichen wir die Lodge in Chomrong. Wir genießen die erste Dusche seit drei Tagen und ein Bier! Und es gibt herrliche, knusprige Pizza. Und es ist am Abend nicht mehr so garstig kalt, sondern harmlos kühl.

Hier alle Bilder des Tages.

Zehnter Tag: Heiße Quellen und Reden im Schlaf

Heute ist ein lazy day angesagt. Wir frühstücken erst um halb 8, denn die vor uns liegende Etappe nach Jhinu Danda ist kurz und bergab. Fröhlich machen wir uns auf den Weg. Es ist diesig, aber bald kommt die Sonne durch.

Der steile Abstieg über Treppen führt über eine endlose Reihe kleiner Bauernhütten und Kioske, bepflanzte Terrassen und Vieh-Unterstände. Einmal sehe ich einen Mann im Rollstuhl auf einer dieser winzigen Terrassen. Barrierefrei ist diese Gegend wahrlich nicht.

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Kamal zeigt uns ein paar junge Hanf-Pflanzen. Auch diese Nutzpflanze wird hier angebaut, so so. Ich mache eine Bemerkung über den Vorabend. Von der Küche her, wo Kamal, Ham, die Leute von der Lodge und vermutlich noch andere Nepalis saßen, zog der intensive Geruch von Gras durch die gesamte Lodge. Muss ein netter Abend gewesen sein.

In Jhino Danda kommen wir zu der Lodge, in der wir reserviert haben – und werden abgewiesen. Unsere Reservierung ist „verloren“, die Lodge voll. Kamal fragt für uns herum. Birgit moppert. Ein erstes Zimmer gefällt ihr nicht. Das nächste nimmt sie dann moppernd, weil ich Druck mache. Die Lodge ist ok. Wir essen Mittag in der Sonne im freien und beobachten zwei kleine Zicklein, die auf den Tischen herum klettern.

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Vor uns macht ein junger Mann die Wäsche. Er nimmt die eingeweichten Laken aus einer großen Schüssel, breitet sie auf dem Beton der Wasserstelle aus und bürstet. Dann lässt er kaltes Wasser drüber laufen, und wringt die Wäsche mit nackten Füßen aus. Es gibt hier nirgends heißes Wasser für die Wäsche. Und Waschmaschinen eh nicht. Wäsche ist Handarbeit.

Wie machen sie das oben im Machapuchare Base Camp, und erst recht im Annapurna Base Camp? In diese elenden Kälte mit nassen Händen Wäsche wringen. Und wie kriegen die dort ihre Laken trocken? Kein Wunder, dass diese nicht für jeden Gast gewaschen werden… Und so sehen sie auch nicht aus.

Das Mittagessen ist eine Beinahe-Katastrophe: Birgit bekommt Pommes, die kalt und halb roh sind. Aber Kamal greift in der Küche ein und lässt nacharbreiten. Der Tag ist gerettet. Wir steigen dann zu den heißen Quellen ab, wegen denen der Ort Jhinu Danda so überfüllt ist. Es ist natürlich wieder eine ganze Strecke und steil, wir sind ja schließlich in Nepal.

Unten gibt es eine Wellblechhütte, in der man sich umziehen kann. Wir schlüpfen in die Badesachen, auch Kamal. Nur Ham, unser Träger will nicht. Er sagt, dass ihn das Baden nur müde mache für die Strecke am nächsten Tag.

Das warme Wasser kommt aus zwei Rohren, unter denen man duschen kann. Ich wasche mir zum ersten Mal in Nepal die Haare. Dann gibt es drei Pools aus Natursteinen, in denen die Leute dümpeln. Wir gesellen uns zu einer Amerikanerin und einem Australier, die recht witzig sind. Er versucht mit ihr zu flirten, hat aber leider ihren Namen vergessen, den sie ihm bereits genannt hatte. Mit „hey american girl“ kommt er bei ihr nicht weit. Also regt er an, dass wir beide uns dem Mädel bekannt machen. Ich sage: „Nice to meet you, american girl. This is german girl 1 and I am german girl 2.“ Das american girl freut’s.

Zurück in der Lodge probieren wir eine neue Sorte nepalesisches Bier: Nepal Ice. Das Ergebnis ist eindeutig: Everest Bier und Gurkha Bier sind und bleiben die richtige Wahl. Im Dining Room der Lodge läuft tierisch laut ein Fernseher. Nach den Tagen der Ruhe und Medienfreiheit ist das ziemlich nervig. Der Raum ist voll und hektisch, es dauert ganz schön lang bis wir unser Essen kriegen. Irgendwann kommt ein Huhn in den Raum gelaufen, ist aber leider verscheucht, bevor ich ein Foto machen kann.

In der Nacht wache ich von lautem Gerede auf. Die Zwischenwände zwischen den Zimmern sind hier wie auch bei den anderen Lodges aus dünnem Sperrholz, also etwa so schalldämpfend wie ein Vorhang. Na super, denke ich, die Frau nebenan redet im Schlaf. Ich drehe mich um und schlafe wieder ein. Wieder wache ich auf, ich höre es jammern und quengeln und heulen. Mädchen, beende Deinen Alptraum, sag ich mir und schlafe sofort wieder ein. So geht das noch ein paar Mal. Dann weckt mich der Donner von gegen die Sperrwand hauenden Körperteilen. Hat die Alte auch noch das Restless Leg Syndrom, denke ich. Reden und Zuckungen im Schlaf, das ist ja wirklich das Letzte. Aber wie zuvor habe ich keine Mühe, rasch wieder in wohligen Schlaf zu versinken.

Hier alle Bilder des Tages.

Elfter Tag: Namaste in Tolka

Am nächsten Morgen frage ich Birgit, ob sie auch die Frau gehört hätte, die im Schlaf redete. Birgit schaut mich entgeistert an. „Du hast geschnarcht wie sieben Sägewerke! Die Frau wollte dich wecken damit Du aufhörst!“ Es war die Hölle, sagt sie. Von rechts hätte ich gesägt, von links schrie und trommelte die Frau im Zimmer nebenan,. „Ich habe irgendwann auch mal gegen die Wand gehauen und geschrien, sie soll gefälligst Ohrstöpsel nehmen und ruhig sein,“ erzählt sie. Irgendwo ist  mir das schon ein wenig unangenehm.

Wir nehmen das Frühstück im Freien ein. Es gelingt mir, meinem Schnarchopfer von nebenan nicht mehr zu begegnen. Ist vielleicht besser so. Wenn ich ihr erzählen würde, dass ich trotz allem eigentlich ganz gut geschlafen habe, wäre sie bestimmt nicht entzückt.

Wir brechen wieder zeitiger auf, denn die Etappe heute ist wieder normal lang, also etwa sechs bis sieben Stunden Gehzeit in „bistare, bistare“-Tempo, also altersgemäß geschlichen. Es beginnt mit einem gemütlichen Abstieg zu den zwei Hängebrücken, die wir überqueren müssen. Und, was ganz ungewöhnlich für Nepal ist, zwischen diesen beiden Brücken gibt es keinen steilen Auf- und Wiederabstieg!

