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Archive for November 2010

Hier noch einmal der gesamte Warmduscher-Trek mit allen 17 Teilen schön chronologisch geordnet für Leute, die nicht so gerne viel scrollen.

Ich bedanke mich bei meiner wachsenden Zahl von Leserinnen und Lesern und gebe stolz bekannt, dass dieses kleine, bescheidene, private Blog bereits über 10.000 Besuche verzeichnen konnte. Was nicht zuletzt dem Warmduscher-Trek zu verdanken ist.

A propos danken: Ich danke Gabi für die Fotos, die ich verwenden durfte. Unsere eigenen Fotos waren ja wegen der kaputten Speicherkarte zur Hälfte zerstört, und Gabi ist überhaupt die bessere Fotografin, keine Frage! Danke, Gabi!

Alle 17 Teile von „Auf dem Warmduscher-Trek in Nepal“ zum bequem durchklicken:

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/21/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-1/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/21/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-2/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/21/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-3/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/21/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-4/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/23/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-5/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/24/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-6/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/26/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-7/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/30/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-8/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/30/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-9/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/31/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-10/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/10/31/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-11/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/01/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-12/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/02/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-13/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/03/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-14/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/07/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-15/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/08/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-16/

https://zapfenstreich.wordpress.com/2010/11/28/auf-dem-warmduscher-trek-in-nepal-teil-17-und-ende/

 

 

 

 

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Berlin, im November 2010

Das nasskalte Wetter in Deutschland beschert uns sofort eine Erkältung, auf uns wartet jede Menge Arbeit und der Alltag sowieso. Aber ich schreibe dieses Blog, und während ich die Bilder sichte und meine Tagebuchnotizen lese, reise ich wieder zurück nach Nepal.

Am Vortag unserer Abreise machen wir einen Ausflug nach Bakthapur. Tej kommt zum Frühstück ins Hotel und er bringt wie angekündigt seine kleine Tochter mit, ein unglaublich hübsches und aufgewecktes Kind von acht Jahren.

Frühstück mit Tej und Teresa

Frühstück mit Tej und Teresa

Teresa  lernt seit der ersten Klasse Englisch, und sie spricht es besser als ihr Vater. Sie beherrscht zwei Schriften, die lateinische Schrift und die nepalesisch-indische. Wie ihr Vater ist sie nicht besonders schüchtern, sondern plaudert schon bald mit Grit, die ganz vernarrt ist in das Kind.

Waschtag

Waschtag

Wir fahren mit dem Bus hinaus aus der Stadt. Die Tempel- und Schlossanlage von Bakthapur liegt auf einem Hügel. Hier befand sich eines von vier Königreichen im fruchtbaren Kathmandu-Tal. Die Besiedelung geht zurück auf das 3. Jahrhundert n. Chr., die Tempel dort sind zum Teil nicht sehr viel jünger. Das Weltkulturerbe ist natürlich Denkmalgeschützt, das heißt Neubau und Sanierung dürfen dort nur mit den klassischen Baumaterialien Holz und Ziegel vorgenommen werden. Das ist teuer, verfallen lassen kostet dagegen nichts, entsprechend sehen manche Häuser aus, die den Aufstieg zur Tempelanlage säumen.

Mais ist an den Fassaden zum Trocknen aufgehängt

Mais ist an den Fassaden zum Trocknen aufgehängt

In den Fenstern gibt es kein Glas. Holzschnitzereien schatten das Innere ab, und hölzerne Läden halten bei Bedarf Wind und Regen fern. Am Wegesrand versuchen Händler die Aufmerksamkeit der Touristen zu ergattern. Überall bieten sie dieselben Waren feil, Klangschalen, Tangka-Malerei, Schmuck, Stehrümchen und Nippes aller Art.

Powershopping in Bakthapur

Powershopping in Bakthapur

Es ist warm. Ich werde etwas ungeduldig, weil die Hochleistungs-Shopper in unserer Gruppe mal wieder überall stehen bleiben und gucken. Endlich sind wir oben. Eine Mischung aus Pracht und Verfall erwartet uns. Wir betreten ein Geviert aus zweistöckigen Ziegelbauten, und im Hof in der Mitte stehen die Tempel. Ein großer, Shiva gewidmeter Bau und kleinere daneben.

Die Tempelanlage von Bakthapur

Die Tempelanlage von Bakthapur

Der weiße kleine Tempel links ist innen sauber gekachelt, hier werden Tiere geopfert. Übrigens macht man sich in Nepal heutezutage die Mühe mit den Kacheln nicht, wenn es sich bloß um Metzgerläden handelt… Hier aber sieht man auf den Kacheln noch den einen oder anderen Blutspritzer. Die Schafe im Vordergrund des Bildes sind übrigens vor derartigen Riten sicher, sie sind heilig und nicht zu schlachten, ebenso wie die Tauben, deren Kot den Tempeln zusetzt, und ebenso wie die Ratte, die wir kurz erblicken. Die Tiere scheinen von ihrer Immunität zu wissen, sie sind entspannt und vielleicht auch eine kleine Spur überheblich.

Rechts im Hintergrund die Lager für Statuen, im Vordergrund Gabi

Rechts im Hintergrund die Lager für Statuen, im Vordergrund Gabi

In den Häusern ringsum werden hinter einem Gitter aus Holzstäben Sänften und Wagen aufbewahrt, die staubig und kaputt aussehen. Zu meinem Erstaunen sagt Tej, dass sie noch für religiöse Umzüge und Feste benutzt werden. Daneben ist ein Raum, in dem Teile von Statuen und steinerne Schrifttafeln liegen wie Abfall. Dinge, die bei uns im Museum auf ein Podest gestellt und mit Strahlern effektvoll ausgeleuchtet würden.

Biggi und Waltraud vor Tempelstatue

Biggi und Waltraud vor Tempelstatue

Die Rückseite des großen Shiva-Tempels ist vergoldet. Ich bin erstaunt über die ungewohnte Pracht. Es muss in Nepal wirklich so etwas wie ein goldenes Zeitalter gegeben haben.

Die Goldseite des Shiva-Tempels ist der Eingang für den Gott

Die Goldseite des Shiva-Tempels ist der Eingang für den Gott

Wir steigen wieder in den Bus und fahren nach Downtown Bakthapur. Auch hier ist das Ensemble streng geschützt, was natürlich nicht verhindert, dass viele Bauten verfallen. Die traditionelle Ziegelbauweise und vor allem die von Hand geschnitzten Holzfenster sind für Viele unerschwinglich.

