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Erlebe den Kaffee

Seit ich meine Frau kenne, quengelt sie rum, dass sie eine ganz bestimmte Kaffeemaschine haben will. Schweizer Hersteller, Kaffeevollautomat, sündhaft teuer. Außerdem viel zu groß für die begrenzten Platzverhältnisse in unserer Küche. Kam nicht in Frage.

Wenn etwas nicht in Frage kommt, muss man wenigstens nicht drüber nachdenken. Und so vergingen acht lange Jahre.

Und dann kam http://www.jura-ena.com/ !

Es war eine Entscheidung auf den ersten Blick. Fast wie Liebe. Ohne zu zögern wurde die Neuanschaffung beschlossen. Na gut, sie wurde dann zum vorgezogenen Weihnachtsgeschenk deklariert, um ihr etwas von der Dekadenz zu nehmen. Ohne einen Dank wurde die alte Espressomaschine verschenkt. Und nun steht ENA da. Mehr als eine Kaffeemaschine würde jetzt ein Werbefuzzi schreiben, ein Kaffee-Erlebniscenter! Lebensqualität, u.sw.

Die Ena kostet die Hälfte der “normalen” Juras, kann auch nur die Hälfte, aber sie kann das wesentliche: auf Knopfdruck Espresso machen. Mehr braucht der Mensch nicht. Das Milchschäumer-Modul ist entbehrlich, denn man kann es nicht in der Geschirrspülmaschine reinigen. Da nehme ich doch lieber einen Milchaufschäumer und stelle den kurz in die Mikrowelle, anstatt Schläuche in spezieller Reinigungslösung zu baden.

Mein Leben ist ein anderes geworden, seit ich morgens den Kaffee auf Knopfdruck erleben kann. Ich habe etwa 0,75 Minuten gewonnen, die ich jetzt eher, mit zwei Kaffeetassen bewaffnet, ins Bett zurückkriechen kann. Dort würde ich meinen Kaffee kuschlig und ungestört genießen, wenn da nicht noch meine Frau läge, und damit meine eigentliche Aufgabe. Ich muss ihr mit einer fein austarierten Mischung aus Zärtlichkeit und Brutalität Kaffee einflößen und sie dann aus dem Bett zwingen. Ohne mich wäre sie ein Fall für die Erwerbsunfähigkeitsrente. Jedenfalls erwerbsunfähig vor 12 Uhr mittags.

Hatte ich wirklich sieben leckere Geißlein gegessen, oder waren es nicht viel eher Wackersteine? Schlaflos und trunken wälzte ich mich und fragte mich, wer mir so übel zugespielt hatte. Ergebnis: Ich war es selbst.

Aber beginnen wir von vorn. Am 23. November hatte ich einen erlesenen Kreis von Freunden zum Essen geladen. Käsefondue. Wochen vorher hatte ich bereits die einschlägigen Szenen aus “Asterix bei den Schweizern” herauskopiert und für die Gäste als Tischvorlage aufbereitet. Zwei verschiedene Rezepte sollten ausprobiert werden, ein ganz klassisches aus dem Buch “Culinaria” - ein dicker Wälzer, der die wichtigsten Spezialitäten Europas in Wort und Bild beschreibt, ergänzt um Rezepte, und eines aus der Kochshow von Kerner, mit Champagner statt Weißwein und schwarzem Trüffel. Gegen die negativen Folgen ungehemmten Käsegenusses glaubte ich mich gewappnet: Immerhin ist das Regal gut gefüllt mit feinen Obstbränden, Calvados, Vieille Prune, Whiskey… Ach! Welch groteske Selbstüberschätzung!

Meinen beiden Rezepten fehlte ein wichtiges Detail: Es war nicht angegeben, wie viele Personen damit zu füttern sind. (Heute weiß ich, die Menge war für Zehn gute Esser, anwesend waren aber nur Sieben.) Und dann machte meine reizende Gattin einen Vorschlag, der unser Schicksal besiegeln sollte. Wo Käsefondue doch so wenig Arbeit macht, schlug sie vor, könnte man doch einen etwas aufwendigeren Nachtisch in Erwägung ziehen. Sie dachte da an Profiteroles.

Gesagt, getan. Unser Rezept für 8 Personen ergab zwei Bleche mit Windbeuteln, die mit zwei Bechern aus geschlagener Sahne, aromatisiert mit Birnengeist gefüllt, zu einer Pyramide geschichtet und mit einer Sauce aus 2 Tafeln Bitterschokolade, Butter und etwas Orangensaft übergossen wurden.

Alle Gäste hatten sich einen Rest Magenkapazität für die Herausforderung aufgespart, von den Käsefondues blieb jeweils ein Rest in den Töpfen. Aber es half nichts. Diese Magenmine war das Ende der Möglichkeiten gewöhnlicher Magensäure. Aber aufhören zu Essen kam nicht in Frage. Ich bitte Euch! Profiteroles! Die kann man doch nicht wegwerfen!

Also Schnaps. Espresso. Wieder Schnaps. Noch ein Profiterole. Wieder von vorne.

Ich hoffe, dass alle meine Gäste zu Hause angekommen sind. Und ich fürchte, ich bin auch für sie kein guter Umgang…

Nur noch einmal schlafen.

Bin ich wirklich so mutig? Mein erster eigener Blog. Und das vor meinem großen Essen. Gebe ich doch nun dieser ständig auf mein Alter anspielenden Gemeinschaft die Gelegenheit, sich über meine Gastgeberqualitäten auszulassen. In aller Öffentlichkeit!! Kann ich diesem Druck standhalten?

Willkommen!

Mehr gibt’s hier in Kürze.

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