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Archive for September 2010

Etwa drei Wochen hat es gedauert, bis ich eine Antwort auf meinen Brief an den RBB und die Sportschau erhalten habe. Wenn man die Antwort eine Antwort nennen möchte. Man schrub:

„vielen Dank für Ihre kritischen Zeilen. Wir entschuldigen uns für die verspätete Rückmeldung. Das Anfrageaufkommen war so hoch, dass eine zeitnahe Bearbeitung leider nicht möglich war.

Ihre Kritik zur mangelnden Berichterstattung über den Frauenfußball haben wir an die „Sportplatz“ Redaktion weitergeleitet. Wir können Ihnen garantieren, dass Ihre Kritik dort ernst genommen wird. Alle rbb-Redaktionen sind stets für Anregungen und Kritik dankbar und bemüht ihre Programme zur Zufriedenheit der Zuschauerinnen und Zuschauer zu gestalten.

Wir hoffen, dass Sie unsere Sendungen auch weiterhin engagiert begleiten.

Weiter engagiert begleiten… hmm… okay. Aber sagt dann nicht hinterher, ihr hättet es nicht so gewollt!


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Die Muskelkaterkrabbe

Verschiedentlich bekam ich bereits Beschwerden von Leserinnen und Lesern, dass mein Blog etwas zu Fußballlastig werde. Ich nehme Anregungen immer gerne an und widme mich heute dem Thema Biologie. Der Anlass ist erfreulich, denn ich habe heute eine neue Art entdeckt, die Muskelkaterkrabbe.

Die Muskelkatergrabbe gehört zur Ordnung der Geziefer. Geziefer haben sich irgendwann in der langen Geschichte der Evolution von den Ungeziefern abgespalten und leben in enger Symbiose mit manchen Menschen. Es sind hoch spezialisierte Nischenbewohner, oft ernähren Sie sich ausschließlich von einer einzigen Person, und von dieser wiederum nur auf ganz spezialisierten Körperarealen. Es gibt zum Beispiel Rückenbeißer, die sind sehr angenehm massierend für das Wirtstier, ich meine den Wirtsmenschen. Es gibt aber auch sehr lästigen Befall.

Geziefer sind für das bloße Auge unsichtbar, aber man kann sie sehr wohl fühlen.  Man hat das Gefühl, ständig betatscht einen jemand. Auf Nachfrage, „Schatz warst Du das?“, stellt sich dann heraus, es war mal wieder das Geziefer.

Seit einigen Wochen nun wird bei uns gejoggt. Wir wollen ja nach Nepal und dort trekken, da braucht’s etwas Kondition. Und weil wir uns wirklich über die Maßen schinden, ist offenbar eine neue Nische für ein weiteres, neuartiges Geziefer entstanden: die Muskelkaterkrabbe.

Die Muskelkaterkrabbe in 10.000facher Vergrößerung

Die Muskelkaterkrabbe in 10.000facher Vergrößerung

Sie beißt besonders gerne in schmerzende Oberschenkel. Ein gequältes Stöhnen scheint ihren Appetit noch enorm anzuregen. Wirklich extrem belastend.

Wir haben schon überlegt, den Kammerjäger zu rufen. Aber wahrscheinlich ist die Muskelkaterkrabbe streng geschützt weil extrem selten. Das würde mich jedenfalls nicht wundern. Die Tierschützer sind ja überall auf dem Vormarsch, und um uns Krabbengeplagten Jogger kümmert sich natürlich mal wieder kein Schwein.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicher wissen, ist Deutschland in diesem Jahr Fußball-Weltmeister geworden. Wie bitte? Sie sagen, das stimmt nicht? Nun es stimmt nicht ganz: Deutschland ist U-20 Fußball-Weltmeister geworden. Das haben die Frauen erledigen müssen, die auch amtierende Weltmeisterinnen der A-Nationalmannschaften sind (und sie haben es gerne getan, wie es scheint). Bei den Männern hat es nicht ganz so weit gereicht dieses mal.

