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Archive for the ‘Brot und Spiele’ Category

Heute blogge ich mal über Musik. Habe ich noch nie getan. Aber da ich hier ja generell über Dinge blogge, von denen ich keine Ahnung habe, ist Musik genauso passend wie jedes andere Thema. Und ich muss etwas loswerden.

Gestern waren Frau Dr. und ich bei dem Open-Air-Konzert im Rahmen der IFA, das „Neue DeutschPoeten“ verhieß. Was uns dorthin zog war „Wir sind Helden“, von sämtlichen anderen Künstlern hatten wir noch nie gehört. Wir kamen eine Weile, nachdem das Konzert angefangen hatte, hörten von ferne einen der Acts, vielleicht war es „Kraftclub“, und beschlossen einen Rundgang über die IFA zu machen, bis die Musik hoffentlich besser wird.

Wir strichen dann durch die Hallen mit den Haushaltsgeräten. Ich konnte mich gar nicht sattsehen an den neuesten Küchenmaschinen, die Nudelteig verarbeiten und kochen können. Wir himmelten reihenweise Wein-Kühlschränke an. Wir belächelten die Staubsauger-Roboter. Einen Roboter kaufe ich erst, wenn der Treppen laufen kann und mir den Kasten Bier vier Treppen hochträgt. Wir freuten uns an Waagen im Schaf-Design mit dem Spruch „Ich hab schwere Wolle“. Und wir überlegten, welchen Kaffee-Vollautomaten wir kaufen würden, wenn wir nicht schon einen hätten.

Dann schloss die Ausstellung, und wir gingen zurück zum Konzertgelände. Dort coverte Marteria gerade ein Lied von Peter Fox. Das Lied ist gut, und die verdarben es wenigstens nicht. Dann betrat ein Typ die Bühne, mit einem scheußlichen gestreiften T-Shirt und einem Fusselbärtchen an seinem Eierkopf. Da gab es hübsche junge Mädels die ihn anhimmelten. Eine gute Nachricht für alle Männer: Ihr könnt noch so scheiße aussehen (und singen) irgend jemand findet es gut. Der Typ heißt Philipp Poisel, ein Name den ich mir merken werde, um demnächst die Flucht zu ergreifen. Hat so ne Knödelstimme wie Grönemeyer. Die Texte sind nicht schlimm genug, um richtig peinlich zu sein, und nicht gut genug, um auch nur einen Hauch von Interesse zu wecken. Die Musik ist… vergessen. War da Musik?

Endlich kamen die Helden dran, und sie rechtfertigten das Warten. Ich frage mich nur, warum der Mann von Judith Holofernes unbedingt so aussehen will wie der junge Osama Bin Laden. Drei mögliche Gründe gibt es: Er findet Haare schneiden und rasieren scheiße. Er hat keinen Spiegel und niemand sagt ihm wie er aussieht. Er will die einzige Frisur haben, mit der man heute noch anecken kann. Alles nach meiner unmaßgeblichen Meinung nicht wirklich überzeugend. Aber er spielt geil Schlagzeug und singt schön die Backings für seine Frau. Und irgendeinen Trick muss er sonst noch können, sonst hätte er gar keine so tolle Frau abgekriegt.

Leider geht so eine Stunde dann doch schnell vorbei. Und nach den Helden kam dann der angekündigte Höhepunkt und Haupt-Act. Clueso und Band. Hatte ich auch noch nie gehört. Überraschung Nr. 1:  Die Moderatorin sprach den Typ „Klüso“ aus. Okay, ich habe nicht wirklich einen besseren Vorschlag für die Aussprache von „Clueso“. Aber wir kommt man bloß dazu, wenn man so einen Witzlaut wie „Klüso“ als Künstlernamen wählt, der ja  immerhin noch ironisch oder witzig gemeint sein könnte, so eine angestrengt bildungsbürgerliche Schreibweise dafür festzulegen? Was soll das?

Ich stellte dann fest, dass ich keines der Lieder je gehört hatte. Da spielt so ein Top-Act aus Erfurt. 13.000 Leute wollen den sehen. Weil sie den kennen. Der Typ stammt ganz klar aus einer Parallelwelt. Gar keine so kleine Parallelwelt. Wo hatte die sich die ganze Zeit versteckt? Und was zum Teufel  finden die vielen Leute daran so attraktiv?