Die zweite der Brücken heißt wie der kleine Ort dazu „New Bridge“, ist aber ein betagtes Schätzchen von 22 Jahren. Die Drahtseile sind rundum mit Rost verziert, die Holzbretter auf denen man läuft, weisen Brüche auf. Hier ist der englische Name für Hängebrücke, „suspension bridge“ wirklich angemessen.

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Am Ende der Brücke ist eine Tafel angebracht, auf der die Sponsoren genannt sind, die ihre Errichtung ermöglicht haben, mit der Summe, die sie gegeben haben. Kamal nutzt die Tafel, um uns die Zahlen in der indischen Schrift (die auch in Nepal genutzt wird) zu erklären.

Dann ist es mit der Gemütlichkeit vorbei. Es folgt ein Nepali-flacher Anstieg nach Landrung, wo wir dann auch müde und hungrig genug für unsere Mittagsrast sind. Unter den Augen und Kommentaren des halben Dorfes spannt direkt unterhalb der Lodge ein Bauer zwei Ochsen an. Das braucht eine Weile, weil die Rindviecher andere Pläne haben, zum Beispiel fressen. Schließlich hat er sie doch so weit, und bewegt die Tiere mit viel Schreien, fuchteln und gelegentlichen Stockhieben dazu, auf dem winzigen Feld ihre Furchen zu ziehen. Die Frau läuft hinterher, wirft ausgerissenes Unkraut zur Seite und sät Mais in die Furchen.

Hier auf etwa 1.500m ist meistens Mais gepflanzt, Reisfelder liegen noch tiefer in den breiteren Tälern. In der unmittelbaren Nähe der Häuser liegen stets die Gemüsefelder, mit Kohl, Knoblauch, Kartoffeln, Mangold. In den sonnigeren und tieferen Lagen finden sich auch Bananen und Aprikosenbäume.

Weiter geht’s wieder eine etwas gemütlichere Strecke. Wir trinken Tee in einer kleinen Lodge, wo eine traditionelle Webvorrichtung auf der Veranda liegt. Es sind mehrere Balken, auf denen die Webfäden aufgezogen sind, und die im Prinzip auf dem Boden liegen.  Ein kurzes Stück Stoff ist bereits gewebt, es ist das klassische Muster der traditionellen, kreuzweise getragenen Tücher der Tracht der Männer. Man muss sich das vorstellen wie das Baby-Tragetuch einer Prenzlauer Berg-Mutter. In diesen Tüchern werden Werkzeuge wie Sicheln verstaut.

Wir kommen an einer Wassermühle vorbei, in der Getreide zu Mehl vermahlen werden kann. Ham setzt gekonnt die Mühle in Gang, der Mühlstein dreht sich erstaunlich schnell.

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Hinter Landruk kommen wir an die „Straße“ – allenfalls von Jeeps befahrbar, aber in Nepal gilt so ein Feldweg als Straße. Unser Weg ist jetzt weniger schön als vorher, das Wetter ist nach wie vor etwas diesig, aber es ist trocken und warm. Mal verlassen wir die Straße und nehmen einen Pfad als Abkürzung, dann folgen wir wieder der staubigen Piste. Wir erreichen Tolka, aber es ist noch eine halbe Stunde Weg bis zu unserer Lodge, der Namaste Lodge.

Im Garten der Lodge gibt es ein bei Nacht beleuchtetes Herz. Und das Zimmer hat – absoluter Luxus! – einen „private bathroom“, ein Kämmerchen in dem die Dusche direkt auf das Klo regnet – aber nur für uns allein und ein Sitzklo!

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Namaste sagt man zur Begrüßung und zum Abschied. Für uns vier ist es der letzte Abend zusammen, morgen nehmen wir Abschied. An diesem letzten Abend ist es üblich, Träger und Guide einzuladen und mit ihnen zu feiern, und man übergibt das Trinkgeld und gegebenenfalls weitere Geschenke. Es hat sich eingebürgert, dass die Trecker nicht mehr benötigte Ausrüstung verschenken. Ich trenne mich von meiner Hardshell-Jacke mit heraus nehmbarem Fleece-Innenteil, denn ich will mir was Neues kaufen. Kamal und Ham bekommen von uns außerdem ein ordentliches Trinkgeld in Landeswährung. Ham lässt sich von uns ein Everest Bier spendieren und seinem Gesicht ist deutlich anzusehen, dass er diesen Luxus nicht oft genießen kann. Kamal verträgt keinen Alkohol, aber auch der Fruchtsaft, den er sich schmecken lässt, ist für Nepalis Luxus. Es gibt köstliches Dal Bhat, zur Feier des Tages mit Huhn (auch das für Ham und Kamal ein seltenes Festessen).

Hier alle Bilder des Tages.

 

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Hier noch einmal der gesamte Warmduscher-Trek mit allen 17 Teilen schön chronologisch geordnet für Leute, die nicht so gerne viel scrollen.

Ich bedanke mich bei meiner wachsenden Zahl von Leserinnen und Lesern und gebe stolz bekannt, dass dieses kleine, bescheidene, private Blog bereits über 10.000 Besuche verzeichnen konnte. Was nicht zuletzt dem Warmduscher-Trek zu verdanken ist.

A propos danken: Ich danke Gabi für die Fotos, die ich verwenden durfte. Unsere eigenen Fotos waren ja wegen der kaputten Speicherkarte zur Hälfte zerstört, und Gabi ist überhaupt die bessere Fotografin, keine Frage! Danke, Gabi!

Alle 17 Teile von „Auf dem Warmduscher-Trek in Nepal“ zum bequem durchklicken:

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/21/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-1/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/21/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-2/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/21/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-3/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/21/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-4/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/23/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-5/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/24/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-6/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/26/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-7/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/30/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-8/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/30/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-9/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/31/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-10/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/31/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-11/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/01/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-12/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/02/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-13/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/03/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-14/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/07/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-15/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/08/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-16/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/28/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-17-und-ende/

 

 

 

 

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Berlin, im November 2010

Das nasskalte Wetter in Deutschland beschert uns sofort eine Erkältung, auf uns wartet jede Menge Arbeit und der Alltag sowieso. Aber ich schreibe dieses Blog, und während ich die Bilder sichte und meine Tagebuchnotizen lese, reise ich wieder zurück nach Nepal.

Am Vortag unserer Abreise machen wir einen Ausflug nach Bakthapur. Tej kommt zum Frühstück ins Hotel und er bringt wie angekündigt seine kleine Tochter mit, ein unglaublich hübsches und aufgewecktes Kind von acht Jahren.

Frühstück mit Tej und Teresa

Frühstück mit Tej und Teresa

Teresa  lernt seit der ersten Klasse Englisch, und sie spricht es besser als ihr Vater. Sie beherrscht zwei Schriften, die lateinische Schrift und die nepalesisch-indische. Wie ihr Vater ist sie nicht besonders schüchtern, sondern plaudert schon bald mit Grit, die ganz vernarrt ist in das Kind.

