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Archive for the ‘Nicht kategorisiert’ Category

Ehrlich gesagt, mehr als zwei. Aber weil man ebenso leicht an zu geringem Ehrgeiz scheitern kann wie an zu großem, habe ich mit zwei Projekten angefangen. Ich will einen Zwischenbericht zu meinen Erfahrungen geben.

Vielleicht ist es die Fernwirkung von Nepal. Ich reflektiere mein Einkommen. Ich finde meinen Wohlstand unglaublich. Ich mache mir bewusst, dass ich mehr besitze als ich brauche. Ich finde, das muss Konsequenzen haben.

Also passte ich zuallererst meinen Gewerkschaftsbeitrag und meinen Beitrag für die Partei, in der ich Mitglied bin kräftig nach oben an. Ich überwies einen Schwung Geld an Flattr, um mit Micropayments zu unterstützen, was unterstützenswert ist. Aber das waren nur Einzelaktionen. In zweierlei Hinsicht will ich mein Leben ändern.

Erstens: Ich kaufe kein Fleisch mehr aus konventioneller Massentierhaltung. Nie wieder. Ich kaufe wenn Fleisch, nur Bio, am Besten Neuland oder ein anderes zertifiziertes Label, weil „Bio“ zu lasch ist. Ich esse weniger Fleisch, um eine geringere ökologische Last für den Planeten zu sein. Aber ich verwende mein Geld für eine andere Art und Weise, Nahrung zu produzieren und mit Tieren umzugehen. Nicht weil es besser schmeckt (das tut es auch). Sondern als politische Entscheidung. Weil ich mir das leisten kann, sehe ich mich dazu verpflichtet.

Zweitens: Ich trainiere mir mühsam etwas ab, was ich mir in jahrelanger Übung angeeignet hatte. Die furchtbare Unsitte des Großstädters, achtlos am Elend links und rechts vorüberzugehen. Die Leichtigkeit des Nein-Sagens, des nicht-in-die-Augen-Schauens, des genervt Vorbeihastens. Schon wieder ein „Vortragsreisender“ der in der Bahn sein Verslein von der Obdachlosenzeitung sowieso aufsagt, dachte ich. Ich fühlte mich mit mit meinen Sitznachbarn eins in dem Gefühl der Belästigung. Das muss ich mir doch nicht gefallen lassen, dachte ich. Ich nam eine Haltung ein, die eigentlich der schwarzen Pädagogik zuzurechnen ist: Dir werd‘ ich das Betteln abgewöhnen, Du Schlingel, du kriegst von mir nichts! Ich lasse mich doch nicht nötigen zu einem schlechten Gewissen, beschloss ich. Und hatte es nicht. Zu unrecht.

Denn wie einfach ist eine kleine Geste, so, wie ich sie jetzt praktiziere. Alles messingfarbene Kleingeld geht in eine leicht erreichbare Tasche meiner Jacke. Jeder Erwachsene, der darum bittet bekommt einen kleinen Betrag aus dieser Tasche, was man so greift, blind, ohne großes Bohei. Nur Kindern gebe ich nie Geld, denn die Wahrscheinlichkeit ist zu groß dass es sich bei bettelnden Kindern um ausgebeutete Sklaven handelt.

Muss ich mir denn Gedanken machen, ob der elende Mensch meine 70 Cent vertrinkt? Selbst wenn er es tut, ist es doch seine Sache. Mehr als die Summe zählt die Geste. Der Akt der Freundlichkeit. Ich sehe Ihre Not, sage ich damit, ich habe Mitgefühl. Ich sage das mit Geld, nicht mit Worten. Die Beschenkten verstehen es, glaube ich. Sie verstehen zumindest, dass ich nicht weghöre und wegsehe. Und das ist doch schon sehr viel.