Viele Häuser hier sind extrem schmal, sie teilen meist miteinander die Außenwände. Manche Häuser lehnen sich aneinander wie müde alte Männer, und Risse ziehen sich durch die Mauern. Immer wieder öffnen sich die engen Gassen zu Plätzen, und die größeren Plätze haben einen ausgemauerten, viereckigen Feuerlöschteich, der völlig von Algen überwuchert ist und langsam verlandet. Auf den kleineren Plätzen stehen mit roten Ziegeln gemauerte Brunnen. Tej schaut in jeden Brunnen hinein, und jedes Mal blickt er in algengrünes, brackiges Wasser. Diese Wasserstellen taugen allefalls zum Gießen. Die modernen Brunnen sind die Wassertanks oben auf den Dächern.

Wir besichtigen eine Seidelbast-Fabrik. Diese und die Töpferei im selben Hof sind wegen der Feiertage völlig verlassen. Die Töpferei stellt die runden Schalen her, die in Nepal von den Molkereien zum Käse machen gebraucht werden. Die getöpferten Schalen werden dazu mit Reisstroh und Asche geschichtet, dann wird der Haufen angezündet. Wir sehen massenweise der gebrannten Schalen in der Asche liegen.

Eine nepalesische Töpferei

Eine nepalesische Töpferei

Die Seidelbast-Fabrik ist eher ein Handwerksbetrieb. Einige Maschinen gibt es zwar, zum Beispiel solche zum Schneiden und mahlen. Aber die Masse wird von Hand auf Siebe geschöpft, zum Trocknen aufgehängt und dann weiter verarbeitet zu Briefpapier, Lampenschirmen, Schachteln, Masken, Kunstdrucken und Spielzeug.

Tej mit einem Papiersieb in der Seidelbast-Fabrik

Wir steigen von Etage zu Etage, vorbei an verlassenen Arbeitsplätzen. Ich versuche mir vorzustellen wie viele Menschen hier wohl arbeiten. Wie sie in den engen Räumen mit den vielen Treppen und Stützbalken herumhantieren. So richtig gelingt es mir nicht. Ein wenig gespenstisch ist die verlassene Werkstatt.

Ein Pfauenfenster

Ein Pfauenfenster

Auf einer Etage steht ein nagelneues, geschnitztes Pfauenfenster. Eine Kostbarkeit des nepalesischen Kunsthandwerks, die 10.000 Euro kostet. Schon für uns viel Geld, für Nepalesen ein Vermögen. Das Fenster sehen wir später unten im Laden der Fabrik wieder, als Kunstdruck.

Blick vom Dach der Seidelbast-Fabrik

Blick vom Dach der Seidelbast-Fabrik

Schließlich kommen wir auf das Dach, ein Flachdach wie das hier üblich ist. Und oben ist ein weiteres Zeichen des Wohlstands, eine traditionelle Pagode aus Holz im Bau, mit ähnlich aufwendigen Schnitzereien daran wie wir sie von den Tempeln kennen. Aber es ist wie immer, noch halb unfertig scheint das aufwendige Kunsthandwerk schon wieder zu vergammeln. Dreck liegt herum, irgendwo läuft weiße Farbe an einem der Balken herunter.

Wir suchen dann verzweifelt ein Restaurant, um etwas zu Mittag zu essen. Fast alle haben geschlossen wegen der Feiertage, und die wenigen die offen haben sind überfüllt. Schließlich finden wir ein Restaurant, und warten ewig um eine Bestellung aufgeben zu können. Von der Karte ist fast nichts zu haben, denn die Küche ist wegen Stromausfall lahm gelegt. Wir bestellen eine Suppe, die nach einer gefühlten Ewigkeit kommt, scheußlich aussieht und nicht viel besser schmeckt. Dafür lassen wir uns das Everest-Bier die Kehlen hinunter laufen.

Tej und Teresa

Tej und Teresa

Die kleine Teresa will gerne mal auf einem steinernen Löwen reiten. Tej taxiert zunächst die Gruppe, haben wir die Geduld zu warten? Aber klar haben wir das, also wird der Wunsch des Mädchens erfüllt. Tej ist mächtig stolz auf sein Kind. Die kleine genießt es, bei Papa zu sein. Fast die Hälfte des Jahres ist er weg, unterwegs mit Touristen oder arbeitend im Ausland. Trotzdem akzeptiert das Kind, dass die Touristen Vorrang haben. Sie versteht kein Wort von dem, was Tej uns auf deutsch erklärt, aber sie versucht nicht, ihn zu unterbrechen und seine Aufmerksamkeit zu erlangen, sondern wartet geduldig. Wie viele Kinder bei uns in dem Alter würden das bringen?

Wir kehren ins Hotel zurück, trinken dort Kaffee und schlagen bis zum Abendessen die Zeit tot. Zum Abschied versuchen wir den „warmen Treckerfuß“ im Hotel, aber der Rumpunsch taugt hier nichts. Wir nehmen doch lieber ein paar Everest-Biere, um den Abschiedsschmerz zu verdrängen.

Die Stofftiere im Hotelbett

Die Stofftiere im Hotelbett

Der letzte Tag bricht an, wir packen unsere Taschen zusammen und stellen sie in die Lobby. Um fünf Uhr Nachmittags wird Tej uns abholen und zum Flughafen bringen. Und wenn er uns dort abgegeben hat, wird er gleich die nächste Reisegruppe wieder auflesen, um mit diesen Leuten dieselbe Tour wie mit uns zu machen.

Gabi, Andrea, Frau Dr. und ich nutzen die verbleibenden Stunden, um auf eigene Faust und zu Fuß Kathmandu zu erkunden. Zunächst laufen wir nach Thame, auch so ein Tempel-Hotspot mit Weltkulturerbe-Bebauung.

Frau Dr., Andrea und ich

Frau Dr., Andrea und ich

Wir verlassen dann den Touristenplatz und wagen uns in das Chaos der Wohnviertel. Die vielen Geschäfte, die ambulanten Händler, die Armut und der Lärm sind allgegenwärtig. Besonders die Metzgereien, in denen das Fleisch ungekühlt und schutzlos den Fliegen ausgesetzt auf Holz liegt, faszinieren uns.

In den Straßen von Kathmandu

In den Straßen von Kathmandu

Auf einem großen  Hinterhof entdecken wir einen Tempel, der fast so aussieht wie die auf den tourisitischen Plätzen, aber er ist sehr viel jünger und deshalb ist die bunte Farbe, die einmal alle Tempel verziert hat, hier noch erhalten. Wir sind begeistert.