Als DeutschPoet hat Klüso Ansätze. Manche Texte sind okay bis nicht so schlecht. Auch die Musik hat Ansätze, vor allem das Keyboard. Aber nach ein paar Takten, man denkt grad hey, das könnte was werden, wird das Stück wieder verdaddelt und verlangweilt. Ein wenig ist es wie weißer Jazz. Feeling fehlt. Und alles ist zu pickepackevoll. Ein richtiger Stil ist nicht auszumachen.

Eine hörbare Deutsche Welle gab es schon in den 80ern so pauschal nicht. Neben Glanzlichtern wie Falco und Rio Reiser gab es den Driss wie Nena. Und jetzt, 30 Jahre später ist es genauso. Gute Musik mit deutschen Texten ist die Ausnahme, und nicht die Regel.

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Wie hier schon erwähnt, bin ich ja Freifisch, auf ausländisch Open Water Diver, und wenn man das ist, darf man unter Wasser schwimmen. Wie son’n Fisch halt. Am Pfingstwochenende habe ich von diesem Privileg erstmals ohne alle Tauchlehrer Gebrauch gemacht. Hatte aber Detlef und Harry dabei, und Detlef hatte seine Unterwasserkamera mit. Deswegen – taa taa – gibt es hier nicht nur Beweisfotos vom Hecht, den wir gesehen haben…

Der Hecht im Straussee

Der Hecht im Straussee

Sondern auch Bilder von mir. Ja, gibt es. Gibt es auch gleich zu sehen. Wer genau hinguckt, kann eine rote Nase in der Taucherbrille erkennen. Ich hatte mir die Haare frisch gefärbt, und das in die Maske eingedrungene Wasser war rot. Das nimmt den Bildern etwas den feierlichen Ernst.

Clowntaucher

Clowntaucher

Ich weiß nicht ob ich mit dem Bild bei den waschechten Jacques-Yves Cousteaus und so einreihe, möglicherweise ist es schädlich für’s Image, aber andererseits ist es ein Bild von mir unter Wasser…

Ach was, urteilt selbst.

Der Fisch schwimmt

Der Fisch schwimmt

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Herzlichen Glückwunsch an mich selbst, ich habe den Open Water Diver, Level 1, erworben und darf mich jetzt Fisch nennen. Das heißt, wenn ich ungut rieche, dann immer vom Kopf her. Aber das kommt eh‘ nicht vor bei mir.

Letztes Wochenende am Carwitzer See, in Thomsdorf, fanden die Exerzitien zum Freifisch statt. Es begann mit dem Beladen von Wägelchen, denen folgendes aufgepackt wurde: Große Flaschen aus Stahl mit gepresster Luft darin. Schläuche mit Atemreglern und Messgeräten. Ein schwarzes Neoprenmonster, das einen eigentlich bloß wärmen soll, aber aus purer Bosheit dabei noch den Hals würgt, kleinere schwarze Neoprenmonster für Hände Kopf, und Füße sowie eine Art Neopren-Unterwäsche. Je 8 Kilo Blei für Frau Dr. und mich. Riesige Westen, an denen die Luftflaschen befestigt werden. Flossen. Masken.

In mehreren Fuhren wurde dieser halbe Umzugswagen von Kram von der Tauchbasis zu einer Wiese am See geschafft. Dort angekommen begannen wir einen ungleichen Ringkampf mit den Neoprenmonstern. Normalerweise ist es ja so, dass einen das Monster fressen will, und man selbst will das Gegenteil. Hier war es nun umgekehrt. Wie den armen Gänsen bei der Herstellung der berühmten der Foie Gras stopften wir uns den Monstern ins Maul, gegen deren erbitterten Widerstand, millimeterweise trieben wir Arme und Beine in die schwarzen Rachen, und wurden gewürgt zum Dank. Die Sonne lachte und briet uns freundlich. Dann schwangen wir uns die Westen auf den Rücken, mit dem Gewicht der Flasche und den 8 Kilo Blei dran.

Wir wankten von Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern (also von der Wiese zum Steg). Dort holte der Tauchlehrer zu länglichen Erläuterungen aus, während mich der Druck des Gewichts auf den Schultern Millimeter um Millimeter schrumpfte. Kurz bevor ich zur Tablette gepresst war durfte ich den Steg hinauf wanken und mich setzen. Klonk, machte die Flasche und stand auf dem Steg. Ich fühlte mich zum ersten Mal seit gefühlten Stunden gut. Füße im Wasser, aaaahhh. Flossen anfummeln, Maske aufsetzen, Jacke aufpumpen, ab in den See!