Waschtag

Waschtag

Wir fahren mit dem Bus hinaus aus der Stadt. Die Tempel- und Schlossanlage von Bakthapur liegt auf einem Hügel. Hier befand sich eines von vier Königreichen im fruchtbaren Kathmandu-Tal. Die Besiedelung geht zurück auf das 3. Jahrhundert n. Chr., die Tempel dort sind zum Teil nicht sehr viel jünger. Das Weltkulturerbe ist natürlich Denkmalgeschützt, das heißt Neubau und Sanierung dürfen dort nur mit den klassischen Baumaterialien Holz und Ziegel vorgenommen werden. Das ist teuer, verfallen lassen kostet dagegen nichts, entsprechend sehen manche Häuser aus, die den Aufstieg zur Tempelanlage säumen.

Mais ist an den Fassaden zum Trocknen aufgehängt

Mais ist an den Fassaden zum Trocknen aufgehängt

In den Fenstern gibt es kein Glas. Holzschnitzereien schatten das Innere ab, und hölzerne Läden halten bei Bedarf Wind und Regen fern. Am Wegesrand versuchen Händler die Aufmerksamkeit der Touristen zu ergattern. Überall bieten sie dieselben Waren feil, Klangschalen, Tangka-Malerei, Schmuck, Stehrümchen und Nippes aller Art.

Powershopping in Bakthapur

Powershopping in Bakthapur

Es ist warm. Ich werde etwas ungeduldig, weil die Hochleistungs-Shopper in unserer Gruppe mal wieder überall stehen bleiben und gucken. Endlich sind wir oben. Eine Mischung aus Pracht und Verfall erwartet uns. Wir betreten ein Geviert aus zweistöckigen Ziegelbauten, und im Hof in der Mitte stehen die Tempel. Ein großer, Shiva gewidmeter Bau und kleinere daneben.

Die Tempelanlage von Bakthapur

Die Tempelanlage von Bakthapur

Der weiße kleine Tempel links ist innen sauber gekachelt, hier werden Tiere geopfert. Übrigens macht man sich in Nepal heutezutage die Mühe mit den Kacheln nicht, wenn es sich bloß um Metzgerläden handelt… Hier aber sieht man auf den Kacheln noch den einen oder anderen Blutspritzer. Die Schafe im Vordergrund des Bildes sind übrigens vor derartigen Riten sicher, sie sind heilig und nicht zu schlachten, ebenso wie die Tauben, deren Kot den Tempeln zusetzt, und ebenso wie die Ratte, die wir kurz erblicken. Die Tiere scheinen von ihrer Immunität zu wissen, sie sind entspannt und vielleicht auch eine kleine Spur überheblich.

Rechts im Hintergrund die Lager für Statuen, im Vordergrund Gabi

Rechts im Hintergrund die Lager für Statuen, im Vordergrund Gabi

In den Häusern ringsum werden hinter einem Gitter aus Holzstäben Sänften und Wagen aufbewahrt, die staubig und kaputt aussehen. Zu meinem Erstaunen sagt Tej, dass sie noch für religiöse Umzüge und Feste benutzt werden. Daneben ist ein Raum, in dem Teile von Statuen und steinerne Schrifttafeln liegen wie Abfall. Dinge, die bei uns im Museum auf ein Podest gestellt und mit Strahlern effektvoll ausgeleuchtet würden.

Biggi und Waltraud vor Tempelstatue

Biggi und Waltraud vor Tempelstatue

Die Rückseite des großen Shiva-Tempels ist vergoldet. Ich bin erstaunt über die ungewohnte Pracht. Es muss in Nepal wirklich so etwas wie ein goldenes Zeitalter gegeben haben.

Die Goldseite des Shiva-Tempels ist der Eingang für den Gott

Die Goldseite des Shiva-Tempels ist der Eingang für den Gott

Wir steigen wieder in den Bus und fahren nach Downtown Bakthapur. Auch hier ist das Ensemble streng geschützt, was natürlich nicht verhindert, dass viele Bauten verfallen. Die traditionelle Ziegelbauweise und vor allem die von Hand geschnitzten Holzfenster sind für Viele unerschwinglich.

Viele Häuser hier sind extrem schmal, sie teilen meist miteinander die Außenwände. Manche Häuser lehnen sich aneinander wie müde alte Männer, und Risse ziehen sich durch die Mauern. Immer wieder öffnen sich die engen Gassen zu Plätzen, und die größeren Plätze haben einen ausgemauerten, viereckigen Feuerlöschteich, der völlig von Algen überwuchert ist und langsam verlandet. Auf den kleineren Plätzen stehen mit roten Ziegeln gemauerte Brunnen. Tej schaut in jeden Brunnen hinein, und jedes Mal blickt er in algengrünes, brackiges Wasser. Diese Wasserstellen taugen allefalls zum Gießen. Die modernen Brunnen sind die Wassertanks oben auf den Dächern.

Wir besichtigen eine Seidelbast-Fabrik. Diese und die Töpferei im selben Hof sind wegen der Feiertage völlig verlassen. Die Töpferei stellt die runden Schalen her, die in Nepal von den Molkereien zum Käse machen gebraucht werden. Die getöpferten Schalen werden dazu mit Reisstroh und Asche geschichtet, dann wird der Haufen angezündet. Wir sehen massenweise der gebrannten Schalen in der Asche liegen.

Eine nepalesische Töpferei

Eine nepalesische Töpferei

Die Seidelbast-Fabrik ist eher ein Handwerksbetrieb. Einige Maschinen gibt es zwar, zum Beispiel solche zum Schneiden und mahlen. Aber die Masse wird von Hand auf Siebe geschöpft, zum Trocknen aufgehängt und dann weiter verarbeitet zu Briefpapier, Lampenschirmen, Schachteln, Masken, Kunstdrucken und Spielzeug.

Tej mit einem Papiersieb in der Seidelbast-Fabrik

Wir steigen von Etage zu Etage, vorbei an verlassenen Arbeitsplätzen. Ich versuche mir vorzustellen wie viele Menschen hier wohl arbeiten. Wie sie in den engen Räumen mit den vielen Treppen und Stützbalken herumhantieren. So richtig gelingt es mir nicht. Ein wenig gespenstisch ist die verlassene Werkstatt.

Ein Pfauenfenster

Ein Pfauenfenster

Auf einer Etage steht ein nagelneues, geschnitztes Pfauenfenster. Eine Kostbarkeit des nepalesischen Kunsthandwerks, die 10.000 Euro kostet. Schon für uns viel Geld, für Nepalesen ein Vermögen. Das Fenster sehen wir später unten im Laden der Fabrik wieder, als Kunstdruck.

Blick vom Dach der Seidelbast-Fabrik

Blick vom Dach der Seidelbast-Fabrik

Schließlich kommen wir auf das Dach, ein Flachdach wie das hier üblich ist. Und oben ist ein weiteres Zeichen des Wohlstands, eine traditionelle Pagode aus Holz im Bau, mit ähnlich aufwendigen Schnitzereien daran wie wir sie von den Tempeln kennen. Aber es ist wie immer, noch halb unfertig scheint das aufwendige Kunsthandwerk schon wieder zu vergammeln. Dreck liegt herum, irgendwo läuft weiße Farbe an einem der Balken herunter.

