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Archive for September 2009

Nachdem ich im vergangenen Monat eine waschechte Frischluftvergiftung durchgemacht habe frage ich mich, warum in einer Zeit, da über nahezu jedes Gesundheitsthema ein Überfluss an Informationen vorhanden ist, ausgerechnet diese heikle Erkrankung so wenig Beachtung findet.

Mit einer Frischluftvergiftung ist nicht zu spaßen. Sie tritt vorzugsweise im Urlaub auf, manchmal auch an Wochenenden. Opfer sind zumeist Großstadtbewohner, die einen Ausflug ins Grüne wagen, aber ganz besonders gefährdet sind Camper. Die Symptome sind eine unnatürliche Müdigkeit in den Abendstunden, manchmal schon um 21 Uhr, sowie ein krankhaft frühes Erwachen am Morgen, teilweise um sechs Uhr früh, und das im Urlaub!

Frau Dr. navigiert uns durch Korsika

Frau Dr. navigiert uns durch Korsika

Vielleicht ist die Krankheit auch deshalb so unbekannt, weil die Opfer ihr Leiden schamhaft verschweigen. Schließlich ist es für den Großstadtmenschen nicht opportun, mit den Hühnern zu Bett zu gehen. Und mit dem „Land der Frühaufsteher“ möchte auch kein Mensch identifiziert werden, der etwas Würde zu behalten trachtet.

Als gesichert kann gelten, dass körperliche Bewegung an frischer Luft (solche mit einem unterdurchschnittlichen Gehalt an Abgasen und menschlichen Ausdünstungen) das Leiden fördert, wenn nicht gar der Auslöser ist. Als hochtoxisch erwies sich bei uns die Luft im Niolo, das ist ein Gebirgstal auf Korsika. Die geringe Bevölkerungsdichte ist verheerend. Unsere Wandertouren durch die phantastische Landschaft taten ihr übriges.

In der "Spelunken"-Schlucht, im Angesicht des Erschöpfungstodes

In der "Spelunken"-Schlucht, im Angesicht des Erschöpfungstodes

Die echte Frischluftvergiftung ist in ihrer Symptomatik übrigens nur schwer zu unterscheiden von der senilen Bettflucht. Das kann nur ein Arzt nach sorgfältiger Erhebung der Krankheitsgeschichte. Ein wichtiges Indiz ist die Tatsache, dass die Frischluftvergiftung nach kurzem Aufenthalt in der Stadt wieder abklingen sollte.

Schwieriger zu kurieren ist da schon eine andere Urlaubsfolgekrankheit, unter der ich bis heute leide: Die Korsika-Sucht. Leichtsinnige seien gewarnt: Schwere Entzugserscheinungen drohen allen, die so leichtsinnig sind, den Urlaub auf der ille belle zu verbringen. Man sieht es an den Autos der Urlauber: Wer den Aufkleber der „Corsica Ferrys 2009“ neben denen von 2008, 2007, 2006… u.s.w. auf der Heckscheibe kleben hat, ist ein typischer und wohl leider unheilbarer Fall.

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Hamster in der Wirtschaftskrise

Ich habe gezögert, diesen sehr hellsichtigen Artikel aus der brand eins hier zum Thema zu machen, denn ich muss die berechtigte Kritik meiner Leser fürchten. Ich bin ob des Artikels innerlich zerrissen. Einerseits möchte ich dem Autor Wolf Lotter recht geben, andererseits will und kann ich es nicht akzeptieren, dass Hamsterräder abgebaut und Hamster arbeitslos werden. Der Hamster gehört doch in sein Rad! Ich sehe auch die Alternative nicht, die Lotter andeutet – ein Lotterleben etwa?

Ja,  ich gebe es zu, auch wir haben den Arbeitsplatz eines Hamsters abgebaut, eine schmerzliche Entscheidung, die aus dringenden betrieblichen Gründen  erfolgte – Allergisches Asthma auf Seiten von Teilen des Managements – und die uns nicht leicht gefallen ist. Auch angesichts der Proteste, die sich dagegen erhoben. Wir hatten schon verschiedentlich Demonstrationen in unseren vier Wänden, aber diese traf vor allem Frau Dr. als Gewerkschaftsmitglied und Betriebsratsvorsitzende (disclaimer: sie vertritt eine andere Spezies als die Hamster, nämlich Menschen) sehr persönlich.

Aber zurück zu brand eins. Wir legen Wert auf die Feststellung, dass die bei uns angestellten Hamster, insbesondere Cecilia (aka Bernadette), keine Goldhamster waren sondern anständige, ordentlich das Hamsterrad betätigende Tiere. Wir haben den Käfig samt Hamsterrad an eine Investorin verkauft, der uns versicherte, er wolle den Arbeitsplatz mit einem neuen Hamster besetzen. Bei der Investorin handelte es sich allem Anschein nach um eine echte Unternehmerpersönlichkeit, und nicht um einen Heuschrecken-Fonds, der die einzelnen Teile des Käfigs gewinnbringend im Zoohandel veräußert hätte.

Ich denke, wir sind nach alledem unser ethischen Verpflichtung zum Erhalt von Vollzeit-Hamsterradarbeitsplätzen nachgekommen.

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