Ein Brandenburger Team (mit zwei klasse Berliner Zwillingen im Team übrigens) ist seit zwei Saisons Deutscher Meister und obendrein in diesem Jahr Champions League Sieger, aktuell steht der 1. FFC Turbine Potsdam nach vier Spieltagen an der Tabellenspitze. Da ist ein Team, das athletischen, technisch versierten, leidenschaftlichen und erfolgreichen Fußball auf dem Platz zeigt. Schöner anzusehen als manches, was die Männer auf dem Rasen zeigen. Und da gibt es die Duisburgerinnen mit Inka Grings, seit 2008 ununterbrochen Torschützenkönigin. Das Team des 1. FFC Frankfurt kennen sogar Sportjournalisten, die sich noch nie um Frauenfußball gekümmert haben. Aber wussten Sie, dass Wolfsburg in dieser Saison stark gestartet ist und berechtigte Hoffnung hat, an der Spitze mitspielen zu dürfen? Und dass von daher die Bundesliga-Begegnung Potsdam-Wolfsburg am nächsten Sonntag höchst spannend wird?

Ich fürchte nur, das wird die Sportredaktion anders beurteilen und die Prioritäten beim Fußball wie folgt verteilen: Zuerst die Spiele der ersten Bundesliga. Dann ausgewalzte Interviews mit Spielern und Trainern derselben, die zum Bullshit-Bingo Spiel einladen, weil immer dieselben Floskeln abgesondert werden. Dann kommen irgendwelche historischen Rückblicke, wenn es nicht gerade interessanten Klatsch und Machtkämpfe aus den Vereinen breit zu treten gibt. Danach folgt die 2. Bundesliga. Und ganz am Ende der Liste, aber nur wenn die Zeit reicht, gibt es vielleicht 1:30 zur Frauen-Bundesliga, zur Champions League der Frauen, zur U-17 WM (aber erst ab den K.O.-Runden versteht sich), oder zu Spielen der A-Nationalmannschaft der Frauen.

Sie sagen: Frauenfußball interessiert die Leute nicht? Ich bin „Leute“, mich interessiert es! Ich zahle auch Gebühren.

Und da ist dann noch der Informationsauftrag der öffentlich-Rechtlichen Fernsehsender, erinnern Sie sich? Das ist das, was Sie bei Sonntagsreden (meist überwiegend zu Recht) zu Ihren Gunsten ins Feld führen. Hier nun ist ein Beispiel dafür, dass das auch eine Verpflichtung bedeutet. Eine Verpflichtung, einen Sport zu fördern, der nicht von selbst in ausreichendem Maße in Ihre Programme kommt. Und der es mehr als verdient hat.

Aber vielleicht ist es ganz und gar ungeschickt von mir, auf dem Informationsauftrag herumzureiten. Wer macht schon etwas gerne, zu dem er sich verpflichtet weiß? Ich sollte Ihnen viel mehr aufzeigen, dass Sie dem Männerfußball, der durch seine viel zu starke Kommerzialisierung in die Krise geraten zu sein scheint, hin und wieder eine Pause der Erholung gönnen könnten. Das spart immense Kosten bei den Übertragungsrechten. Und für einen Bruchteil dieser Summe hätten Sie attraktiven Sport im Programm, der von Akteuren betrieben wird, für die die Leidenschaft für ihren Sport noch Motivation genug ist.

Denn: Täuscht der Eindruck, oder sind die Frauen wirklich ehrgeiziger, haben eine höhere Moral, geben sich weniger mit einem Zwischenstand im Spiel zufrieden? Ich meine, das ist so. Ein Bruchteil des Geldes, ein Bruchteil der Medienaufmerksamkeit, und doch mehr Einsatz. Oftmals neben einem Brotberuf, denn die Bundesliga ernährt ihre Spielerinnen in der Regel nicht.