Wir suchen dann verzweifelt ein Restaurant, um etwas zu Mittag zu essen. Fast alle haben geschlossen wegen der Feiertage, und die wenigen die offen haben sind überfüllt. Schließlich finden wir ein Restaurant, und warten ewig um eine Bestellung aufgeben zu können. Von der Karte ist fast nichts zu haben, denn die Küche ist wegen Stromausfall lahm gelegt. Wir bestellen eine Suppe, die nach einer gefühlten Ewigkeit kommt, scheußlich aussieht und nicht viel besser schmeckt. Dafür lassen wir uns das Everest-Bier die Kehlen hinunter laufen.

Tej und Teresa

Tej und Teresa

Die kleine Teresa will gerne mal auf einem steinernen Löwen reiten. Tej taxiert zunächst die Gruppe, haben wir die Geduld zu warten? Aber klar haben wir das, also wird der Wunsch des Mädchens erfüllt. Tej ist mächtig stolz auf sein Kind. Die kleine genießt es, bei Papa zu sein. Fast die Hälfte des Jahres ist er weg, unterwegs mit Touristen oder arbeitend im Ausland. Trotzdem akzeptiert das Kind, dass die Touristen Vorrang haben. Sie versteht kein Wort von dem, was Tej uns auf deutsch erklärt, aber sie versucht nicht, ihn zu unterbrechen und seine Aufmerksamkeit zu erlangen, sondern wartet geduldig. Wie viele Kinder bei uns in dem Alter würden das bringen?

Wir kehren ins Hotel zurück, trinken dort Kaffee und schlagen bis zum Abendessen die Zeit tot. Zum Abschied versuchen wir den „warmen Treckerfuß“ im Hotel, aber der Rumpunsch taugt hier nichts. Wir nehmen doch lieber ein paar Everest-Biere, um den Abschiedsschmerz zu verdrängen.

Die Stofftiere im Hotelbett

Die Stofftiere im Hotelbett

Der letzte Tag bricht an, wir packen unsere Taschen zusammen und stellen sie in die Lobby. Um fünf Uhr Nachmittags wird Tej uns abholen und zum Flughafen bringen. Und wenn er uns dort abgegeben hat, wird er gleich die nächste Reisegruppe wieder auflesen, um mit diesen Leuten dieselbe Tour wie mit uns zu machen.

Gabi, Andrea, Frau Dr. und ich nutzen die verbleibenden Stunden, um auf eigene Faust und zu Fuß Kathmandu zu erkunden. Zunächst laufen wir nach Thame, auch so ein Tempel-Hotspot mit Weltkulturerbe-Bebauung.

Frau Dr., Andrea und ich

Frau Dr., Andrea und ich

Wir verlassen dann den Touristenplatz und wagen uns in das Chaos der Wohnviertel. Die vielen Geschäfte, die ambulanten Händler, die Armut und der Lärm sind allgegenwärtig. Besonders die Metzgereien, in denen das Fleisch ungekühlt und schutzlos den Fliegen ausgesetzt auf Holz liegt, faszinieren uns.

In den Straßen von Kathmandu

In den Straßen von Kathmandu

Auf einem großen  Hinterhof entdecken wir einen Tempel, der fast so aussieht wie die auf den tourisitischen Plätzen, aber er ist sehr viel jünger und deshalb ist die bunte Farbe, die einmal alle Tempel verziert hat, hier noch erhalten. Wir sind begeistert.

Tempelschnitzereien in bunt

Tempelschnitzereien in bunt

Wir tätigen letzte Einkäufe, und schließlich geht es zum Flughafen. Das Einchecken dauert ewig,  dann geht es zur ersten Sicherheitskontrolle, der noch viele weitere folgen. Immer wieder will jemand unsere Bordkarten sehen, wir warten wieder, jemand will in das Handgepäck gucken, dann wieder die Bordkarte zücken, dann noch mal Durchleuchten des Handgepäcks – alles wirkt irgendwie planlos. Aber es ernährt eine Menge Menschen.

Als wir im Flugzeug platz nehmen, sind wir wieder im Westen. Der Flieger von Ethiad ist ganz neu, alles ist sauber, alles funktioniert, das nepalesische Chaos und der allgegenwärtige Schmuddel liegen hinter uns. Schade…

Aber was ist das Ende einer Reise anderes als der Anfang der Planung für das nächste Abenteuer? Wir lassen uns doch nicht bange machen! Frau Dr. studiert bereits die Kataloge für das Projekt Nepal 2012. Ziel soll das Annapurna-Gebiet sein. Und die Zeit wird wie im Flug vergehen, das weiß ich genau.

Wir müssen jetzt allerdings hoffen, dass die Stofftiere uns wieder als Trägerinnen anheuern. Ich bin zwar der Meinung, dass wir uns wirklich gut bewährt haben, aber bei diesen hyperkritischen beiden Tierchen weiß man nie. Seid so gut und legt bei Gelegenheit ein gutes Wort für uns ein!

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Kathmandu, 17. Oktober

Jemand möge bitte die Briten dafür bestrafen, dass sie den globalen Standard für das Frühstück gesetzt haben. Ausgerechnet die Briten, denen man beim Thema Essen grundsätzlich misstrauen muss! Unser Frühstück im Hotel hat also Baked Beans aufzuweisen. Ach ja. Um Acht Uhr kommt Tej und gesellt sich zu uns, nachdem er die Nacht bei seiner Familie in Kathmandu verbracht hat. Ein seltener Luxus während der Saison. Noch am selben Tag, an dem wir abreisen wird er eine neue Reisegruppe in Empfang nehmen und mit ihr dieselbe Tour machen wie mit uns.

Wir steigen zusammen in den Bus und fahren zum Pashupati-Tempel. Dies ist eine riesige Anlage mit ehemaligen Gästehäusern für Pilger drumherum, von denen eines durch Mutter Theresa zum Altersheim für Frauen umfunktioniert worden ist. Das Zentrum der Tempelanlage ist nur für Hindus zugänglich, wir müssen also draußen bleiben bzw. von der anderen Seite des Flusses einen Blick auf den Shiva gewdimeten Tempel werfen.

Ab hier nur Hindus: Der Eingang zum Pashupati-Tempel

Ab hier nur Hindus: Der Eingang zum Pashupati-Tempel

Tej erzählt uns die Legende vom Pashupati-Tempel. Ein Hirte hatte in der Nähe seine Herde und stellte eines Tages etwas Verwunderliches fest. Eine seiner Kühe ging morgens als erstes hinaus zum Grasen, kam abends als letzte zurück und gab danach keine Milch. Um dem Rätsel auf den Grund zu gehen folgte er ihr bis zu der Stelle, an der heute der Tempel steht, und sah, wie sie dort ihre Milch auf den Boden tropfen ließ. Der Hirte grub dort in der Erde und fand das klassische Symbol von Shiva, ein Phallussymbol kombiniert mit dem Zeichen für weibliche Fruchtbarkeit, natürlich feurig heiß, ohne gewaltiges zisch und bumm kein Wunder. Shiva mag besonders gern Milch, deshalb hatte die brave Kuh dort Milch geopfert. Das vermeintliche Fundstück des Bauern steht heute in dem Tempel, von dem keiner weiß wie alt er eigentlich ist. Es gebe Inschriften aus dem 3. Jahrhundert, sagt Tej.