Der Tauchlehrer mahnte uns, die Luft vorsichtig aus unserem Fortgeschrittenen-Schwimmflügel (Fische sagen Jacket dazu) herauszulassen, und langsam abzutauchen ohne in das Sediment am Grund… Wir fielen wie die Steine in den schlammigen Grund und befanden uns in finsterer Nacht aus aufgewirbeltem Sediment. Willkommen, liebe Tauchanfänger, rief ein unsichtbarer Fisch und suchte das Weite.

Frau Dr. und ich verbrachten einige Zeit damit, wieder Luft in das Jacket einzulassen und zu hoch nach oben zu schießen, um danach erneut im Sediment zu landen und so weiter. Wir machten dabei Fortschritte von saumäßig bis mäßig. Aber wir sind ja erst Level 1 Fisch. Man muss sich ja steigern können. Ich weiß jetzt wie Schilf von unten aussieht und finde es erstaunlich lang, so ein Schilfrohr. Das geht unter Wasser noch 3 Meter weiter. Außerdem weiß ich, das da wo es im Sediment gehuscht hat, ein Krebs gewesen ist. Jemand von uns hat auch einen Fisch gesehen.

Alles das ist dann aber auch ohne Bedeutung, denn was wir im Carwitzer See wollten ist die Lizenz zum selber tauchen, ohne Tauchlehrer. Und die haben wir jetzt.

Als wir uns nach unseren Tauchgängen aus den Neopren-Monstern herausschälen wollten, hatten die übrigens ihre Meinung über uns radikal geändert. Sie bissen sich an uns fest und wollten uns nicht mehr herausgeben. Wieder ein Ringkampf. Vielleicht ist Tauchen doch eher wie Ringen und nicht wie Gewichtheben. Oder, wie es einer von den Tauchlehrern sagte: Tauchen ist so lange Sport, bis man im Wasser ist. Und danach auch wieder.

Was dem Wintersportler sein Après-Ski, ist dem Taucher übrigens sein Deko-Bier. Deko steht hier für Dekompression, der beim Tauchen im Körper angereicherte Stickstoff mus raus, und ein Bierchen spült, zwei spülen mehr, und so weiter. Während das Bier seine Arbeit tat, drehte sich ein Wildschwein auf dem Spieß im Hotel neben der Tauchbasis, es gab ungeheuer leckeren selbst gemachter Kartoffelsalat und vieles mehr zu sagenhaft günstigen Preisen. Frau Dr. und ich wurden Raubfische und fielen über das Essen her.

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Frau Dr. und ich lernen Fisch. Die Kunst dabei ist das Atmen unter Wasser. Jahrmillionen lang hat man gedacht, das geht gar nicht, aber dann erfand man SCUBA, ausgeschrieben self-contained underwater breathing apparatus, übersetzt Unterwasser-Atemgerät. Jetzt geht es prinzipiell, aber lernen muss man es doch noch.

Es beginnt mit einem quietschbunten Buch das einem Dinge wie das Boyles-sche Gesetz nahebringt. Nach jedem Kapitel folgen Fragen in Form eines Lückentexts, man zählt zum Beispiel die zahlreichen Ausrüstungsteile auf, die ein gelernter Fisch braucht oder nummeriert die Reihenfolge durch, in der diese dann montiert werden müssen. Was das Buch verschweigt ist, wie viel diese Ausrüstungsteile wiegen. Und wie viel sie kosten.

Zu diesem Buch gibt es noch eine CD, die einem in blassen und langweiligen Clips denselben Stoff noch einmal nahe bringt. Alles ist so optimiert, dass auch ein Zeitgenosse mit einem IQ unter 50 Fisch lernen und Fisch werden kann. Vorausgesetzt, er kann die Flasche mit der Atemluft tragen und bringt das nötige Kleingeld für Tauchcomputer, Anzug, Atemregler, Flossen, Jacket und diversen anderen Schnick wie Lampen und Unterwasser-Kamera zusammen.