Tempelschnitzereien in bunt

Tempelschnitzereien in bunt

Wir tätigen letzte Einkäufe, und schließlich geht es zum Flughafen. Das Einchecken dauert ewig,  dann geht es zur ersten Sicherheitskontrolle, der noch viele weitere folgen. Immer wieder will jemand unsere Bordkarten sehen, wir warten wieder, jemand will in das Handgepäck gucken, dann wieder die Bordkarte zücken, dann noch mal Durchleuchten des Handgepäcks – alles wirkt irgendwie planlos. Aber es ernährt eine Menge Menschen.

Als wir im Flugzeug platz nehmen, sind wir wieder im Westen. Der Flieger von Ethiad ist ganz neu, alles ist sauber, alles funktioniert, das nepalesische Chaos und der allgegenwärtige Schmuddel liegen hinter uns. Schade…

Aber was ist das Ende einer Reise anderes als der Anfang der Planung für das nächste Abenteuer? Wir lassen uns doch nicht bange machen! Frau Dr. studiert bereits die Kataloge für das Projekt Nepal 2012. Ziel soll das Annapurna-Gebiet sein. Und die Zeit wird wie im Flug vergehen, das weiß ich genau.

Wir müssen jetzt allerdings hoffen, dass die Stofftiere uns wieder als Trägerinnen anheuern. Ich bin zwar der Meinung, dass wir uns wirklich gut bewährt haben, aber bei diesen hyperkritischen beiden Tierchen weiß man nie. Seid so gut und legt bei Gelegenheit ein gutes Wort für uns ein!

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Kathmandu, 17. Oktober

Jemand möge bitte die Briten dafür bestrafen, dass sie den globalen Standard für das Frühstück gesetzt haben. Ausgerechnet die Briten, denen man beim Thema Essen grundsätzlich misstrauen muss! Unser Frühstück im Hotel hat also Baked Beans aufzuweisen. Ach ja. Um Acht Uhr kommt Tej und gesellt sich zu uns, nachdem er die Nacht bei seiner Familie in Kathmandu verbracht hat. Ein seltener Luxus während der Saison. Noch am selben Tag, an dem wir abreisen wird er eine neue Reisegruppe in Empfang nehmen und mit ihr dieselbe Tour machen wie mit uns.

Wir steigen zusammen in den Bus und fahren zum Pashupati-Tempel. Dies ist eine riesige Anlage mit ehemaligen Gästehäusern für Pilger drumherum, von denen eines durch Mutter Theresa zum Altersheim für Frauen umfunktioniert worden ist. Das Zentrum der Tempelanlage ist nur für Hindus zugänglich, wir müssen also draußen bleiben bzw. von der anderen Seite des Flusses einen Blick auf den Shiva gewdimeten Tempel werfen.

Ab hier nur Hindus: Der Eingang zum Pashupati-Tempel

Ab hier nur Hindus: Der Eingang zum Pashupati-Tempel

Tej erzählt uns die Legende vom Pashupati-Tempel. Ein Hirte hatte in der Nähe seine Herde und stellte eines Tages etwas Verwunderliches fest. Eine seiner Kühe ging morgens als erstes hinaus zum Grasen, kam abends als letzte zurück und gab danach keine Milch. Um dem Rätsel auf den Grund zu gehen folgte er ihr bis zu der Stelle, an der heute der Tempel steht, und sah, wie sie dort ihre Milch auf den Boden tropfen ließ. Der Hirte grub dort in der Erde und fand das klassische Symbol von Shiva, ein Phallussymbol kombiniert mit dem Zeichen für weibliche Fruchtbarkeit, natürlich feurig heiß, ohne gewaltiges zisch und bumm kein Wunder. Shiva mag besonders gern Milch, deshalb hatte die brave Kuh dort Milch geopfert. Das vermeintliche Fundstück des Bauern steht heute in dem Tempel, von dem keiner weiß wie alt er eigentlich ist. Es gebe Inschriften aus dem 3. Jahrhundert, sagt Tej.

Der Pashupati-Tempel

Der Pashupati-Tempel

Unten am Flussufer brennen Scheiterhaufen mit Leichen Verstorbener. Auf der einen Seite der Brücke sind die Verbrennungsplätze für die high society, auf der anderen die für das normale Volk. Heute wurde auf allen Ebenen der gesellschaftlichen Hierachie gestorben, es brennt beiderseits. Die Söhne, ganz in weiß gekleidet, haben die Aufgabe das Feuer zu schüren. Stirbt der Vater, muss der älteste Sohn die Bestattungszeremonie übernehmen, im Fall der Mutter steht der jüngste Sohn in der Pflicht. Vier Stunden dauert es, bis der Körper verbrannt ist. Seine Asche wird dann in den Fluss gestreut, der entsprechend schmutzig grau und trüb ist. Aber heilig. Na ja. Nach der Verbrennung muss der arme Sohn sieben Tage zu Hause im Dunkeln sitzen, und niemand darf ihn berühren, nur mit ihm zu reden ist erlaubt. Und wenn das geschafft ist, ist ein Jahr lang weiß zu tragen als Zeichen der Trauer. Immerhin sind Witwenverbrennungen in Nepal (anders als in Indien) mitlerweile verboten.

Bestattungszeremonien auf der Seite für die einfachen Leute

Bestattungszeremonien auf der Seite für die einfachen Leute

Auf dem Areal stehen viele Mini-Tempelchen, oft errichtet zum Gedenken an Verstorbene. Es sieht aus wie ein Friedhof, auch wenn hier natürlich niemand begraben liegt.

Affen überall

Affen überall

Affen laufen über das Areal, und an vielen Stellen sitzen die orange gekleideten Asketen mit ihren bemalten Gesichtern. Eigentlich sind die Männer hoch geachtet, aber ihre Bereitschaft, für Geld auf Fotos von Touristen zu posieren, hat dem Image in jüngster Vergangenheit doch spürbar Abbruch getan. Tej nennt sie „heilige oder scheinheilige“ Männer.

Blick über das Areal

Blick über das Areal

Heilige oder scheinheilige Männer

Heilige oder scheinheilige Männer

Auch Leprakranke sehen wir, die betteln. Ich bin betrübt, dass ich keine kleinen Scheine dabei habe. Denen hätte ich gerne ein Scheinchen gegeben.