Der Pashupati-Tempel

Der Pashupati-Tempel

Unten am Flussufer brennen Scheiterhaufen mit Leichen Verstorbener. Auf der einen Seite der Brücke sind die Verbrennungsplätze für die high society, auf der anderen die für das normale Volk. Heute wurde auf allen Ebenen der gesellschaftlichen Hierachie gestorben, es brennt beiderseits. Die Söhne, ganz in weiß gekleidet, haben die Aufgabe das Feuer zu schüren. Stirbt der Vater, muss der älteste Sohn die Bestattungszeremonie übernehmen, im Fall der Mutter steht der jüngste Sohn in der Pflicht. Vier Stunden dauert es, bis der Körper verbrannt ist. Seine Asche wird dann in den Fluss gestreut, der entsprechend schmutzig grau und trüb ist. Aber heilig. Na ja. Nach der Verbrennung muss der arme Sohn sieben Tage zu Hause im Dunkeln sitzen, und niemand darf ihn berühren, nur mit ihm zu reden ist erlaubt. Und wenn das geschafft ist, ist ein Jahr lang weiß zu tragen als Zeichen der Trauer. Immerhin sind Witwenverbrennungen in Nepal (anders als in Indien) mitlerweile verboten.

Bestattungszeremonien auf der Seite für die einfachen Leute

Bestattungszeremonien auf der Seite für die einfachen Leute

Auf dem Areal stehen viele Mini-Tempelchen, oft errichtet zum Gedenken an Verstorbene. Es sieht aus wie ein Friedhof, auch wenn hier natürlich niemand begraben liegt.

Affen überall

Affen überall

Affen laufen über das Areal, und an vielen Stellen sitzen die orange gekleideten Asketen mit ihren bemalten Gesichtern. Eigentlich sind die Männer hoch geachtet, aber ihre Bereitschaft, für Geld auf Fotos von Touristen zu posieren, hat dem Image in jüngster Vergangenheit doch spürbar Abbruch getan. Tej nennt sie „heilige oder scheinheilige“ Männer.

Blick über das Areal

Blick über das Areal

Heilige oder scheinheilige Männer

Heilige oder scheinheilige Männer

Auch Leprakranke sehen wir, die betteln. Ich bin betrübt, dass ich keine kleinen Scheine dabei habe. Denen hätte ich gerne ein Scheinchen gegeben.

Überall lauften Händlerinnen und Händler herum, mit Ketten und Armbändern, Schachspielen oder anderem Schnickschnack auf dem Arm. Sie hängen sich hartnäckig an unsere Fersen und preisen ihre Ware an. Einigen von uns gelingt es überhaupt nicht, sie abzuschütteln, und mit zunehmender Verzweiflung höre ich die Bitte, endlich in Ruhe gelassen zu werden und nein, man wolle nichts kaufen. Was die falsche Strategie ist. Ich vermeide jeglichen Blickkontakt, drehe mich weg, antworte nicht – und werde relativ in Ruhe gelassen. Nonverbale Kommunikation zieht hier eindeutig besser.

Unsere nächste Station ist die Shree Boudhanath Stupa, eine riesige Stupa, auf der man zum Teil herumlaufen kann. Was ein noch wichtigerer Vorteil ist, ist dass die Stupa umgeben ist von einem Ring von Häusern, eine Art Fußgängerzone mit vielen, vielen Geschäften. In unserer Gruppe bricht der Shopping-Rausch aus.

Boudhanath Stupa

Boudhanath Stupa

Als erstes ist eine Schule für Tanka-Malerei nebst angegliedertem Verkauf dran. Und hier werden Frau Dr. und ich gleichzeitig auf ein wunderschönes „Rad des Universums“ aufmerksam, eines der Standard-Motive, die den Kreislauf von Wiedergeburt und Tod darstellen. Wir erstehen das Bild für umgerechnet 80 Euro, ohne zu zögern und auch ohne zu versuchen, einen Preisnachlass herauszuhandeln. Viele in unserer Gruppe sehen im Handeln einen Sport, bei dem man mitmachen muss. Wir nicht.

Naturfarben aus Mineralien, gemalt auf Stoff im Spannrahmen

Naturfarben aus Mineralien, gemalt auf Stoff im Spannrahmen

Wie viele Klangschalen braucht ein Mensch? Frau Dr. und ich sind der Auffassung, mit null wäre man ausreichend versorgt, aber viele in unserer Gruppe halten drei für notwendig. Ähnlich verhält es sich mit Ketten, Ringen, allerlei Stehrümchen und Pashima-Schals. Der einzig limitierende Faktor ist die Begrenzung des Freigepäcks für den Rückflug.

Ein köstliches Mittagessen auf dem Dach eines der Häuser um die Stupa bringt mich wieder ins Gleichgewicht. Shopping ist ja nicht so meins…

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Mittagessen mit Blick über die Dächer von Kathmandu

Wenn ich mir die Ästhetik der buddhistischen Bauten und Kunstwerke anschaue, dann spricht mich das doch viel mehr an als die des Hinduismus. Die Klarheit der Linien und Strukturen, das Abstrakte und Symbolhafte liegen mir mehr als die chaotische und sehr diesseitige Anmutung, die der Hinduismus für mich hat. Auch wie die Götter präsentiert werden, zum Beispiel als Herren über ein Reittier, welches immer gehorsam vor dem Tempel wartet, das macht sie für mein Gefühl weltlichen Herrschern doch zu ähnlich. Da liegt mir der Verdacht zu nahe, dass man sich zu unterwerfen hat. Nicht sympathisch für mich.

Hanuman-dhoka

Hanuman-dhoka

Schließlich fahren wir zur alten Palast- und Tempelanlage Hanuman-dhoka am Durbar Square. Die meisten der Tempel und Palastbauten stammen aus dem 16. Jahrhundert.

Ein Pfauenfenster

Ein Pfauenfenster

Aufwendige Holzschnitzereien stützen die Dächer und verzieren die Fenster, Weltkulturerbe auch dies.

Der Erhaltungszustand des Weltkulturerbes ist bedenklich schlecht

Der Erhaltungszustand des Weltkulturerbes ist bedenklich schlecht

Auch hier entrichten wir eine – nach nepalesischer Kaufkraft bemessen – hohe Gebühr für die Besichtigung, die, so ist es in der ausgehändigten Broschüre zu lesen, dem Erhalt der Bauten dienen soll. Ich kann an keinem Stück Holz auch nur den Versuch erkennen, früher einmal vorhandene Bemalung zu restaurieren, oder auch nur das Holz zu schützen. Dachziegel bröseln vor sich hin, aus manchen Ziegelmauern wachsen Pflanzen heraus, andere wölben sich nach außen oder weisen Risse auf. Es gibt bemoste Dachziegel und Dächer, die aussehen als könnten sie jederzeit herunterkommen. Teilweise fehlen Ornamente. Wie es mich ärgert, dass diese einzigartigen Zeugnisse nepalesischer Kultur in einem solchen Zustand sind, obwohl doch Geld von Touristen in die Kasse kommt! Die Verantwortlichen in der Regierung haben allen Grund, sich zu schämen.