Nächstes Jahr haben wir die WM im eigenen Land. Das ist eine Chance, die Preise der Männer-Vereine zu drücken, wie sie so schnell nicht wieder kommt. Setzen Sie die eitlen Herren mit dem vielen Geld ein wenig auf Sendezeit-Diät, und lassen Sie die Frauen den Männern und dem Fernsehpublikum zeigen, wie dieser Sport aussehen kann! Und fangen Sie am besten schon nächste Woche damit an, beim Bundesliga-Spiel Wolfsburg gegen Potsdam.

Wir sehen uns, herzliche Grüße,

M. S.

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Der Job eines Stadionsprechers ist anspruchsvoll. Ständig hat man etwas anzusagen, es fallen Tore, es werden Spieler ausgewechselt, das kann ein richtiger Stress werden. Vor allem: Welche Spielminute war das jetzt noch mal? Wer ging rein und wer ging raus? Rückennummer, Name? Und wer verdammt noch mal hat denn jetzt schon wieder das Tor geschossen.

Gestern war der Deutsche Meister und Champions-League-Gewinner Turbine Potsdam zu Gast beim Regionalligisten Lichterfelder FC, ein Spiel der 2. Hauptrunde des DFB-Pokals. Der Lichterfelder FC ist, das muss man sagen, ein sehr sympathischer Verein, schon beim Warten auf den Bus zum Stadion kam man mit Vereinsmitgliedern ins Gespräch, und schnell wurde klar dass hier Freizeitsport mit Herz und Seele, und vor allem viel ehrenamtlichem Engagement auf die Beine gestellt wird. Allerdings chancenlos gegen ein professionelles Team wie Turbine. So sagte denn die Würstchenverkäuferin: „Bitte nicht zweistellig, tut das den Mädels nicht an!“ Die Mädels selbst verhinderten dies denn auch, indem sie sich konsequent hinten reinstellten.

Das Stadion Lichterfelde ist vermutlich denkmalgeschützt, ich vermute es ist ein Bau aus den 20er Jahren. Verwinkelt, die Spieler müssen praktisch über die Tribüne klettern um in ihre Kabinen zu kommen. Und der Stadionsprecher steht auf einer kleinen gemauerten Empore mitten zwischen den Tribünenplätzen.

Der Stadionsprecher! Lieber Lichterfelder FC, bitte verzeiht mir die Lästerei, die jetzt kommen wird. Denn der Stadionsprecher ist Eure größte Attraktion. Ich hatte selten so viel Spaß bei einem doch eher wenig aufregenden Spiel. Hier ist mein Held in Aktion:

Der Stadionsprecher im Stadion Lichterfelde

Der Stadionsprecher im Stadion Lichterfelde

Ja, er guckt ratlos, wer da schon wieder ein Tor geschossen hat. Ab dem 2:0 haben die Turbinefans ausgeholfen und ihm die Namen und die Rückennummern zugerufen, nachdem man sich geeinigt hatte, wer es denn nun war. „Yuki Nagasato, 17“ hieß es dann, oder „Anja Mittag, 31“. Hin und wieder rief ihm jemand zu: „Hallo, hallo, Turbine hat ausgewechselt, die 7 Isabell Kerschowski ist raus, die 5 Daniela Löwenberg ist drin.“ Dann konsultierte er umständlich seine Papiere und gab das dann, mangels eigener besserer Erkenntnis auf die Turbinefans vertrauend, mit vielen Pausen, über sein Mikrofon im Stadion bekannt. Nur bei den Auswechselungen der Lichterfelderinnen konnten wir leider nicht helfen, da waren wir nicht firm. Tore haben die keine geschossen, nur welche verhindert.

Ich frage mich jetzt, ob die Papiere des Stadionsprechers jetzt das offizielle Protokoll der Partie sind? Haben wir vielleicht einer Torschützin ihr Tor aberkannt und einer Anderen zugesprochen? Wird durch unser Eingreifen die DFB-Statistik für alle Zeit beeinflusst sein? Oder hält das die Schiri nach? Ich hoffe so oder so, dass wir jeweils richtig lagen mit unseren Zurufen.

Spaß hatten wir in jedem Fall.

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