Das ist wohl auch der Grund, weshalb es Frau Dr. nicht genug war, einfach nur ganz normal Fisch zu lernen. Sie wollte auch Nitrox-Fisch sein. Als Nitrox-Fisch atmet man unter Wasser ein anderes Gemisch als die gewöhnlichen Luft-Fische, eines mit mehr Sauerstoff drin. Dafür muss man einen extra Fisch-Schein machen, und als Streber macht man den vor dem eigentlichen Fisch-Examen. Also fanden wir uns eines Freitags abends bei Dirk ein, um das aus einem kleineren bunten Fischlern-Buch gelernte dort zum Besten zu geben, und theoretisch alles über das Tauchen mit enriched air nitrox zu wissen, nur eben nicht, wie man taucht. Denn das war dem Samstag und dem Sonntag vorbehalten.

Der OWD-Kurs (OWD heißt nicht Oh Watt is Datt, sondern open water diver) brachte uns die harte Realität des Fisch-Seins näher, zunächst die im Schwimmbad. Erkenntnis Nr. 1: Das Wasser in so einem Schwimmbecken ist mal so wat von trüb, dat sieht nich jut aus durch sonne Taucherbrille. Erkenntnis Nr. 2: Ein Atemregler hat viele Schläuche. Erkenntnis Nr. 3: Anne Luft sind die Klamotten schwerer als wie im Wasser. Sauschwer, um genau zu sein. Tauchsport ist ein anderer Name für Gewichtheben.

Und ein Sport mit feiner Ironie. Zum Beispiel zeigt man sich gegenseitig ständig Handzeichen, die man sich an Land, insbesondere im Wedding und in Neukölln, niemals zeigen würde (es sei denn, man ist seeeehr schnell). Mit der dem nicht-Fisch als „Arschloch“ bekannten Geste soll der angehende Fisch seinen Artgenossen signalisieren „OK“. Und bekommt als Antwort die gleiche freundliche Geste, den zwischen Daumen und Zeigefinger geformten Ring. Es ist ein toleranter Sport: ich (Arschloch) ok, du (Arschloch) ok.

Die anderen Details der Fischausbildung (Druckausgleich, Maske ausblasen, etc.) sind nicht interessant genug für einen Platz in diesem Bericht. Und für einen sauberen Tiefenrausch fehlten bei 2,80 m Beckentiefe die Voraussetzungen.

In einem Monat wird die Grundausbildung Fisch mit den Tauchgängen in einem Brandenburger See abgeschlossen. Dann sind wir sozusagen Freifisch. Ich werde berichten.

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fragte mit leicht fassungsloser Stimme ein anderer Newbie auf der Fanbusfahrt nach Köln, als wir uns abends nach dem Spiel am Bus versammelt hatten und auf die Nachzügler warteten. Er hätte früher Fussball gespielt und wär schon verschiedentlich mit Bussen zu Spielen von Männermannschaften gefahren, aber diese Gefasstheit hätte er nie erlebt. Und dass hier die Leute standen und sagten: Frankfurt hat ja auch echt ne tolle Saison gespielt, und sie waren die bessere Mannschaft – das als Turbine-Fans, das machte ihn staunen.

Erklären konnte ich es ihm nicht. Aber empfehlen. Es macht gelassen und verhindert Magengeschwüre. Wahrscheinlich auch bei Männern. Einen Versuch ist es jedenfalls wert.

Diese Gelassenheit eint übrigens offenbar Spielerinnen und Fans gleichermaßen. Anna Felicitas Sarholz postete auf Facebook in musikalischer Weise ihren Kommentar zum Pokalfinale: Gewinnen kann jeder.

Und der Verein scheint sich ihrer Sicht anzuschließen, er setzt eine entsprechende Newsmeldung auf seine Webseite. Das nenne ich souverän verloren.

Und nächstes mal als Sieger!

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Wie gut, dass ich irre bin. Wie gut, dass Frau Dr. ebenfalls völlig gaga ist. Denn man muss echt bescheuert sein, um so etwas zu machen: Am Freitag nach einer Arbeitswoche, wenn man gerade von seinen Feierabendbieren so richtig bettschwer ist, den Arsch heben und ihn Richtung S-Bahn bugsieren. Wir sind ja in Berlin, da wird man ja wohl nach 1 Uhr noch mit der S-Bahn zum Zoo kommen. Weil von dortselbst geht um 1:30 der Fanbus nach Potsdam. Dort wird umgestiegen und ein müder Pulk in blau, mit Trommeln, Fahnen, Schals und Rasseln ausgestattet, ergießt sich in die bereitstehenden Busse. Das ist der Plan.