Schlange vor dem Tempel der Göttin Khumari

Schlange vor dem Tempel der Göttin Khumari

Ein Tempel ist der „lebenden Göttin“ Khumari gewidmet, aber wegen der großen Schlange davor verzichten wir darauf, das derzeit 7-Jährige Mädchen zu besichtigen. Die Khumari wird jeweils im Alter von vier Jahren erkoren. Sie kommt aus einem ausgewählten Kreis bestimmter Familien uns muss für ihr Amt belastbar sein, d.h. sie darf sich bei den Ritualen nicht fürchten. Einmal erwählt, verbringt sie ihr Leben in diesem Tempel, bis auf ein paar Ausflüge, bei denen man sie anlässlich von Feierlichkeiten in einer Sänfte durch die Straßen trägt. Gelegentlich grüßt sie vom Fenster, ansonsten ist sie drinnen mit ihren Priesterinnen und ihrer Familie, und mit einem Strom von Pilgern, die sie anbeten. Sobald sie das erste mal menstruiert, tritt sie in den Ruhestand. Heiraten darf sie nicht, aber sie verzehrt dafür eine staatliche Rente. Und eine Anstellung bei der Regierung ist ihr darüber hinaus sicher.

Ein anderer Tempel ist mit Kamasutra-Motiven verziert. Die Statue eines Affengottes direkt gegenüber ist mit Stoff verhüllt. Der sei Junggeselle, erklärt Tej, und er wolle deshalb die erotischen Szenen am Tempel gegenüber nicht sehen.

Zwischen der Geschichte allüberall die Gegenwart Kathmandus. Autos gibt es relativ wenige, Motorräder schon mehr. Und mit einem Motorrad kann man eine ganze Familie transportieren. Helmpflicht existiert nur für den Fahrer. Ich wünsche gute Gesundheit!

Wie viele Menschen passen auf ein Motorrad? Vier mindestens

Wie viele Menschen passen auf ein Motorrad? Vier mindestens

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Kathmandu, 16. Oktober

Um 5:15 klingelt die Uhr von Frau Dr. Zögerlich gibt die Dämmerung den Blick auf ein Nebelverhangenes Tal frei. Au weia, das sieht nicht gut aus für unseren Flug nach Kathmandu.

Pasang ist noch vor unserem Frühstück verschwunden, er hat zu Hause ein krankes Kind, das in eine Krankenstation gebracht werden muss. Er läuft heute in einem Zug durch nach Mende, sein Heimatdorf, die Strecke für die wir zwei Tage brauchten bewältigt er wohl so in 5 Stunden.

Nach dem Frühstück spielen wir Mau Mau und richten uns innerlich darauf ein, den ganzen Tag in der Lodge vergeblich darauf zu warten dass ein Flug geht. Plötzlich kommt Tej herein und schickt uns zum Flughafengebäude, das direkt gegenüber unserer Lodge liegt. Das Gepäck haben hilfreiche Geister schon herübergebracht und eingecheckt. Es ist ja wie gesagt ein Warmduscher-Trek, bei dem man sich um nichts kümmern muss.

Tej hat schon die Bordkarten, unser Flug ist der Flug Nr. 1. Wir gehen durch eine extrem langsame und gelangweilte Handgepäck-Kontrolle, alle Touristen hier sind unfröhlich wegen des Wetters. Flug Nr. 1 ist in Kathmandu abgeflogen, teilt Tej uns mit. Etwa eine halbe Stunde später müsste er hier landen. Er landet aber nicht. Wir warten. Es wird immer klarer, dass unser Flieger wohl abgedreht sein muss, weil er wegen der schlechten Sicht nicht landen kann. Eine andere Gruppe wird von ihrem Reiseleiter wieder aus dem Flughafengebäude geschickt, die hat die Nachricht erhalten, dass ihr Flug ausfällt. Wir haben gerade resigniert, da landet auf einmal ein Flugzeug. „Unser Flug,“ ruft Tej, und scheucht uns hinaus auf das Flugfeld.

Wir entern den Flug einer anderen Reisegruppe

Wir entern den Flug einer anderen Reisegruppe

Was Tej in diesem Augenblick ganz genau weiß, ist dass dies Flug Nr. 2 ist, also nicht unserer. Was er ahnen kann ist, dass Flug Nr. 2 der einzige Flug an diesem Tag sein sollte. Was er nicht weiß ist, dass dies der Flug sein würde, der ihm als der schlimmste bisher in Erinnerung bleibt.

Runter kommen sie alle - Sichtflug ohne Sicht

Runter kommen sie alle - Sichtflug ohne Sicht

Kaum sind wir gestartet, sieht man aus den Fenstern – NICHTS. Ich erinnere: Es handelt sich um einen Sichtflug. Wir fliegen durch ein Gebirge. Der Pilot hat vorne GPS und Höhenmesser, aber keinen Radar. Um uns herum ist dichteste Waschküche. Tej macht krampfhaft Witze, aber es ist leider allzu offensichtlich dass er selbst schlicht Muffensausen hat. Und das macht es nicht besser. Sogar Holger ist still. Ich habe Angst. Frau Dr. hat Angst. Waltraud macht ihr Testament. Biggi tätschelt sie.

Was es ebenfalls nicht besser macht ist die Tatsache, dass Gabi sich vorhin im Flughafengebäude verquatscht hat. Frau Dr. hat Andrea instruiert, dass man mir die Geschichte auf keinen Fall erzählen darf, aber Gabi wusste von dieser Vorsichtsmaßnahme nichts. So erfuhr ich, was ich nicht hatte wissen wollen: Erst im August diesen Jahres startete ein Flieger von Kathmandu, drehte wegen schlechter Sicht vor Lukla ab und flog zurück, um dann kurz vor Kathmandu abzustürzen.

Hin und wieder verhindern kleinere Turbulenzen, dass das Angstlevel sinken kann. Kurz kann man mal durch den Wolkenschleier blicken, dann ist wieder alles dicht ringsum. An den Ohren merke ich schließlich, dass wir sinken. Immer noch nichts zu sehen. Endlich dann die Häuser von Kathmandu. Als wir auf dem Boden aufsetzen und die Schubumkehr losdröhnt, bin ich so dankbar, wie ich selten war in letzter Zeit. „In Deutschland würde das kein Pilot machen,“ stellt Holger fest. Ich denke: Wenigstens mal ein Fall von begründeter Flugangst. Und mit der unbegründeten bin ich jetzt durch.

Die Überlebenden von Flug Nr. 2

Die Überlebenden von Flug Nr. 2

Wir fahren zum Hotel und essen dort zu Mittag, duschen und gammeln ein wenig herum. Von der Straße her dudelt unaufhörlich die typisch nepalesische Musik, die zwar nicht schlecht klingt, aber auch nicht gerade arm an Wiederholungen ist.