Überall lauften Händlerinnen und Händler herum, mit Ketten und Armbändern, Schachspielen oder anderem Schnickschnack auf dem Arm. Sie hängen sich hartnäckig an unsere Fersen und preisen ihre Ware an. Einigen von uns gelingt es überhaupt nicht, sie abzuschütteln, und mit zunehmender Verzweiflung höre ich die Bitte, endlich in Ruhe gelassen zu werden und nein, man wolle nichts kaufen. Was die falsche Strategie ist. Ich vermeide jeglichen Blickkontakt, drehe mich weg, antworte nicht – und werde relativ in Ruhe gelassen. Nonverbale Kommunikation zieht hier eindeutig besser.

Unsere nächste Station ist die Shree Boudhanath Stupa, eine riesige Stupa, auf der man zum Teil herumlaufen kann. Was ein noch wichtigerer Vorteil ist, ist dass die Stupa umgeben ist von einem Ring von Häusern, eine Art Fußgängerzone mit vielen, vielen Geschäften. In unserer Gruppe bricht der Shopping-Rausch aus.

Boudhanath Stupa

Boudhanath Stupa

Als erstes ist eine Schule für Tanka-Malerei nebst angegliedertem Verkauf dran. Und hier werden Frau Dr. und ich gleichzeitig auf ein wunderschönes „Rad des Universums“ aufmerksam, eines der Standard-Motive, die den Kreislauf von Wiedergeburt und Tod darstellen. Wir erstehen das Bild für umgerechnet 80 Euro, ohne zu zögern und auch ohne zu versuchen, einen Preisnachlass herauszuhandeln. Viele in unserer Gruppe sehen im Handeln einen Sport, bei dem man mitmachen muss. Wir nicht.

Naturfarben aus Mineralien, gemalt auf Stoff im Spannrahmen

Naturfarben aus Mineralien, gemalt auf Stoff im Spannrahmen

Wie viele Klangschalen braucht ein Mensch? Frau Dr. und ich sind der Auffassung, mit null wäre man ausreichend versorgt, aber viele in unserer Gruppe halten drei für notwendig. Ähnlich verhält es sich mit Ketten, Ringen, allerlei Stehrümchen und Pashima-Schals. Der einzig limitierende Faktor ist die Begrenzung des Freigepäcks für den Rückflug.

Ein köstliches Mittagessen auf dem Dach eines der Häuser um die Stupa bringt mich wieder ins Gleichgewicht. Shopping ist ja nicht so meins…

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Mittagessen mit Blick über die Dächer von Kathmandu

Wenn ich mir die Ästhetik der buddhistischen Bauten und Kunstwerke anschaue, dann spricht mich das doch viel mehr an als die des Hinduismus. Die Klarheit der Linien und Strukturen, das Abstrakte und Symbolhafte liegen mir mehr als die chaotische und sehr diesseitige Anmutung, die der Hinduismus für mich hat. Auch wie die Götter präsentiert werden, zum Beispiel als Herren über ein Reittier, welches immer gehorsam vor dem Tempel wartet, das macht sie für mein Gefühl weltlichen Herrschern doch zu ähnlich. Da liegt mir der Verdacht zu nahe, dass man sich zu unterwerfen hat. Nicht sympathisch für mich.

Hanuman-dhoka

Hanuman-dhoka

Schließlich fahren wir zur alten Palast- und Tempelanlage Hanuman-dhoka am Durbar Square. Die meisten der Tempel und Palastbauten stammen aus dem 16. Jahrhundert.

Ein Pfauenfenster

Ein Pfauenfenster

Aufwendige Holzschnitzereien stützen die Dächer und verzieren die Fenster, Weltkulturerbe auch dies.

Der Erhaltungszustand des Weltkulturerbes ist bedenklich schlecht

Der Erhaltungszustand des Weltkulturerbes ist bedenklich schlecht

Auch hier entrichten wir eine – nach nepalesischer Kaufkraft bemessen – hohe Gebühr für die Besichtigung, die, so ist es in der ausgehändigten Broschüre zu lesen, dem Erhalt der Bauten dienen soll. Ich kann an keinem Stück Holz auch nur den Versuch erkennen, früher einmal vorhandene Bemalung zu restaurieren, oder auch nur das Holz zu schützen. Dachziegel bröseln vor sich hin, aus manchen Ziegelmauern wachsen Pflanzen heraus, andere wölben sich nach außen oder weisen Risse auf. Es gibt bemoste Dachziegel und Dächer, die aussehen als könnten sie jederzeit herunterkommen. Teilweise fehlen Ornamente. Wie es mich ärgert, dass diese einzigartigen Zeugnisse nepalesischer Kultur in einem solchen Zustand sind, obwohl doch Geld von Touristen in die Kasse kommt! Die Verantwortlichen in der Regierung haben allen Grund, sich zu schämen.

Schlange vor dem Tempel der Göttin Khumari

Schlange vor dem Tempel der Göttin Khumari

Ein Tempel ist der „lebenden Göttin“ Khumari gewidmet, aber wegen der großen Schlange davor verzichten wir darauf, das derzeit 7-Jährige Mädchen zu besichtigen. Die Khumari wird jeweils im Alter von vier Jahren erkoren. Sie kommt aus einem ausgewählten Kreis bestimmter Familien uns muss für ihr Amt belastbar sein, d.h. sie darf sich bei den Ritualen nicht fürchten. Einmal erwählt, verbringt sie ihr Leben in diesem Tempel, bis auf ein paar Ausflüge, bei denen man sie anlässlich von Feierlichkeiten in einer Sänfte durch die Straßen trägt. Gelegentlich grüßt sie vom Fenster, ansonsten ist sie drinnen mit ihren Priesterinnen und ihrer Familie, und mit einem Strom von Pilgern, die sie anbeten. Sobald sie das erste mal menstruiert, tritt sie in den Ruhestand. Heiraten darf sie nicht, aber sie verzehrt dafür eine staatliche Rente. Und eine Anstellung bei der Regierung ist ihr darüber hinaus sicher.

Ein anderer Tempel ist mit Kamasutra-Motiven verziert. Die Statue eines Affengottes direkt gegenüber ist mit Stoff verhüllt. Der sei Junggeselle, erklärt Tej, und er wolle deshalb die erotischen Szenen am Tempel gegenüber nicht sehen.

Zwischen der Geschichte allüberall die Gegenwart Kathmandus. Autos gibt es relativ wenige, Motorräder schon mehr. Und mit einem Motorrad kann man eine ganze Familie transportieren. Helmpflicht existiert nur für den Fahrer. Ich wünsche gute Gesundheit!

Wie viele Menschen passen auf ein Motorrad? Vier mindestens

Wie viele Menschen passen auf ein Motorrad? Vier mindestens

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Kathmandu, 16. Oktober

Um 5:15 klingelt die Uhr von Frau Dr. Zögerlich gibt die Dämmerung den Blick auf ein Nebelverhangenes Tal frei. Au weia, das sieht nicht gut aus für unseren Flug nach Kathmandu.

