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Archive for Mai 2011

Herzlichen Glückwunsch an mich selbst, ich habe den Open Water Diver, Level 1, erworben und darf mich jetzt Fisch nennen. Das heißt, wenn ich ungut rieche, dann immer vom Kopf her. Aber das kommt eh‘ nicht vor bei mir.

Letztes Wochenende am Carwitzer See, in Thomsdorf, fanden die Exerzitien zum Freifisch statt. Es begann mit dem Beladen von Wägelchen, denen folgendes aufgepackt wurde: Große Flaschen aus Stahl mit gepresster Luft darin. Schläuche mit Atemreglern und Messgeräten. Ein schwarzes Neoprenmonster, das einen eigentlich bloß wärmen soll, aber aus purer Bosheit dabei noch den Hals würgt, kleinere schwarze Neoprenmonster für Hände Kopf, und Füße sowie eine Art Neopren-Unterwäsche. Je 8 Kilo Blei für Frau Dr. und mich. Riesige Westen, an denen die Luftflaschen befestigt werden. Flossen. Masken.

In mehreren Fuhren wurde dieser halbe Umzugswagen von Kram von der Tauchbasis zu einer Wiese am See geschafft. Dort angekommen begannen wir einen ungleichen Ringkampf mit den Neoprenmonstern. Normalerweise ist es ja so, dass einen das Monster fressen will, und man selbst will das Gegenteil. Hier war es nun umgekehrt. Wie den armen Gänsen bei der Herstellung der berühmten der Foie Gras stopften wir uns den Monstern ins Maul, gegen deren erbitterten Widerstand, millimeterweise trieben wir Arme und Beine in die schwarzen Rachen, und wurden gewürgt zum Dank. Die Sonne lachte und briet uns freundlich. Dann schwangen wir uns die Westen auf den Rücken, mit dem Gewicht der Flasche und den 8 Kilo Blei dran.

Wir wankten von Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern (also von der Wiese zum Steg). Dort holte der Tauchlehrer zu länglichen Erläuterungen aus, während mich der Druck des Gewichts auf den Schultern Millimeter um Millimeter schrumpfte. Kurz bevor ich zur Tablette gepresst war durfte ich den Steg hinauf wanken und mich setzen. Klonk, machte die Flasche und stand auf dem Steg. Ich fühlte mich zum ersten Mal seit gefühlten Stunden gut. Füße im Wasser, aaaahhh. Flossen anfummeln, Maske aufsetzen, Jacke aufpumpen, ab in den See!

Der Tauchlehrer mahnte uns, die Luft vorsichtig aus unserem Fortgeschrittenen-Schwimmflügel (Fische sagen Jacket dazu) herauszulassen, und langsam abzutauchen ohne in das Sediment am Grund… Wir fielen wie die Steine in den schlammigen Grund und befanden uns in finsterer Nacht aus aufgewirbeltem Sediment. Willkommen, liebe Tauchanfänger, rief ein unsichtbarer Fisch und suchte das Weite.

Frau Dr. und ich verbrachten einige Zeit damit, wieder Luft in das Jacket einzulassen und zu hoch nach oben zu schießen, um danach erneut im Sediment zu landen und so weiter. Wir machten dabei Fortschritte von saumäßig bis mäßig. Aber wir sind ja erst Level 1 Fisch. Man muss sich ja steigern können. Ich weiß jetzt wie Schilf von unten aussieht und finde es erstaunlich lang, so ein Schilfrohr. Das geht unter Wasser noch 3 Meter weiter. Außerdem weiß ich, das da wo es im Sediment gehuscht hat, ein Krebs gewesen ist. Jemand von uns hat auch einen Fisch gesehen.

Alles das ist dann aber auch ohne Bedeutung, denn was wir im Carwitzer See wollten ist die Lizenz zum selber tauchen, ohne Tauchlehrer. Und die haben wir jetzt.

Als wir uns nach unseren Tauchgängen aus den Neopren-Monstern herausschälen wollten, hatten die übrigens ihre Meinung über uns radikal geändert. Sie bissen sich an uns fest und wollten uns nicht mehr herausgeben. Wieder ein Ringkampf. Vielleicht ist Tauchen doch eher wie Ringen und nicht wie Gewichtheben. Oder, wie es einer von den Tauchlehrern sagte: Tauchen ist so lange Sport, bis man im Wasser ist. Und danach auch wieder.

Was dem Wintersportler sein Après-Ski, ist dem Taucher übrigens sein Deko-Bier. Deko steht hier für Dekompression, der beim Tauchen im Körper angereicherte Stickstoff mus raus, und ein Bierchen spült, zwei spülen mehr, und so weiter. Während das Bier seine Arbeit tat, drehte sich ein Wildschwein auf dem Spieß im Hotel neben der Tauchbasis, es gab ungeheuer leckeren selbst gemachter Kartoffelsalat und vieles mehr zu sagenhaft günstigen Preisen. Frau Dr. und ich wurden Raubfische und fielen über das Essen her.

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