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Archive for Oktober 2009

Fondant au Chocolat nennen es die Franzosen. Es ist eine fürchterlich leckere Magenmine, und schneller zubereitet als man denkt. Ich empfehle, als Vorbereitung schon mal sechs Förmchen auszubuttern und zusätzlich ein passend kreisförmig ausgeschnittenes und ebenfalls gebuttertes Stück Backpapier auf den Boden der Förmchen zu legen (geeignet sind z.B.  Keramik-Förmchen, 5 cm hoch und 10 cm im Durchmesser). Den Rest macht man, wenn die Gäste das Hauptgericht verspeist haben und während sie sich davon erholen.

Den Backofen auf 200° C vorheizen, 250 g dunkle Schokolade (ich empfehle Tobago von Fassbender  Rausch) zusammen mit 175 g Butter über dem Wasserbad schmelzen. (Anders als der Name suggeriert bedeutet Wasserbad, dass die Schüssel über dem Dampf das Wasser nicht berührt). Sobald alles geschmolzen ist, nimmt man die Schüssel vom Dampf herunter und lässt die Schmelze wieder etwas abkühlen. Währenddessen trennt man 5 Eier, schlägt erst das Eiweiß zu steifem Schnee und rührt dann die Eigelbe mit 125 g Puderzucker schaumig (der Vorteil dieser Reihenfolge ist, man kann dieselben Rührquirle benutzen ohne zwischendurch abzuwaschen). Die Eigelbe zur Schokobutter geben und unterheben, dann 75 g Mehl darüberstäuben und weiterrühren, zum Schluss die Eiweiße unterheben. Die Creme sollte jetzt glatt aussehen wie Nutella, auch wenn sie zwischendurch mal den Eindruck machte, als würde alles missraten. Die Creme sofort in die Förmchen füllen und ab in den Ofen. Nach 7 Minuten testen, ob sich oben eine feste Kruste gebildet hat, und wenn ja, sofort die Förmchen aus dem Ofen holen, Stürzen und auf Tellern anrichten.

Dazu passen frische Früchte oder ein Fruchtsaucenspiegel. Übrig gebliebene Törtchen kann man auch am nächsten Tag noch essen, sie schmecken dann wie Brownie.

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Wer eine neue Spezies entdeckt, darf dem Tierchen mit einem Namen den eigenen Stempel aufdrücken. Ebenso verhält es sich mit Krankheiten, geografischen Begebenheiten, Sternen und mathematischen Formeln. Für weniger Begabte bleibt die Kocherei als einzige Chance, sich für die Ewigkeit einzuschreiben. Ich habe deshalb „Pasta Doooriana“ erfunden.

Als kleiner Nebeneffekt ist das Gericht höchst schmackhaft geraten, leicht nachzukochen ist es auch. Der Nachteil: Die Zutaten sind weder preiswert noch leicht zu beschaffen. Ich habe sie alle vom Frischeparadies Lindenberg erworben. Sowieso ein heißer Einkaufstipp für alle Gernekocher, aber Vorsicht, hunrig dort einzukaufen wird teuer!

Zutaten für vier Personen:

8 kleine Artischocken
350 g Topinambur
350 g Salsicce
2 Schalotten
1 unbehandelte Zitrone
ein halbes Glas Weißwein
2 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer, Chili nach Geschmack
500g Riesen-Rigatoni (bei mir heißen sie Abwasserrohre)
frisch geriebener Parmesan

Von der Zitrone die Schale dünn abraspeln oder sie mit einem sehr feinen Sparschäler schälen und feinhacken. Von dem Zitronenraspel brauchen wir nur etwa ein Drittel, der Rest sollte in ein kleines Schraubglas gefüllt und eingefroren werden, er ist viel zu schade zum wegwerfen. Der Saft der Zitrone wird ausgepresst und in eine Schüssel mit etwa einem halben Liter Wasser gegeben. Dann werden die Artischocken erst gewaschen und dann geputzt. Die äußeren Blätter alle abrupfen, bis man von den noch stehenden Blättern den hellgelben oder leicht violetten Teil sieht. Der wird beim Kochen weich und ist essbar, alles was (dunkel)grün ist bleibt hart und holzig und muss weg. Den Stil schälen und vorne die Blätter kappen. Das Ergebnis sieht dann so aus wie die Artischockenherzen aus der Dose, die man kennt. Die Herzen vierteln und sofort in das Zitronenwasser geben, zusehen dass sie rundum benetzt sind, sonst werden sie braun.

Topinambur schälen und in Scheiben schneiden. Schalotten würfeln. Die Salsicce aus der Pelle drücken und zu kleinen Klößen formen.