Pasang ist noch vor unserem Frühstück verschwunden, er hat zu Hause ein krankes Kind, das in eine Krankenstation gebracht werden muss. Er läuft heute in einem Zug durch nach Mende, sein Heimatdorf, die Strecke für die wir zwei Tage brauchten bewältigt er wohl so in 5 Stunden.

Nach dem Frühstück spielen wir Mau Mau und richten uns innerlich darauf ein, den ganzen Tag in der Lodge vergeblich darauf zu warten dass ein Flug geht. Plötzlich kommt Tej herein und schickt uns zum Flughafengebäude, das direkt gegenüber unserer Lodge liegt. Das Gepäck haben hilfreiche Geister schon herübergebracht und eingecheckt. Es ist ja wie gesagt ein Warmduscher-Trek, bei dem man sich um nichts kümmern muss.

Tej hat schon die Bordkarten, unser Flug ist der Flug Nr. 1. Wir gehen durch eine extrem langsame und gelangweilte Handgepäck-Kontrolle, alle Touristen hier sind unfröhlich wegen des Wetters. Flug Nr. 1 ist in Kathmandu abgeflogen, teilt Tej uns mit. Etwa eine halbe Stunde später müsste er hier landen. Er landet aber nicht. Wir warten. Es wird immer klarer, dass unser Flieger wohl abgedreht sein muss, weil er wegen der schlechten Sicht nicht landen kann. Eine andere Gruppe wird von ihrem Reiseleiter wieder aus dem Flughafengebäude geschickt, die hat die Nachricht erhalten, dass ihr Flug ausfällt. Wir haben gerade resigniert, da landet auf einmal ein Flugzeug. „Unser Flug,“ ruft Tej, und scheucht uns hinaus auf das Flugfeld.

Wir entern den Flug einer anderen Reisegruppe

Wir entern den Flug einer anderen Reisegruppe

Was Tej in diesem Augenblick ganz genau weiß, ist dass dies Flug Nr. 2 ist, also nicht unserer. Was er ahnen kann ist, dass Flug Nr. 2 der einzige Flug an diesem Tag sein sollte. Was er nicht weiß ist, dass dies der Flug sein würde, der ihm als der schlimmste bisher in Erinnerung bleibt.

Runter kommen sie alle - Sichtflug ohne Sicht

Runter kommen sie alle - Sichtflug ohne Sicht

Kaum sind wir gestartet, sieht man aus den Fenstern – NICHTS. Ich erinnere: Es handelt sich um einen Sichtflug. Wir fliegen durch ein Gebirge. Der Pilot hat vorne GPS und Höhenmesser, aber keinen Radar. Um uns herum ist dichteste Waschküche. Tej macht krampfhaft Witze, aber es ist leider allzu offensichtlich dass er selbst schlicht Muffensausen hat. Und das macht es nicht besser. Sogar Holger ist still. Ich habe Angst. Frau Dr. hat Angst. Waltraud macht ihr Testament. Biggi tätschelt sie.

Was es ebenfalls nicht besser macht ist die Tatsache, dass Gabi sich vorhin im Flughafengebäude verquatscht hat. Frau Dr. hat Andrea instruiert, dass man mir die Geschichte auf keinen Fall erzählen darf, aber Gabi wusste von dieser Vorsichtsmaßnahme nichts. So erfuhr ich, was ich nicht hatte wissen wollen: Erst im August diesen Jahres startete ein Flieger von Kathmandu, drehte wegen schlechter Sicht vor Lukla ab und flog zurück, um dann kurz vor Kathmandu abzustürzen.

Hin und wieder verhindern kleinere Turbulenzen, dass das Angstlevel sinken kann. Kurz kann man mal durch den Wolkenschleier blicken, dann ist wieder alles dicht ringsum. An den Ohren merke ich schließlich, dass wir sinken. Immer noch nichts zu sehen. Endlich dann die Häuser von Kathmandu. Als wir auf dem Boden aufsetzen und die Schubumkehr losdröhnt, bin ich so dankbar, wie ich selten war in letzter Zeit. „In Deutschland würde das kein Pilot machen,“ stellt Holger fest. Ich denke: Wenigstens mal ein Fall von begründeter Flugangst. Und mit der unbegründeten bin ich jetzt durch.

Die Überlebenden von Flug Nr. 2

Die Überlebenden von Flug Nr. 2

Wir fahren zum Hotel und essen dort zu Mittag, duschen und gammeln ein wenig herum. Von der Straße her dudelt unaufhörlich die typisch nepalesische Musik, die zwar nicht schlecht klingt, aber auch nicht gerade arm an Wiederholungen ist.

Im Greenwich Hotel in Kathmandu

Im Greenwich Hotel in Kathmandu

Der einzige Ausflug ist die Suche nach einem Geldautomaten. Hier ist gerade ein großes hinduistisches Fest, das bedeutet alle Geschäfte und Restaurants sind zu. Wir müssen im Hotel essen. An den Straßen sind grellbunte temporäre Tempel aufgestellt, vor den Häusern liegen Bananenblätter auf der Straße, mit Opfergaben darauf, die schon vom Niselregen ziemlich unansehnlich geworden sind. Wenn ich Gott wäre, würde ich diese Kost nicht mehr annehmen, aber ich bin ja keiner.

Hinduistische Götterbühne in Kathmandu

Hinduistische Götterbühne in Kathmandu

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Lukla, 15. Oktober

Seufz.

Wir sind auf dem Rückweg. Wir gehen heute die letzte Etappe, dann fliegen wir zurück nach Kathmandu. Das heißt, wir fliegen wenn auch ein Flieger geht. Und das ist alles andere als gewiss. Aber der Reihe nach.

Trek zwischen Monjo und Phakding

Trek zwischen Monjo und Phakding

Außerhalb des Nationalparks bestehen weniger Beschränkungen für das Bauen, und man merkt es sofort. Lodges, Restaurants und Shops reihen sich aneinander, der Weg ist eine lange Kette kleiner Siedlungen. An einer Stelle sahen und rochen wir: der Fleischer ist da. Drei der traditionellen Tragekörbe voll mit unverpacktem Fleisch von Tieren, die dem Geruch nach zu schließen längst verzehrt hätten sein müssen.

Kunstvolle Fleischkosmetik

Kunstvolle Fleischkosmetik

Einer der Fleischer polkt mit seinem Messer an dem Fleisch herum, ich weiß nicht ob er Maden aus der Keule holt oder „nur“ besonders unansehnliche Teile davon abschneidet. Jedenfalls wirft er den Abfall seiner Fleischkosmetik den Hühnern vor.