Mir ist ein wenig mulmig, wie wohl die Realität zu dem Plan so wird, jetzt, kurz vor dem Start. Ich wär schon ein wenig versucht, zu kneifen. Was natürlich nicht geht, gar nicht geht. Da musste jetzt durch.

Teil 1 des Plans funktioniert schon mal perfekt. Wir kommen am Zoo aus der S-Bahn und sehen Leute mit blauen Trikots und Schals neben einem Bus mit einem Fanschal im Fenster. Müde klettern wir in das Gefährt, das für die nächsten 28 Stunden quasi unser Zuhause sein wird.

Frau Dr. in vollem Ornat - und müde

Frau Dr. in vollem Ornat - und müde

Ich in vollem Ornat - und nicht viel wacher

Ich in vollem Ornat - und nicht viel wacher

Mit unseren aufblasbaren Nackenkissen können wir zumindest stundenweise halbwegs pennen. Vier Stunden sind es vielleicht, dann wird es zu hell und der Busfahrer schmeißt die Musik an. Immer abwechselnd eine Stunde Disco-Oldies wie Abba und Supertramp, dann wieder Schlager von der grauenhaftesten Sorge. Als wir uns dem Ziel Köln nähern, versucht der Fahrer es mit den Höhnern, aber beim preussischen Publikum springt der Funke sowas von gar nicht über. Viele sind, wie man den Gesprächen an Bord entnehmen kann, zum ersten Mal in Köln.

Die Folgen von Akustik-Folter mit Schlagermusik

Die Folgen von Akustik-Folter mit Schlagermusik

Immerhin, auf den letzten Metern durch Köln wirft der Fahrer noch mal die Turbine-Hymne ein, und die Fans singen mit: „Und rollt die Lawine vor, fällt bald ein Turbine-Tor. Jeder irrt sich der da spricht, so schnell schießen Preußen nicht. Die Langen Kerls sind lange schon passé, wir haben ja den 1. FFC!“

Nach dem Aussteigen machen wir uns selbständig, erst in der Hoffnung auf einen Brunch in der Brennerei Weiß, die bitter enttäuscht wird – ist offenbar nur Sonntags, wenn überhaupt noch. Also fahren wir zum Ebertplatz und suchen die Bäckerei épi auf, in der Neusser Straße 32. Hier ist ein echtes Stück Frankreich in Kölle zu Hause, die gigantischsten Croissants, Baguettes, und kleine Kügelchen aus Brandteig mit Hagelzucker drauf zum Kaffee.

Irgendwie muss man die Zeit bis zum Anstoß rumbringen. Wir spazieren den Rhein entlang, aber mich zieht es dann doch zum Müngersdorfer Stadion, das jetzt wie alle Stadien einen neuen Namen, nämlich den Namen von irgend so einem bescheuerten Unternehmen hat, welcher mir nicht über die Lippen kommt.

Wir verpassen ausgerechnet das geilste vom Vorprogramm, unter dem Titel Retro kicken ein paar ehemalige Nationalspielerinnen. Bis wir es geschnallt haben ist es zu spät und die Damen haben sich verstreut. Immerhin gelingen mir noch ein paar Schnappschüsse von Silke Rottenberg.

Silke Rottenberg im Gespräch mit Fans

Silke Rottenberg im Gespräch mit Fans

Annike Krahn hält einen Plausch mit ihren Ex-Kolleginnen, nachdem sie ihre Pflicht am Autogrammstand erledigt hat.

Was Silke Rottenberg und Saskia Bartusiak wohl so plauschen?

Was Silke Rottenberg und Annike Krahn wohl so plauschen?