Im Greenwich Hotel in Kathmandu

Im Greenwich Hotel in Kathmandu

Der einzige Ausflug ist die Suche nach einem Geldautomaten. Hier ist gerade ein großes hinduistisches Fest, das bedeutet alle Geschäfte und Restaurants sind zu. Wir müssen im Hotel essen. An den Straßen sind grellbunte temporäre Tempel aufgestellt, vor den Häusern liegen Bananenblätter auf der Straße, mit Opfergaben darauf, die schon vom Niselregen ziemlich unansehnlich geworden sind. Wenn ich Gott wäre, würde ich diese Kost nicht mehr annehmen, aber ich bin ja keiner.

Hinduistische Götterbühne in Kathmandu

Hinduistische Götterbühne in Kathmandu

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Lukla, 15. Oktober

Seufz.

Wir sind auf dem Rückweg. Wir gehen heute die letzte Etappe, dann fliegen wir zurück nach Kathmandu. Das heißt, wir fliegen wenn auch ein Flieger geht. Und das ist alles andere als gewiss. Aber der Reihe nach.

Trek zwischen Monjo und Phakding

Trek zwischen Monjo und Phakding

Außerhalb des Nationalparks bestehen weniger Beschränkungen für das Bauen, und man merkt es sofort. Lodges, Restaurants und Shops reihen sich aneinander, der Weg ist eine lange Kette kleiner Siedlungen. An einer Stelle sahen und rochen wir: der Fleischer ist da. Drei der traditionellen Tragekörbe voll mit unverpacktem Fleisch von Tieren, die dem Geruch nach zu schließen längst verzehrt hätten sein müssen.

Kunstvolle Fleischkosmetik

Kunstvolle Fleischkosmetik

Einer der Fleischer polkt mit seinem Messer an dem Fleisch herum, ich weiß nicht ob er Maden aus der Keule holt oder „nur“ besonders unansehnliche Teile davon abschneidet. Jedenfalls wirft er den Abfall seiner Fleischkosmetik den Hühnern vor.

Der Metzger ist da!

Der Metzger ist da!

Die Fotos werden der Szene nicht wirklich gerecht, ich bitte das zu entschuldigen. Wegen des Geruchs hatte ich es eilig.

Auf den Haupttrekkingrouten ist wieder mal die Hölle los. An den Hängebrücken muss man warten, bis der sperrige Gegenverkehr aus Trägern mit breiten Körben oder Zopioks vorbeigegangen ist. Und das kann dauern.

Gegenverkehr auf der Hängebrücke

Gegenverkehr auf der Hängebrücke

Und noch mehr Gegenverkehr auf der Hängebrücke

Und noch mehr Gegenverkehr auf der Hängebrücke

Endlich gelingt es uns, den Dhut Kosi zu überqueren. Tej wählt einen Weg am anderen Ufer, um den Massen aus dem Weg zu gehen und uns ein neues, schönes Stück Weg zu zeigen. Wir steigen zwischen den Feldern einer neugierig guckenden Bauernfamilie auf, und nehmen einen leicht erhöht verlaufenden Pfad parallel zum Fluss. Die moderne Technik hält Einzug im Khumbu, wir sehen, wie ein Mobilfunkmast installiert wird. Je nach Netzbetreiber kann man bislang im Khumbu Pech haben. Kollegen mit Vodafone-Handys hatten keinen Empfang, die anderen schon.

Mobilfunkmontage

Mobilfunkmontage

Der Pfad führt durch Pinienwälder, wir haben eine schöne Sicht auf das Tal und vor allem: wir sind die Einzigen dort.

Das Tal des Dhut Kosi

Das Tal des Dhut Kosi

Schließlich steigen wir zum Fluss hinab und wechseln wieder die Seite, um nach Phakding zu gelangen, wo wir wie auf dem Hinweg zu Mittag essen. Es gibt auch wieder dasselbe Essen, knusprig frittiertes Brot, Reis mit Gemüse, Kartoffeln.

Wir machen es uns auf der Terasse gemütlich, aber auf einmal fängt es an zu regnen! Wir ziehen in das Innere der Lodge um, sitzen gedrängt zusammen mit einer anderen Reisegruppe. Die sind nicht so gut organisiert wie wir. Bei uns hat Tej immer ein einheitliches Essen für alle vorbestellt, entsprechend fix geht es. Bei denen bestellt jeder was anderes, und als wir mit dem Essen längst fertig sind, warten die noch immer, mit misslaunigen Gesichtern.

Das letzte Stück nach Lukla legen wir tatsächlich im Regen zurück. Meine Regenjacke, die ich Tag für Tag mit mir rumgeschleppt hatte, kommt jetzt zum ersten Mal zum Einsatz. Immerhin, denke ich mir, da sehe ich auch mal wie diese Landschaft hier im Regen aussieht. Die Wege werden schmierig, die Yakscheiße am Boden verläuft und ihr auszuweichen wird fast unmöglich. Man muss seine Schritte mit Bedacht setzen. Der steile letzte Anstieg ist kein Problem dank des Höhentrainings, und dann sind wir wieder in Lukla. Abends beim warmen Trekkerfuß machen wir uns sorgen um unseren Flug morgen. Das Wetter sieht gar nicht danach aus, als würden wir fliegen können.

Biggi, Waltraud, warmer Trekkerfuß und weißer Schal für Reisende

Biggi, Waltraud, warmer Trekkerfuß und weißer Schal für Reisende

Wir bekommen die weißen Schals, die man an Reisende übergibt, damit denen das Glück hold ist. Und wir geben Pasang, Chitis und dem Yaktreiber ihr Trinkgeld. Der DAV Summit Club hat uns ein Papier mit Richtlinien für das angemessene Trinkgeld gegeben, das allerdings von 2003 ist. Die Inflation hat inzwischen das Geld entwertet, aber wir wissen nicht um wie viel. Wir geben also deutlich mehr als dort angegeben – und erfahren später von Tej, dass der Betrag das untere Ende des akzeptablen war. Wir ärgern uns sehr über die schlechte Information des Veranstalters, denn wir wollten Pasang eigentlich etwas Gutes tun.

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Monjo, 14. Oktober 2010

Ich wachte auf und hatte vom Frauenfußball geträumt. Irgendwie hatten wir Zugang zu einem VIP-Bereich in einem riesigen Stadion, und konnten die Stars sehen (Lira Bajmarai zum Beispiel), aber wie das in Träumen so zu sein pflegt verlief ich mich hoffnungslos zwischen Tribünen, Gängen und Treppen.

Blick zurück mit Gebetsfahnen

Blick zurück mit Gebetsfahnen

Schon bald nach dem Frühstück brechen wir auf Richtung Namche Bazaar, und diesmal haben wir den Panoramaweg mitsamt Panorama. Wir werfen lauter letzte Blicke auf den Everest und seine „kleinen“ Geschwister, machen viele Fotos.

Gompa mit Ama Dablam

Gompa mit Ama Dablam

Mount Everest

Mount Everest

Hier wird langsam erkennbar, dass der Everest höher ist als der Nuptse

Hier wird langsam erkennbar, dass der Everest höher ist als der Nuptse

Was Frau Dr. und ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht wissen, ist dass die Hälfte unserer Fotos kaputt sein wird, wenn wir wieder zu Hause sind. Im Display der Kamera werden sie korrekt angezeigt, aber das was man da sieht ist nicht das eigentliche Foto. Das liegt nämlich in einer Extra-Datei. Und wegen einer nagelneuen, gleichwohl kaputten Speicherkarte in der ebenfalls nagelneuen Kamera sind diese eigentlichen Dateien moderne Kunst, wie zerschnitten und falsch zusammengesetzt, teilweise fehlen Farben. Super ärgerlich!