Der Metzger ist da!

Der Metzger ist da!

Die Fotos werden der Szene nicht wirklich gerecht, ich bitte das zu entschuldigen. Wegen des Geruchs hatte ich es eilig.

Auf den Haupttrekkingrouten ist wieder mal die Hölle los. An den Hängebrücken muss man warten, bis der sperrige Gegenverkehr aus Trägern mit breiten Körben oder Zopioks vorbeigegangen ist. Und das kann dauern.

Gegenverkehr auf der Hängebrücke

Gegenverkehr auf der Hängebrücke

Und noch mehr Gegenverkehr auf der Hängebrücke

Und noch mehr Gegenverkehr auf der Hängebrücke

Endlich gelingt es uns, den Dhut Kosi zu überqueren. Tej wählt einen Weg am anderen Ufer, um den Massen aus dem Weg zu gehen und uns ein neues, schönes Stück Weg zu zeigen. Wir steigen zwischen den Feldern einer neugierig guckenden Bauernfamilie auf, und nehmen einen leicht erhöht verlaufenden Pfad parallel zum Fluss. Die moderne Technik hält Einzug im Khumbu, wir sehen, wie ein Mobilfunkmast installiert wird. Je nach Netzbetreiber kann man bislang im Khumbu Pech haben. Kollegen mit Vodafone-Handys hatten keinen Empfang, die anderen schon.

Mobilfunkmontage

Mobilfunkmontage

Der Pfad führt durch Pinienwälder, wir haben eine schöne Sicht auf das Tal und vor allem: wir sind die Einzigen dort.

Das Tal des Dhut Kosi

Das Tal des Dhut Kosi

Schließlich steigen wir zum Fluss hinab und wechseln wieder die Seite, um nach Phakding zu gelangen, wo wir wie auf dem Hinweg zu Mittag essen. Es gibt auch wieder dasselbe Essen, knusprig frittiertes Brot, Reis mit Gemüse, Kartoffeln.

Wir machen es uns auf der Terasse gemütlich, aber auf einmal fängt es an zu regnen! Wir ziehen in das Innere der Lodge um, sitzen gedrängt zusammen mit einer anderen Reisegruppe. Die sind nicht so gut organisiert wie wir. Bei uns hat Tej immer ein einheitliches Essen für alle vorbestellt, entsprechend fix geht es. Bei denen bestellt jeder was anderes, und als wir mit dem Essen längst fertig sind, warten die noch immer, mit misslaunigen Gesichtern.

Das letzte Stück nach Lukla legen wir tatsächlich im Regen zurück. Meine Regenjacke, die ich Tag für Tag mit mir rumgeschleppt hatte, kommt jetzt zum ersten Mal zum Einsatz. Immerhin, denke ich mir, da sehe ich auch mal wie diese Landschaft hier im Regen aussieht. Die Wege werden schmierig, die Yakscheiße am Boden verläuft und ihr auszuweichen wird fast unmöglich. Man muss seine Schritte mit Bedacht setzen. Der steile letzte Anstieg ist kein Problem dank des Höhentrainings, und dann sind wir wieder in Lukla. Abends beim warmen Trekkerfuß machen wir uns sorgen um unseren Flug morgen. Das Wetter sieht gar nicht danach aus, als würden wir fliegen können.

Biggi, Waltraud, warmer Trekkerfuß und weißer Schal für Reisende

Biggi, Waltraud, warmer Trekkerfuß und weißer Schal für Reisende

Wir bekommen die weißen Schals, die man an Reisende übergibt, damit denen das Glück hold ist. Und wir geben Pasang, Chitis und dem Yaktreiber ihr Trinkgeld. Der DAV Summit Club hat uns ein Papier mit Richtlinien für das angemessene Trinkgeld gegeben, das allerdings von 2003 ist. Die Inflation hat inzwischen das Geld entwertet, aber wir wissen nicht um wie viel. Wir geben also deutlich mehr als dort angegeben – und erfahren später von Tej, dass der Betrag das untere Ende des akzeptablen war. Wir ärgern uns sehr über die schlechte Information des Veranstalters, denn wir wollten Pasang eigentlich etwas Gutes tun.

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Monjo, 14. Oktober 2010

Ich wachte auf und hatte vom Frauenfußball geträumt. Irgendwie hatten wir Zugang zu einem VIP-Bereich in einem riesigen Stadion, und konnten die Stars sehen (Lira Bajmarai zum Beispiel), aber wie das in Träumen so zu sein pflegt verlief ich mich hoffnungslos zwischen Tribünen, Gängen und Treppen.

Blick zurück mit Gebetsfahnen

Blick zurück mit Gebetsfahnen

Schon bald nach dem Frühstück brechen wir auf Richtung Namche Bazaar, und diesmal haben wir den Panoramaweg mitsamt Panorama. Wir werfen lauter letzte Blicke auf den Everest und seine „kleinen“ Geschwister, machen viele Fotos.

Gompa mit Ama Dablam

Gompa mit Ama Dablam

Mount Everest

Mount Everest

Hier wird langsam erkennbar, dass der Everest höher ist als der Nuptse

Hier wird langsam erkennbar, dass der Everest höher ist als der Nuptse

Was Frau Dr. und ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht wissen, ist dass die Hälfte unserer Fotos kaputt sein wird, wenn wir wieder zu Hause sind. Im Display der Kamera werden sie korrekt angezeigt, aber das was man da sieht ist nicht das eigentliche Foto. Das liegt nämlich in einer Extra-Datei. Und wegen einer nagelneuen, gleichwohl kaputten Speicherkarte in der ebenfalls nagelneuen Kamera sind diese eigentlichen Dateien moderne Kunst, wie zerschnitten und falsch zusammengesetzt, teilweise fehlen Farben. Super ärgerlich!

Frau Dr. ist guter Dinge, weil sie noch nichts von den kaputten Fotos weiß

Frau Dr. ist guter Dinge, weil sie noch nichts von den kaputten Fotos weiß

Unsere Truppe bleibt unterwegs an jedem Verkaufsstand stehen. Jetzt, auf dem Rückweg, sitzen die Rupien locker. Hier eine Kette, dort ein Ring, hier eine Klangschale und was-weiß-ich. Mich interessieren die Waren nicht besonders. Der Schmuck ist nicht mein Geschmack, Staubfänger und Stehrümchen sind überhaupt nicht meine Sache, und gestrickte Mützen sehen bei mir bescheuert aus.