Auf einmal schiebt sich Alex Popp in Begleitung einer ganzen Meute mit den Fanfreundschafts-Schals Turbine-Duisburg um den Hals durch die Menge. Ehe ich den Fotoapparat zücken kann, ist sie schon untergetaucht. Ein Mann stupst mich an und fragt, wer das war, das Gesicht käme ihm bekannt vor. Ich sage: Das war die Torschützenkönigin der U-20-WM und Nationalspielerin Alexandra Popp. Leider in Duisburg spielend und nicht in Potsdam. Vielleicht ändert sich das ja noch mal…

Wir müssen noch ein paar Songs von Michael Holm durchstehen. Auf der Bühne hüpfen 1. FC-Köln-Cheerleader im Grundschulalter herum, während Amateurmannschaften irgendwelche Pokale für ihr Gekicke auf den Stadion-Vorwiesen bekommen. Wir trinken uns die Sache schön, so gut es geht.

Überflüssig wie ein zweiter Kropf: Das Rahmenprogramm des DFB

Überflüssig wie ein zweiter Kropf: Das Rahmenprogramm des DFB

Endlich, im Stadion, riecht die Athmosphere endlich nach Fußball. Wir haben großartige Plätze. Richtige Sessel. Unser Turbine-Sitzkissen wird nicht gebraucht. Die Reihen des Fanblocks füllen sich langsam.

Micha und ein paar der Leute aus unserem Bus

Micha und ein paar der Leute aus unserem Bus

Mich quatscht ein Hochschullehrer aus der Sporthochschule Köln an, der hier am Rande des Spiels eine Umfrage macht. Er dürfe auf der Tribüne seine Fragebogen nicht verteilen, ob ich ihm helfen könne. Ich mache es mit dem Argument: Ey, der Typ ist der Betreuer von Viola Odebrechts Diplomarbeit. „Für Viola machen wir das!“ rufen etliche Leute und füllen brav die Zettel aus. Auch Frau Dr. und ich natürlich. Ich schreibe da rein, dass das Vorprogramm des DFB für mich so attraktiv wie die Beulenpest ist. Und dass die gottverdammtenscheißöffentlichrechtlichen Sender gefälligst mehr Fußball von Frauen bringen sollen.

Umfragen für Viola - ich mache mich zum Heinz für die Wissenschaft

Umfragen für Viola - ich mache mich zum Heinz für die Wissenschaft

Schließlich kommen unsere Stars und machen sich warm. Die Konzentration ist so nah zu spüren, man fühlt sich hier tatsächlich dichter dran als im kleinen Karl-Liebknecht-Stadion zu Hause. Ich zücke meine Kamera und halte den Zauber der Anspannung vor dem Spiel fest.

Im Vordergrund Corinna Schröder, Links hinten Bajmaraj und Mittag

Im Vordergrund Corinna Schröder, Links hinten Bajmaraj und Mittag, rechts Monique Kerschowski

Yuki Nagasato, die spätere Torschützin

Yuki Nagasato, die spätere Torschützin

Anja Mittag, Lira Bajmaraj und Josephine Henning, wenn ich das richtig sehe

Anja Mittag, Lira Bajmaraj und Tabea Kemme, wenn ich das richtig sehe

Josephine Henning und Viola Odebrecht

Josephine Henning und Viola Odebrecht

Monique Kerschowski winkt Felicitas Sarholz - die ein schlechtes Spiel machen wird

Monique Kerschowski winkt Felicitas Sarholz - die ein schlechtes Spiel machen wird

Aber Hoppla, auf einmal kommt Alex Popp vorbei, erklimmt die Tribüne und nimmt weiter oben Platz. So komme ich doch noch zu meinem Foto von ihr.

Lieber Fußballgott. Mit dem 1. FFC Duisburg ist zur Zeit nicht so viel los. Bitte mach, dass Alex nächste Saison nach Potsdam wechselt.

Alex Popp, der "Popp-Star" der U 20 WM war mit dem Verein zuletzt eher glücklos

Alex Popp, der "Popp-Star" der U 20 WM war mit dem Verein zuletzt eher glücklos

Die Mädels auf der Bank machen einen etwas gelösteren Eindruck als die auf dem Feld

Die Mädels auf der Bank machen einen etwas gelösteren Eindruck als die auf dem Feld