Was mich am allermeisten erstaunt ist, wie wenig Geld dabei drauf geht. In der Woche vielleicht drei Euro, obwohl ich täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin. Mir kam die Bettelei so viel maßloser vor, als ich mich noch angestrengt habe, sie zu ignorieren. Ich hätte gedacht, dass der Vorsatz, wirklich jedem Bettler jedes Mal wenigstens einen halben Euro zu geben das zehnfache kostet, mindestens.

Ich glaube, wir unterschätzen unsere Möglichkeiten, großzügig zu sein. Man könnte es auch Geiz nennen.

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Werte Leserinnen und Leserinnen, es folgt der Werbeblock.  Haben Sie schon mal unsere Frauen-Nationalmannschaft im Fernsehen angefeuert? Dann könnte ein Besuch im Stadion das Richtige für Sie sein. Ich war gestern mit Frau Dr. bereits zum dritten Mal im Karl-Liebknecht-Stadium in Potsdam, nach zwei (siegreichen) Bundesligaspielen hatten wir das 8:0 Champions League 16tel-Finale Rückspiel vor uns ausgebreitet, sahen die Nationalspielerin Fatmire Bajmaraj wieselflink über den Platz toben (wenngleich sie in der ersten Halbzeit Leim am Schuh zu haben schien, weil ihr das Leder irgenwie nicht ins Tor gehen wollte, aber in der zweiten Halbzeit versenkte sie zweie), durften Anja Mittag drei mal treffen sehen und Jennifer Zietz ein mal, um nur mal die Prominenz zu nennen. Alles live und in Farbe, in ganz entspannter, familärer Athmosphäre. Das Vergnügen ist billiger als ein Kinobesuch, ein Bier gibt es für 2,50 €, die Bratwurst für 2.- €, also warum nicht öfter?

Fusball

Okay, einen Nachteil gibt es. Anlässlich des dritten Besuchs, quasi als Stammgast, sahen Frau Dr. und ich uns in der moralischen Pflicht, einen Schal zu erwerben. Die Anschaffung eines Trikots hat aber noch Zeit. Ich könnte mich eh‘ nicht entscheiden, ob ich lieber eins von Monique Kerschowski oder von Isabell Kerschowski haben wollte. Die beiden Zwillinge aus Marzahn haben es mir angetan, weil sie mit so furchterregender Köperkraft und so einem wild entschlossenen Gesicht auf die Tribüne zustürmen können, dass es Fluchtreflexe auslöst. Ich mag Mädchen, die Jungs verprügeln (können).

Was die Turbinen natürlich nicht taten. Sie zerlegten statt dessen ihre Gäste nach allen Regeln der Kunst, so dass die armen finnischen Mädchen in ihrem Unglück mir leid taten. Nach dem Spiel kletterte Torhüterin Desirée Schumann die Absperrung zur Tribüne hoch und begrüßte die zahlreich erschienene Familie mit Küsschen links und Küsschen rechts. Da konnte man ihr doch nicht böse sein, dass sie keinen einzigen der (wenigen) finnischen Torschüsse auch nur ausnahmsweise mal ein bisschen ins Tor gelassen hatte.

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Jetzt wo es mal wieder so weit ist fällt mir auf, dass ich das ewig nicht mehr hatte: ein ausgesprochenes Lieblingslied. Früher hab ich eingentlich immer irgend einen Favoriten gehabt, den ich rauf und runter gespielt und grottenfalsch mitgesungen habe, aber Musik hat allgemein an Bedeutung verloren für mich. Ich kann tagelang ohne auskommen, ohne dass es mir auch nur auffällt.
Nun also Natasha Bedingfield. Die ist sonst wirklich nicht mein Ding. Dance-Music sowieso nicht, dieses leicht hysterische Mädchengewackel. Aber ein Song von ihr, ein einziger Song, der ist ganz groß. Rätselhaft.
„Soulmate“ anzuhören erfolgt auf eigene Gefahr, wegen Vermus Auris, dem gemeinen Ohrwurm.