Jetzt das Nudelwasser aufsetzen. Die Schalotten in etwas Olivenöl glasig anbraten, dann die Salsicce-Klöße dazu geben und leicht bräunen. Die Topinambur und die Artischocken (ohne das Wasser!)  dazu geben und mit dem Wein ablöschen. Zugedeckt dünsten lassen und immer wieder umrühren. In der Zwischenzeit kocht das Nudelwasser, hinein mit der Pasta. Kurz bevor die Pasta gar ist den Knoblauch in die Artischocken-Sauce drücken, mit Salz und Pfeffer, bei Bedarf auch gerne mit Chili abschmecken. Die bissfeste Pasta abgießen, alles vermischen und mit Parmesan bestreut servieren.

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Wie unsere Leser wissen, waren wir – das schwarze Schaf Waltraud und der winzige Tiger Biggi – letztes Jahr zusammen in Paris. Die beiden uns begleitenden Menschen waren etwas lästig (aber leider nötig, da unsere Verkehrsmittel heute immer noch nicht Stofftiergerecht ausgebaut sind), dennoch war die Reise war ein Erfolg und wir beschlossen, dieses Jahr wieder so einen kleinen Städtetrip zu machen. Prag also. Während ich dies schreibe, läuft übrigens „Die Moldau“ aus dem Zyklus „Mein Vaterland“ von Bedrich Smetana. Über das r von Bedrich gehört so ein Kringel, ich weiß. Ich hab den aber grad nicht griffbereit. Der Kringel macht ohnehin nur Ärger, führt er doch dazu, dass einem die Unmöglichkeit abverlangt wird, das r gleichzeitig zu rollen und auch noch ein sch drauf zu setzen. Die spinnen, die Tschechen.

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Die oben zum Besten gegebenen Klugheiten entnahmen wir übrigens dem Reiseführer, den wir im Zug auswendig lernten. Der Bahnhof Praha Holosevice (wieder einige Kringel und Häkchen dazudenken) ist ein sozialistisches Werk das wirkt wie in einem Stück aus Beton gegossen. Unsere Menschen brauchten eine Weile, um Fahrscheine für den Nahverkehr zu erwerben und die richtige Straßenbahnhaltestelle zu finden, die uns zum Hotel brachte.

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Die Menschen luden dort unser Gepäck ab und wir ließen sie nicht lange rumtrödeln, denn das Wetter war schön und das erste Bier wartete. Bier ist eine tschechische Erfindung. Vorbildlich gekühlt und nie schal, da können sich die Berliner ein Scheibchen von abschneiden!

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Jetzt hatten wir Kraft für den ersten Teil des touristischen Pflichtprogramms. Die astronomische Uhr am Altstädter Ring…

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Die Karlsbrücke, eigentlich eher ein Flohmarkt als eine Brücke, zudem derzeit gerade in der Sanierung begriffen…

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Die blöden Gerüste versperrten auf der einen Seite den Blick auf die Moldau. Ich hab schon wieder Smetana im Ohr. Eigentlich müsste hier vorne im Vordergrund jemand mit einer Harfe sitzen und das Glitzern der Sonne auf den kleinen Wellen spielen.

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Frische Luft macht Hunger. Wir hatten uns aus dem Guide Michelin das „LeTerroir“ ausgesucht, nicht gerade Imbissbuden-Preise, aber gezahlt haben eh‘ die Menschen. Und sie mussten bluten, oh ja! Das Essen war ganz hervorragend, der Wein köstlich. Selig und ganz überwältigt von den Eindrücken sanken wir ins Bett. Obwohl wir uns von den Menschen tragen ließen, waren wir ziemlich alle.

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Wir ließen am nächsten Tag das Frühstück im Hotel unberührt, und machten uns stattdessen auf ins Café Savoy auf der Kleinseite, also dem Ufer auf dem auch die Prager Burg steht. Gleich hinter der Legionärsbrücke links liegt es, im Reiseführer gepriesen für seine heiße Schokolade (von Valrhona) und seine Obstknödel.

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Beides ist allein die Reise nach Prag wert, und auch die Magenbeschwerden hinterher, die die unvermeidliche Folge sein werden. Allerdings darf niemand es versäumen, im Café Savoy die Toilette aufzusuchen, denn auf dem Weg dorthin erblickt man die Show-Patisserie des Etablissements. Ich hätte den Rest des Tages hier verbringen können, und zuschauen. Aber Biggi wollte weiter.

Wir haben uns dann mal dieses Denkmal für die Opfer des Kommunismus angeschaut. Nicht schlecht, aber ich finde da wird ein bissel viel Wind drum gemacht. Wo ist das Denkmal gegen die Stofftierdiskriminierung?

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Von der Prager Burg aus hat man einen tollen Blick über die Stadt.

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Franz Kafka hat da mal gewohnt, in der Goldenen Gasse, die wahrscheinlich so heißt weil die Touristen da für viel Geld so viel Nepp kaufen. Kann aber der arme Kafka nix für.