Typisch nepalesische Stromversorgung, wartungsfreundlich

Typisch nepalesische Stromversorgung, wartungsfreundlich

In Namche Bazaar haben wir nach dem Mittagessen wieder reichlich Zeit für Shopping. Mehr, als es meinem Bedarf entspricht, aber ich schaue mir unterdessen den Ort an.

Namche Bazaar

Namche Bazaar

Immerhin erstehe ich immerhin einen Aufnäher für meinen Rucksack, aber der wartet noch immer darauf dass sich jemand bereit findet, ihn aufzunähen. Ich fürchte, das kann noch dauern…

Dann geht es steil den Hang hinunter zur Hillary Bridge. Wir sind jetzt wieder auf dem Haupt-Trekkingpfad unterwegs, und uns kommen buchstäblich die Massen entgegen. Weil fünf Tage lang in Lukla nichts geflogen ist, tauchen sie jetzt alle noch geballter auf. Endlose Gruppen von Trekkern, Frischlinge, noch sauber und fleckfrei, man sieht inzwischen mit einer gewissen Arroganz auf sie herab. Und zwischen den Touristen natürlich proportional entsprechend viele Träger und Zopioks mit deren Gepäck bzw. mit den Dingen des Alltags, die diese brauchen oder zu brauchen meinen.

Der Abstieg geht auch ganz schön in die Beine, und ich frage mich, wie wir auf dem Hinweg hier herauf gekommen sind. War das wirklich auch auf dem Hinweg eine sooo lange Strecke? Auch nach der Hillary Bridge zog sich der Weg, die üblichen Auf- und Abstiege, aber schließlich kommen wir wieder zum Eingangstor in den Sagarmatha National Park. Seufz.

Beim Abendessen in Monjo löchern wir Pasang zum Thema Mount Everest, und wir erfahren die Dinge, die in den Büchern von den Besteigern nicht stehen. Pasang wird im nächsten Frühjahr noch einmal hinauf steigen. Er ist dann jeweils für zwei Gäste zuständig, bereitet die Routen vor, kontrolliert den Sitz der Ausrüstung und ist immer zur Stelle, wenn man ihn braucht. Hin und wieder muss er seinen Schützlingen die Eiszapfen von der Sauerstoffmaske entfernen, eine sehr schmerzhafte Aufgabe, denn es bedeutet, dass er kurz seine Handschuhe ausziehen muss. Die Everest-Bergsteiger haben jeden Zentimeter Haut bedeckt. Unter der Sauerstoffmaske haben sie Stoff, sonst würde die festfrieren. Über der Maske sitzt die Brille. Der Rest ist Mütze.

Die Anzüge der Bergsteiger haben einen Reißverschluss unten rum. Aber wenn man kurz vor dem Gipfel ein dringendes Bedürfnis hat, gleich welcher Art, dann geht das in der Regel einfach in die Hose. Später wird der Reißverschluss mal kurz aufgemacht, und das zu Eis gefrorene … fällt raus. Man braucht auch nicht zu meinen, dass die Everest-Helden ihr Zelt verlassen, um ein Geschäft zu verrichten. Viel zu kalt. Entsprechend übel riecht es in den Zelten. Es kommt aber auch vor, dass die Damen sich unterwegs hinhocken wollen, und Pasang muss sie dabei mit einem Seil sichern. Dabei wendet er diskret den Blick.

Pasang hat bei seinen acht Everest-Touren bisher nur einen Todesfall direkt miterlebt. Eine Lawine. Diese tödliche Gefahr lauert immer. Ihr sicher aus dem Weg zu gehen hieße, auf den Aufstieg zum Everest zu verzichten.

Eine andere große Gefahr sind die Stürme. Wenn man im Zelt liegt und der Sturm das Zelt hin und her schüttelt, dann merkt man unter Umständen nicht rechtzeitig, dass es sich losgerissen hat und man den Berg hinunter rollt. Die Verankerung der Zelte ist überlebenswichtig.

Vom letzten Lager bricht man abends um 9 Uhr auf und erreicht den Gipfel dann ca. 11 Uhr am nächsten Tag. Dazwischen liegen 2.000 Höhenmeter, die in einem Rutsch bewältigt werden. Ein Schritt ein Meter, 2.000 Schritte. Auf dem Gipfel freut man sich nur kurz, macht das Foto, und schon muss man wieder hinunter. Das geht schneller, ist aber auch sehr gefährlich. Viele der etwa 200 Toten des Everest sind beim Abstieg umgekommen.

Für die Sherpa ist der Everest ein Job. Einer, der die Familie ernährt. Zum eigentlichen Lohn kommt erstens das Trinkgeld der Gäste, zweitens das Geld für die Ausrüstung. Steigt man nur einmal auf, dann langt der Pauschalbetrag nicht, allein die Schuhe mit Gamaschen kosten 600 €. Aber man kann die Ausrüstung mehrmals nutzen, und dann rechnet es sich. Das bedeutet aber auch, alljährlich die Mördertour zu machen und sein Leben zu riskieren. Der Onkel von Pasang, Apa Sherpa, geht sogar zwei mal im Jahr hinauf.

Bevor die Sherpa sich auf den Weg zu ihrem gefährlichen Beruf machen, fliegen sie nach Kathmandu und erledigen dort die Formalitäten. Das bedeutet, sie bekommen eine Versicherung und müssen festlegen, wer die im Todesfall ausbezahlt bekommt. Sie hinterlassen Handabdrücke, damit man sie im Fall des Falles sicher identifizieren kann. Es gibt keinen, der bei dieser Zeremonie nicht zu heulen anfängt.

Was isst man auf so einer Tour? Klassischerweise waren es Fertigkonserven. Es ist aber gar nicht so einfach, auf der Höhe auch nur Wasser zum Kochen zu bringen. Inzwischen nimmt man Tabletten mit Nährstoffkonzentrat. Das ist auch in der Entsorgung des Gegessenen (siehe oben) unproblematischer. Tej ergänzt aus eigener Erfahrung als Koch für Expeditionen: Wenn die Teilnehmer vom Gipfel kommen, sind sie ausgehungert und stürzen sich wie die Wölfe auf das im Basislager zubereitete Essen.

 

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Tashinga, 12. Oktober 2010

Nur noch eine Imbun in der Nacht nötig, und ab heute geht es bergab. Adieu Kopfschmerzen, ich werde euch nicht vermissen. Wir brechen um 8 Uhr auf und es herrscht der schönste Sonnenschein. Heute werden wir dann also die Aussicht genießen, die wir beim Aufstieg nach  Pangboche wegen schlechten Wetters nicht hatten. Die Stimmung ist entsprechend gut.