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Zutiefst erschüttert muss ich feststellen, dass unser Hamster Cecilia offenbar während seiner Abwesenheit anlässlich der diversen Jahresendfeierlichkeiten nicht nur umbenannt und gehirngewaschen worden ist, sondern auch noch unter dem falschen Namen „Rodney Stanger“ ein Kapitalverbrechen begangen hat.

Ich grübele noch, wie er es in der kurzen Zeit bis an die Ostküste der USA und zurück schaffen konnte. Hier liegt der Verdacht der Beihilfe nahe, der sich gegen ein mir bekanntes Ehepaar aus Altglienicke richtet, dem der Hamster eigentlich zur getreulichen Pflege übergeben worden war.

Hier die belastenden Indizien:

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Heute ist es mir nach gefühlten 357 Anrufen gelungen, die Sprechstundenhilfe meiner Hautärztin zu erreichen, und einen Termin für die fällige Operation am Fuß zu erhalten. Der steht jetzt fest: 27. Februar. Und seit dieser Termin gesetzt ist, stellt sich bei mir ein wenig Harry Potter Feeling ein.

Ja ja ich weiß, man kanns auch übertreiben mit dem Jammern. Mir soll ja nur ein verdächtiger Leberfleck entfernt werden. Es muss zwar genäht werden und die Hautärztin hat gesagt dass schon allein die Betäubungsspritze fies wehtun wird, weil sie direkt auf den Knochen gesetzt werden wird, aber was solls, wir haben 33-45 ganz andere Sachen durchgestanden. Okay, wenn ich Pech habe sind beide Füße betroffen, am Hacken des anderen Käsemauken ist auch so ein suspekter Kandidat. Aber hey, dann tanzen wir eben footloose! Zumindest zwei Wochen lang, bis die Fäden gezogen worden sind.

Ich hab doch keinen Schiß. Ich doch nicht. Schnief

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Der Mensch hat ein tief verankertes Bedürfnis, Gutes zu tun. Der Mensch macht Fehler. Hier tut sich ein interessantes Feld für lehrreiche Geschichten und peinliche Zwischenfälle auf, von denen ich zwei hier berichten möchte. Sie wären des Fail Blog würdig, aber dieser Meilenstein der Blogkultur harrt noch einer deutschsprachigen Entsprechung.

Meine Ex-Kollegin A. ist eine katholisch erzogene, gutaussehende und gut gekleidete junge Frau. Sie war Mitte Dezember beschwingten Fußes auf dem Alexanderplatz unterwegs, durch ein Gewühl von Menschen mit Weihnachtseinkäufen, durch das Gewirr von Buden des schrottigen Mini-Weihnachtsmarktes dort, und strebte auf den U-Bahneingang zu. Dort hockte ein Rollstuhlfahrer, ärmlich gekleidet, Becher vor sich ausgestreckt, und rührte das Herz von A. Sie warf mit einem fröhlichen Lächeln mildtätige zwei Euro in den Becher.

Die Reaktion des Beschenkten fiel allerdings nicht wie erwartet aus. Statt sich artig zu bedanken grollte er:  „Was soll das?“ A. war verdutzt, aber noch nicht entmutigt und erwiderte etwas von Weihnachten und dass er sich auch etwas gönnen sollte. Der Rolli-Fahrer aber drehte wortlos seinen Becher um, aus dem sich sein Glühwein ergoss. In der Pfütze schimmerte die Münze, die aufzuheben A. nur kurz erwog und dann verwarf. Statt dessen stammelte Sie etwas von Entschuldigung und Versehen, und dass sie sofort einen neuen Glühwein… Der Rollifahrer aber lehnte barsch ab, „schlimmster Tag in meinem Leben“, bürdete er A’s Gewissen noch auf, und so ging sie hilflos und vermutlich immer noch tief errötet ihrer Wege. Wer von den zwei Euro letztlich profitiert hat, ist nicht überliefert.