Der verkrampfteste Moment eines jeden Fußballspiels ist das Hymnensingen. Man müsste mal die Einlaufkinder fragen, ob die Damen hinter ihnen ihnen die Finger in die Schultern krallen. Einige machen das bestimmt…

blüh im Gla-han-ze dieses Glü-hü-ckes

blüh im Gla-han-ze dieses Glü-hü-ckes

Schon bald nach dem Anpfiff wurden die Potsdamer Befürchtungen wahr, es gab den ersten Gegentreffer durch ein Versagen der tief schlafenden Potsdamer Abwehr. Auch die Heldin von Getafe, Felix Sarholz sah bei diesem und dem zweiten Treffer in Halbzeit zwei nicht besonders gut aus. Ein zweiter Ausgleichstreffer für Potsdam wurde nach einem Einspruch der Linienrichterin wegen angeblicher Behinderung der Torhüterin Natze Angerer nicht gegeben – klare Fehlentscheidung, aber ein Ergebnis. Letzlich war das 2:1 für Frankfurt aber nicht unverdient, die Mannschaft spielte präziser und effizienter, unser Sturm war wackelig und Anja Mittag hatte überhaupt keinen guten Tag. Lira Bajmaraj wiederum war durch die Frankfurter Abwehr stets mit 3 Gegnererinnen lahmgelegt, so bald sie sich dem Frankfurter Strafraum auch nur näherte. Isabel Kerschowski, zu spät eingewechselt, versuchte das mit ihrer unglaublichen Kraft und Schnelligkeit noch aufzuknacken, aber ihre Pässe fanden nicht die Abnehmer. Tja Folks.

Nach dem Spiel: Felix knuddelt ihre Mutti und badet in der Menge

Nach dem Spiel: Felix knuddelt ihre Mutti und badet in der Menge

Felix Sarholz macht mich glücklich, als ich mich mit dem Edding bewaffnet nähere: Jetzt ziert ein Autogramm mein Trikot. „Silber im Pokal ist doch auch nicht schlecht“, antwortet sie auf meine Bemerkung, dass das nächste Spiel wieder ein Sieg wird. Unzufrieden wirkt sie nicht. Aber einen Anschiss vom Trainer hat sie bestimmt noch bekommen. Würde mich wundern, wenn nicht.

Auch Lira Bajmaraj verteilt Autogramme, neben ihr ein Fan mit kroatischer Flagge

Auch Lira Bajmaraj verteilt Autogramme, neben ihr ein Fan mit kosovarischer Flagge

Lira nimmt neben einer Freundin oder Verwandten ein Bad in der Menge, die eine kosovarische Flagge, schwarzer Adler auf rotem Grund, in der Hand hält.

Schließlich treten wir den Fußmarsch zurück zu unserem Bus an, es ist eine ziemliche Strecke. Pünktlich starten wir gen Berlin, die Stimmung im Bus ist verhalten. Vor uns fachsimpeln sie über das Spiel, und Verschwörungstheorien werden auch zirkuliert. Lira wolle nach Frankfurt wechseln, deshalb habe sie nicht richtig angegriffen. Solche Art Klatsch ist wohl leider unvermeidlich. Interessant auch, dass die Verschwörungstheoretiker davon ausgingen, dass Lira Coco Schröder mitnimmt, wenn sie geht.

Um vier Uhr Sommerzeit waren wir am Zoo, und wir gönnten uns ein Taxi nach Hause. Mein Fazit: Obwohl diese Fahrten verdammt anstrengend sind, muss ich noch mal eine machen. Schon allein deswegen, weil ich die Athmosphere im Bus nach einem Sieg erleben will.

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Etwa drei Wochen hat es gedauert, bis ich eine Antwort auf meinen Brief an den RBB und die Sportschau erhalten habe. Wenn man die Antwort eine Antwort nennen möchte. Man schrub:

„vielen Dank für Ihre kritischen Zeilen. Wir entschuldigen uns für die verspätete Rückmeldung. Das Anfrageaufkommen war so hoch, dass eine zeitnahe Bearbeitung leider nicht möglich war.

Ihre Kritik zur mangelnden Berichterstattung über den Frauenfußball haben wir an die „Sportplatz“ Redaktion weitergeleitet. Wir können Ihnen garantieren, dass Ihre Kritik dort ernst genommen wird. Alle rbb-Redaktionen sind stets für Anregungen und Kritik dankbar und bemüht ihre Programme zur Zufriedenheit der Zuschauerinnen und Zuschauer zu gestalten.

Wir hoffen, dass Sie unsere Sendungen auch weiterhin engagiert begleiten.

Weiter engagiert begleiten… hmm… okay. Aber sagt dann nicht hinterher, ihr hättet es nicht so gewollt!


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