Endlich gute Sicht

Endlich gute Sicht

Wir gehen wie gestern wieder den steilen Pfad zum Dhut Kosi hinunter, aber anstatt dann dem Pfad bergauf zu folgen marschieren wir durch das Flussbett. Große, rund gewaschene Steine wie übergroße Kiesel. Hätte man ein Hämmerchen dabei, könnte man sie aufklopfen und nachsehen, ob im Inneren Kristalle von Halbedelsteinen wachsen. Die sind hier nämlich zu finden.

Roland ist von den Kieseln auch so begeistert. Er sieht sie als Gartenschmuck. Was man bei uns im Baumarkt dafür bezahlt, sagt er, und rechnet schon aus wass sich mit dem Import des Gesteins verdienen ließe (freilich nur für den Fall, die Transportkosten wären Null, was sie ja bekanntlich nicht sind). Roland sammelt fleißig Steine. Bekloppt, denke ich. In knapp 4.000 m Höhe auch noch Steine zu tragen, freiwillig! Aber jedem Tierchen sein Pläsierchen. Auch Gaby sammelt Steine ein.

An einem Seitenarm warten zwei Sherpa aus Pengboche mit einer Leiter. Hier gibt es keine Brücke, also wird die Leiter in den Bach gelegt, die Helfer stützen uns, wir wackeln mit einiger Mühe und wenig Eleganz auf die andere Seite.

Eine Leiter als Brücke

Eine Leiter als Brücke

Der schwierigste Part sind die glitschigen nassen Steine am Ende der Leiter. Aber auch diese Hürde wird genommen. Dann balancieren die beiden Helfer in ihren Badelatschen behende über die „Brücke“ zurück, winken, packen ihre Leiter und gehen zurück nach Pangboche.

Biggi und Waltraud vor Nuptse, Everest, Lhotse

Biggi und Waltraud vor Nuptse, Everest, Lhotse

Wir folgen einem Pfad leicht oberhalb des Flusses, unserem auf dem Hinweg genommenen Weg genau gegenüber. Hier sind außer uns keine Trekker unterwegs, auch keine Träger und keine Yaktreiber, wir können die Natur ungestört genießen. Es zahlt sich eben aus, einen Führer zu haben. Der Weg den wir nehmen ist in unserer Wanderkarte nicht verzeichnet. Ohne Tej hätten wir den nicht gefunden.

Nebelmoos verzaubert den Rhododendronwald

Nebelmoos verzaubert den Rhododendronwald

Es ist ein leichter Weg, sanft abschüssig, das Wetter ist weiterhin strahlend schön. Richtiges Genusswandern haben wir heute, und wir können uns gar nicht sattsehen. Wir gehen durch Rhododendronwälder, die Bäume behangen mit Nebelmoos und zwischen großen, Moosbewachsenen Steinen wachsend. Ein richtiger Zauberwald, jeden Moment müsste ein Zwerg um die Ecke kommen, eine Fee oder ein Einhorn.

Das sind keine Einhörner, das sind Gaby und ich

Das sind keine Einhörner, das sind Gaby und ich

Viel Nuptse, wenig Everest

Viel Nuptse, wenig Everest

Endlich einmal klare Sicht auf den Zipfel Everest zwischen Nuptse und Lhotse! Wir hoffen sehr dass die gute Sicht bis Tengboche anhält, denn von dort sieht man noch etwas mehr vom höchsten Berg der Erde (abgesehen vom Schuldenberg).

Dolce vita auf der Yak-Alm

Dolce vita auf der Yak-Alm

Auf einer kleinen Yak-Alm machen wir Rast, fläzen uns in der Sonne und machen Fotos.

Stofftiere bei der Rast

Stofftiere bei der Rast

Biggi und Waltraud essen ungesunde Schokoriegel. Das machen ja viele Trekker.

Der Ama Dablam

Der Ama Dablam

Wir gehen weiter, schließlich wartet in Tengboche Andrea auf uns, die uns entgegen kommt um endlich auch das berühmte Kloster zu sehen. Vom gegenüberliegenden Berg aus gesehen sieht Tengboche so aus:

Tengboche

Tengboche

Wir betreten Tengboche quasi über den „Hintereingang“. Auf einer Wiese toben junge Mönche oder Klosterschüler ausgelassen herum, einige machen Kunststückchen, waschen sich oder ihre Kleidung. Im Sonnenschein sieht das Kloster schon ganz anders aus.

Kloster Tengboche

Kloster Tengboche

Wir treffen Andrea in derselben Lodge, in der wir auch auf dem Hinweg gegessen haben. Dort gibt es noch einmal das gleiche Essen, was nichts macht, es war ja lecker. Andrea erzählt, dass Natascha ihr in den letzten drei Tagen den letzten Nerv geraubt hat. Sie hat Andrea offenbar eine lange und trübselige Lebensgeschichte erzählt, ungefragt, aber dafür umso ausführlicher. Andrea war zu sehr von ihrem Mitgefühl gehemmt, um sich wehren zu können, also verzog sie sich in ihr Zimmer und versuchte Natascha auszuweichen so gut wie möglich.

Tengboche

Tengboche

Natascha gelang es aber dennoch, Andrea oft genug zu erwischen und ihre distanzlosen Übergriffe fanden ein wehrloses Opfer. „Was für ein tolles Leben du hast, ich hätte gern dein Leben,“ sagte Natascha zum Beispiel. Allein für einen solchen Satz hätte sie sich von mir eine gefangen. Zumindest eine verbale Backpfeife.

Wir steigen steil hinab bis zum Fluß, und müssen dann noch einmal 25o Höhenmeter hinauf nach Tashinga. Aber das Höhentraining macht sich bemerkbar! Kein Hecheln mehr. Auf unter 3.500 m ist alles easy. Ich bin doch nicht vorzeitig gealtert. Wie tröstlich!

Da wir jetzt also vom gefühlten Alter 80 zurück zum gefühlten Normalalter sind (nein, ich werde hierzu keine Zahlen nennen, man sagt doch immer das Internet vergisst nichts!), wagen wir uns abends auch wieder an ein gutes Everest-Bier aus der Dose und einen warmen Trekkerfuß. Es schmeckt wieder.

Tej trifft einen Mann, der bereits zum fünften Mal hier im Khumbu ist. Wir sind gewarnt.

Ein Blick zurück. Da ist unser Pfad. Und darüber thront der „Pferdesattel“.

Ich und der Pferdesattel

Ich und der Pferdesattel

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