Solche Dramen von verunglückter Nächstenliebe sind kein Einzelfall. Meine Kollegin N. wusste von einem Bekannten zu berichten, der FAZ-lesend in der U-Bahn unterwegs war, als einer der üblichen „Vortragsreisenden“ durch den Zug ging um seine Obdachlosenzeitung anzupreisen oder sonstige Barspenden einzuwerben. Wenige Sekunden, nachdem der Bedürftige ihn passiert hatte, wurde dem Bekannten von einer Frau ein Euro hingestreckt. Der so Verwechselte war tief erschüttert und ging sofort zum Frisör.

Ich selbst habe demnächst eine kleine Operation an meinem Fuß durchzuführen, ein Leberfleck muss entfernt werden. Ich werde zwei Wochen mit Krücken unterwegs sein, und im Hinblick auf öffentliche Verkehrsmittel überlege ich mir geeignete Vorsichtsmaßnahmen. Getränke nur mit Deckel, soviel ist mal klar. Aber über die Gestaltung des Riesen-T-Shirts, das ich über meine Winterjacke ziehen werde, denke ich noch nach. Vielleicht ein Schriftzug: „Bitte hier NICHT spenden. Bin Gutverdiener“? Vorschläge nehme ich dankbar entgegen.

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Liebe Leserinnen und Leser, hier aus gegebenem Anlass einmal ein neuer Service: Kontaktanzeigen! Ich wollte eigentlich nicht größer in das Business einsteigen, aber Frau Dr. G. hat zu Weihnachten zwei einzelne Socken der Marke Burlington geschenkt bekommen. Socken sind generell streng monogam und homosexuell. Eine Mischung zweier verschiedener Exemplare ist für sie undenkbar. Eine Ausnahme bilden jene hilfreichen mit den Buchstaben L und R gekennzeichneten Exemplare, extra für rechts-links-Legastheniker wie mich. Allerdings warte ich meist vergeblich, dass sich mal ein Mitmensch die Schuhe auszieht, nachdem ihm der Weg zum nächsten Briefkasten erklärt worden ist.

Äh… wo war ich? Ach ja, einzelne Socken. Die beiden sind todunglücklich, und Frau Dr. G. ist es auch. Ich bin das Gejammer leid und stelle jetzt zwei hoffentlich vorteilhafte Bilder ins Web. Mögen die passenden Partner sich bitte in den Kommentaren melden und Auskunft zu ihrem Aufenthaltsort geben!

Burlington dunkelblau mit beige, Single

Burlington dunkelblau mit beige, Single

Name: Burlington Einzelsocke dunkelblau

Alter: nagelneu und ungetragen

Vorzüge: noch gänzlich ohne Fußgeruch und Löcher

Ich suche: Mein Partner war mit mir zusammen bis zu jenem dunklen Tag im Einzelhandel vereint. Eine bösartige Person hat uns getrennt, seither suche ich Dich! Du hast eine dunkelblaue Grundfarbe und Karos in beige und hellblau. Du hast den Knopf. Ich warte in der Sockenschublade von Dr. G. auf Dich.

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Name: Burlingron Einzelsocke beige

Alter: nagelneu

Vorzüge: Außer dem tadellosen Zustand und der harmonischen Farbgebung ist noch der sensible und zärtliche Charakter zu betonen, der sich allerdings exklusiv dem passenden Partner offenbart.

Ich suche: Mein von dieser Unperson abgetrennter Partner hat weiße und hellgrüne Karos auf beigem Grund und keinen Knopf. Ich möchte an dieser Stelle noch meine Verbitterung darüber äußern, dass derselbe Unmensch, der uns den Tort der Trennung angetan hat, sich erdreistete, zu bemerken dass mein Schicksalsgenosse und ich dasselbe beige enthalten, weswegen man uns doch mischen könnte. Unfassbar! Man müsste ihr die Füße abschnüren!

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