Frau Dr. ist guter Dinge, weil sie noch nichts von den kaputten Fotos weiß

Frau Dr. ist guter Dinge, weil sie noch nichts von den kaputten Fotos weiß

Unsere Truppe bleibt unterwegs an jedem Verkaufsstand stehen. Jetzt, auf dem Rückweg, sitzen die Rupien locker. Hier eine Kette, dort ein Ring, hier eine Klangschale und was-weiß-ich. Mich interessieren die Waren nicht besonders. Der Schmuck ist nicht mein Geschmack, Staubfänger und Stehrümchen sind überhaupt nicht meine Sache, und gestrickte Mützen sehen bei mir bescheuert aus.

Typisch nepalesische Stromversorgung, wartungsfreundlich

Typisch nepalesische Stromversorgung, wartungsfreundlich

In Namche Bazaar haben wir nach dem Mittagessen wieder reichlich Zeit für Shopping. Mehr, als es meinem Bedarf entspricht, aber ich schaue mir unterdessen den Ort an.

Namche Bazaar

Namche Bazaar

Immerhin erstehe ich immerhin einen Aufnäher für meinen Rucksack, aber der wartet noch immer darauf dass sich jemand bereit findet, ihn aufzunähen. Ich fürchte, das kann noch dauern…

Dann geht es steil den Hang hinunter zur Hillary Bridge. Wir sind jetzt wieder auf dem Haupt-Trekkingpfad unterwegs, und uns kommen buchstäblich die Massen entgegen. Weil fünf Tage lang in Lukla nichts geflogen ist, tauchen sie jetzt alle noch geballter auf. Endlose Gruppen von Trekkern, Frischlinge, noch sauber und fleckfrei, man sieht inzwischen mit einer gewissen Arroganz auf sie herab. Und zwischen den Touristen natürlich proportional entsprechend viele Träger und Zopioks mit deren Gepäck bzw. mit den Dingen des Alltags, die diese brauchen oder zu brauchen meinen.

Der Abstieg geht auch ganz schön in die Beine, und ich frage mich, wie wir auf dem Hinweg hier herauf gekommen sind. War das wirklich auch auf dem Hinweg eine sooo lange Strecke? Auch nach der Hillary Bridge zog sich der Weg, die üblichen Auf- und Abstiege, aber schließlich kommen wir wieder zum Eingangstor in den Sagarmatha National Park. Seufz.

Beim Abendessen in Monjo löchern wir Pasang zum Thema Mount Everest, und wir erfahren die Dinge, die in den Büchern von den Besteigern nicht stehen. Pasang wird im nächsten Frühjahr noch einmal hinauf steigen. Er ist dann jeweils für zwei Gäste zuständig, bereitet die Routen vor, kontrolliert den Sitz der Ausrüstung und ist immer zur Stelle, wenn man ihn braucht. Hin und wieder muss er seinen Schützlingen die Eiszapfen von der Sauerstoffmaske entfernen, eine sehr schmerzhafte Aufgabe, denn es bedeutet, dass er kurz seine Handschuhe ausziehen muss. Die Everest-Bergsteiger haben jeden Zentimeter Haut bedeckt. Unter der Sauerstoffmaske haben sie Stoff, sonst würde die festfrieren. Über der Maske sitzt die Brille. Der Rest ist Mütze.

Die Anzüge der Bergsteiger haben einen Reißverschluss unten rum. Aber wenn man kurz vor dem Gipfel ein dringendes Bedürfnis hat, gleich welcher Art, dann geht das in der Regel einfach in die Hose. Später wird der Reißverschluss mal kurz aufgemacht, und das zu Eis gefrorene … fällt raus. Man braucht auch nicht zu meinen, dass die Everest-Helden ihr Zelt verlassen, um ein Geschäft zu verrichten. Viel zu kalt. Entsprechend übel riecht es in den Zelten. Es kommt aber auch vor, dass die Damen sich unterwegs hinhocken wollen, und Pasang muss sie dabei mit einem Seil sichern. Dabei wendet er diskret den Blick.

Pasang hat bei seinen acht Everest-Touren bisher nur einen Todesfall direkt miterlebt. Eine Lawine. Diese tödliche Gefahr lauert immer. Ihr sicher aus dem Weg zu gehen hieße, auf den Aufstieg zum Everest zu verzichten.

Eine andere große Gefahr sind die Stürme. Wenn man im Zelt liegt und der Sturm das Zelt hin und her schüttelt, dann merkt man unter Umständen nicht rechtzeitig, dass es sich losgerissen hat und man den Berg hinunter rollt. Die Verankerung der Zelte ist überlebenswichtig.

Vom letzten Lager bricht man abends um 9 Uhr auf und erreicht den Gipfel dann ca. 11 Uhr am nächsten Tag. Dazwischen liegen 2.000 Höhenmeter, die in einem Rutsch bewältigt werden. Ein Schritt ein Meter, 2.000 Schritte. Auf dem Gipfel freut man sich nur kurz, macht das Foto, und schon muss man wieder hinunter. Das geht schneller, ist aber auch sehr gefährlich. Viele der etwa 200 Toten des Everest sind beim Abstieg umgekommen.

Für die Sherpa ist der Everest ein Job. Einer, der die Familie ernährt. Zum eigentlichen Lohn kommt erstens das Trinkgeld der Gäste, zweitens das Geld für die Ausrüstung. Steigt man nur einmal auf, dann langt der Pauschalbetrag nicht, allein die Schuhe mit Gamaschen kosten 600 €. Aber man kann die Ausrüstung mehrmals nutzen, und dann rechnet es sich. Das bedeutet aber auch, alljährlich die Mördertour zu machen und sein Leben zu riskieren. Der Onkel von Pasang, Apa Sherpa, geht sogar zwei mal im Jahr hinauf.

Bevor die Sherpa sich auf den Weg zu ihrem gefährlichen Beruf machen, fliegen sie nach Kathmandu und erledigen dort die Formalitäten. Das bedeutet, sie bekommen eine Versicherung und müssen festlegen, wer die im Todesfall ausbezahlt bekommt. Sie hinterlassen Handabdrücke, damit man sie im Fall des Falles sicher identifizieren kann. Es gibt keinen, der bei dieser Zeremonie nicht zu heulen anfängt.

Was isst man auf so einer Tour? Klassischerweise waren es Fertigkonserven. Es ist aber gar nicht so einfach, auf der Höhe auch nur Wasser zum Kochen zu bringen. Inzwischen nimmt man Tabletten mit Nährstoffkonzentrat. Das ist auch in der Entsorgung des Gegessenen (siehe oben) unproblematischer. Tej ergänzt aus eigener Erfahrung als Koch für Expeditionen: Wenn die Teilnehmer vom Gipfel kommen, sind sie ausgehungert und stürzen sich wie die Wölfe auf das im Basislager zubereitete Essen.

 

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