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Archive for Februar 2011

Ehrlich gesagt, mehr als zwei. Aber weil man ebenso leicht an zu geringem Ehrgeiz scheitern kann wie an zu großem, habe ich mit zwei Projekten angefangen. Ich will einen Zwischenbericht zu meinen Erfahrungen geben.

Vielleicht ist es die Fernwirkung von Nepal. Ich reflektiere mein Einkommen. Ich finde meinen Wohlstand unglaublich. Ich mache mir bewusst, dass ich mehr besitze als ich brauche. Ich finde, das muss Konsequenzen haben.

Also passte ich zuallererst meinen Gewerkschaftsbeitrag und meinen Beitrag für die Partei, in der ich Mitglied bin kräftig nach oben an. Ich überwies einen Schwung Geld an Flattr, um mit Micropayments zu unterstützen, was unterstützenswert ist. Aber das waren nur Einzelaktionen. In zweierlei Hinsicht will ich mein Leben ändern.

Erstens: Ich kaufe kein Fleisch mehr aus konventioneller Massentierhaltung. Nie wieder. Ich kaufe wenn Fleisch, nur Bio, am Besten Neuland oder ein anderes zertifiziertes Label, weil „Bio“ zu lasch ist. Ich esse weniger Fleisch, um eine geringere ökologische Last für den Planeten zu sein. Aber ich verwende mein Geld für eine andere Art und Weise, Nahrung zu produzieren und mit Tieren umzugehen. Nicht weil es besser schmeckt (das tut es auch). Sondern als politische Entscheidung. Weil ich mir das leisten kann, sehe ich mich dazu verpflichtet.

Zweitens: Ich trainiere mir mühsam etwas ab, was ich mir in jahrelanger Übung angeeignet hatte. Die furchtbare Unsitte des Großstädters, achtlos am Elend links und rechts vorüberzugehen. Die Leichtigkeit des Nein-Sagens, des nicht-in-die-Augen-Schauens, des genervt Vorbeihastens. Schon wieder ein „Vortragsreisender“ der in der Bahn sein Verslein von der Obdachlosenzeitung sowieso aufsagt, dachte ich. Ich fühlte mich mit mit meinen Sitznachbarn eins in dem Gefühl der Belästigung. Das muss ich mir doch nicht gefallen lassen, dachte ich. Ich nam eine Haltung ein, die eigentlich der schwarzen Pädagogik zuzurechnen ist: Dir werd‘ ich das Betteln abgewöhnen, Du Schlingel, du kriegst von mir nichts! Ich lasse mich doch nicht nötigen zu einem schlechten Gewissen, beschloss ich. Und hatte es nicht. Zu unrecht.

Denn wie einfach ist eine kleine Geste, so, wie ich sie jetzt praktiziere. Alles messingfarbene Kleingeld geht in eine leicht erreichbare Tasche meiner Jacke. Jeder Erwachsene, der darum bittet bekommt einen kleinen Betrag aus dieser Tasche, was man so greift, blind, ohne großes Bohei. Nur Kindern gebe ich nie Geld, denn die Wahrscheinlichkeit ist zu groß dass es sich bei bettelnden Kindern um ausgebeutete Sklaven handelt.

Muss ich mir denn Gedanken machen, ob der elende Mensch meine 70 Cent vertrinkt? Selbst wenn er es tut, ist es doch seine Sache. Mehr als die Summe zählt die Geste. Der Akt der Freundlichkeit. Ich sehe Ihre Not, sage ich damit, ich habe Mitgefühl. Ich sage das mit Geld, nicht mit Worten. Die Beschenkten verstehen es, glaube ich. Sie verstehen zumindest, dass ich nicht weghöre und wegsehe. Und das ist doch schon sehr viel.

Was mich am allermeisten erstaunt ist, wie wenig Geld dabei drauf geht. In der Woche vielleicht drei Euro, obwohl ich täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin. Mir kam die Bettelei so viel maßloser vor, als ich mich noch angestrengt habe, sie zu ignorieren. Ich hätte gedacht, dass der Vorsatz, wirklich jedem Bettler jedes Mal wenigstens einen halben Euro zu geben das zehnfache kostet, mindestens.

Ich glaube, wir unterschätzen unsere Möglichkeiten, großzügig zu sein. Man könnte es auch Geiz nennen.