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Die Burg ist auch Sitz des Präsidenten – oder jedenfalls empfängt er dort Staatsgäste und macht einen auf wichtig. Ich wollte eigentlich dem Vaclav Klaus einen Stift bringen, damit er endlich den Lissabon-Vertrag unterschreiben kann, aber der Feigling hat sich verleugnen lassen. Sei’s drum.

Die Straßen um die Burg rum sind schöner als die Burg selbst, die mit ihren vielen Höfen, Museen und Kirchen eine Stadt in der Stadt ist – und zwar eine völlig überlaufene. Das unten abgebildete Gässchen gehört zum Viertel „Neue Welt“ – mir erschließt sich allerdings nicht, was daran neu sein soll. Außer dem Anstrich natürlich.

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Schöne Ornamente an den Fassaden zwar, aber mal wieder fehlt ein Motiv: Schwarze Schafe. Auch hier wird die Unterdrückung durch Negierung fortgesetzt.

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So viel Lauferei und Guckerei, das geht nicht ohne Stärkung. Lecker und schick das Jugendstil-Kaffeehaus im Repräsentationshaus (Kavarna Obecni Dum):

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Im ehemaligen jüdischen Ghetto Josefov…

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… gibt es auch ein Kafka-Denkmal.

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Und wie der Zufall so spielt, wir haben einen kleinen Kerl getroffen, der Franz Kafka heißt, Spitzname Franzky. Er ist Maulwurf, und er war auf der Suche nach einem Job. Wir haben ihn eingestellt als Assistenzgärtner, weil er so gut graben kann. Bis zum Frühjahr, wenn endlich der Balkon neu bepflanzt wird, behilft sich Franzky mit Wäschehaufen, durch die er sich juchzend vor Vergnügen durchwühlt. Hier sieht man ihn im Hotel. Bei uns in Berlin hat er sich aber auch schon gut eingelebt.

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Die Zeit ging schnell rum. Am letzten Abend ließen wir uns von den Menschen in diesen alten Glockenturm tragen, in dem oben ein Restaurant ist. Nicht schlecht, aber grotesk überteuert – egal, es war ja nicht unser Geld.

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Werte Leserinnen und Leserinnen, es folgt der Werbeblock.  Haben Sie schon mal unsere Frauen-Nationalmannschaft im Fernsehen angefeuert? Dann könnte ein Besuch im Stadion das Richtige für Sie sein. Ich war gestern mit Frau Dr. bereits zum dritten Mal im Karl-Liebknecht-Stadium in Potsdam, nach zwei (siegreichen) Bundesligaspielen hatten wir das 8:0 Champions League 16tel-Finale Rückspiel vor uns ausgebreitet, sahen die Nationalspielerin Fatmire Bajmaraj wieselflink über den Platz toben (wenngleich sie in der ersten Halbzeit Leim am Schuh zu haben schien, weil ihr das Leder irgenwie nicht ins Tor gehen wollte, aber in der zweiten Halbzeit versenkte sie zweie), durften Anja Mittag drei mal treffen sehen und Jennifer Zietz ein mal, um nur mal die Prominenz zu nennen. Alles live und in Farbe, in ganz entspannter, familärer Athmosphäre. Das Vergnügen ist billiger als ein Kinobesuch, ein Bier gibt es für 2,50 €, die Bratwurst für 2.- €, also warum nicht öfter?

Fusball

Okay, einen Nachteil gibt es. Anlässlich des dritten Besuchs, quasi als Stammgast, sahen Frau Dr. und ich uns in der moralischen Pflicht, einen Schal zu erwerben. Die Anschaffung eines Trikots hat aber noch Zeit. Ich könnte mich eh‘ nicht entscheiden, ob ich lieber eins von Monique Kerschowski oder von Isabell Kerschowski haben wollte. Die beiden Zwillinge aus Marzahn haben es mir angetan, weil sie mit so furchterregender Köperkraft und so einem wild entschlossenen Gesicht auf die Tribüne zustürmen können, dass es Fluchtreflexe auslöst. Ich mag Mädchen, die Jungs verprügeln (können).

Was die Turbinen natürlich nicht taten. Sie zerlegten statt dessen ihre Gäste nach allen Regeln der Kunst, so dass die armen finnischen Mädchen in ihrem Unglück mir leid taten. Nach dem Spiel kletterte Torhüterin Desirée Schumann die Absperrung zur Tribüne hoch und begrüßte die zahlreich erschienene Familie mit Küsschen links und Küsschen rechts. Da konnte man ihr doch nicht böse sein, dass sie keinen einzigen der (wenigen) finnischen Torschüsse auch nur ausnahmsweise mal ein bisschen ins Tor gelassen hatte.

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