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Letztens haben wir es geschafft, immerhin vier der Warmduscher vom Everest-Gebiet noch einmal zusammen zu trommeln und den Versuch gemacht. echt nepalesisch zu kochen. Und was soll ich sagen, auch wenn dies leider ein Selbstlob impliziert, es ist phantastisch gelungen. Rezepte findet man mitlerweile leicht im Internet, der nepalesisch-deutsch Kulturverein hat eine Sammlung von Links hier. Ein aktives Mitglied dieses Vereins ist der sehr nette Betreiber des „Nepal Mandala“ Restaurants in der Brunnenstr. 164 in Berlin-Wedding, dicht an der Grenze zu Mitte. Von ihm erwarben wir auch die vier Flaschen echtes nepalesisches Bier, zwar nicht Everest-Bier, aber immerhin, Gurka-Bier schmeckt auch echt.

Frau Dr. und ich beim Chicken Curry

Frau Dr. und ich beim Chicken Curry

Wir hatten überwiegend vegetarische Gerichte, veggie-Momos, natürlich Dhal Bat, also Linsen und Reis, einen Blumenkohl-Curry, einen Eier-Curry und einen Kartoffel-Curry. Und vorweg die unvermeidliche Suppe, mehr so freestyle, aus Gemüse. Und das Huhn für das Hühnercurry war Bio, denn das ist mein fester Vorsatz in 2011: ich kaufe kein Fleisch aus Massentierhaltung mehr. Ich esse überhaupt weniger davon. Und hier ist ein Rezept für eine großartige Gewürzmischung, mit der man fast alles auf nepalesisch trimmen kann, super lecker.

Gabi und Andrea machen Momos

Gabi und Andrea machen Momos

Bei den Momos machten wir es uns einfach: Es gibt beim Asiaten fertige runde Teigblätter für Dumplings zu kaufen, tiefgefroren. Erstaunlicherweise war es kaum ein Problem, all die Gewürze hier in Berlin zu bekommen. Vieles hatten wir ohnehin in meiner umfangreichen Sammlung, Szechuan-Pfeffer, Kurkuma, Nelken, Zimt und Coriandersamen. Und selbst Dinge von denen ich noch nie gehört hatte wie Asafötida waren in Bio-Läden zu erhalten, der Ayurveda-Welle sei dank, die natürlich ansonsten die Pest ist.

Der Lohn der Arbeit ist: lecker!

Der Lohn der Arbeit ist: lecker!

Die vielen verschiedenen Sachen zu kochen ist natürlich ein logistisches Problem, selbst in einer gut ausgestatteten Küche kommt irgendwann die Frage auf: Haben wir eigentlich noch einen Topf für… und wenn ja, gibt es noch eine Herdplatte? Ich frage mich, wie sie das in Nepal machen. Es kamen immer mindestens 5 verschiedene Gerichte auf den Tisch, meist mehr, entweder hübsch auf dem Teller um den Reis herum drapiert, oder als Buffet präsentiert.

nepalisch trinken, Teil 1

nepalisch trinken, Teil 1

Den Nachtisch Sikarni hatten wir in Nepal nicht gehabt, wohl aber im schon erwähnten Nepal Mandala. Ihn herzustellen war dann doch einfacher als gedacht: Man schüttet Sauerrahm und Joghurt in ein Sieb, das mit einem Handtuch ausgelegt ist. Dieses Sieb wird dann auf eine Schüssel gesetzt, so dass die Flüssigkeit aus dem Joghurt ablaufen kann. Gottseidank erlaubte es das Wetter, diese Konstruktion über Nacht auf dem Balkon vor sich hin tropfen zu lassen, im Kühlschrank wäre es eng geworden. Das Joghurt-Konzentrat wird dann nur noch gesüßt und ziemlich wild gewürzt, mit Mandeln oder Pistazien ergänzt – und ist extrem lecker.

nepalisch trinken, Teil 2: der warme Treckerfuß

nepalisch trinken, Teil 2: der warme Treckerfuß

Natürlich durfte zum Abschluß der Rumpunsch nicht fehlen, der nun für immer „warmer Treckerfuß“ heißen wird, zumindest in den Everest Summit Lodges, dafür hat Roland gesorgt. Wir haben dazu einen indischen Rum verwendet, Old Monky, der hat ein schräges schokoladiges Aroma. Und natürlich Zitrone, Zucker, Zimt und heißes Wasser. Schmeckte wie es sich gehört. Und natürlich kann man auf einem Bein nicht stehen, drei ist Bremer Recht, vier ist ne Gerade Zahl, fünf Finger hat die Hand… will heißen, später im Bett liegend kam mir leise der Verdacht, dass es vielleicht besser gewesen wäre, nicht ganz so viel zu trinken.

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