Hatte ich wirklich sieben leckere Geißlein gegessen, oder waren es nicht viel eher Wackersteine? Schlaflos und trunken wälzte ich mich und fragte mich, wer mir so übel zugespielt hatte. Ergebnis: Ich war es selbst.
Aber beginnen wir von vorn. Am 23. November hatte ich einen erlesenen Kreis von Freunden zum Essen geladen. Käsefondue. Wochen vorher hatte ich bereits die einschlägigen Szenen aus “Asterix bei den Schweizern” herauskopiert und für die Gäste als Tischvorlage aufbereitet. Zwei verschiedene Rezepte sollten ausprobiert werden, ein ganz klassisches aus dem Buch “Culinaria” – ein dicker Wälzer, der die wichtigsten Spezialitäten Europas in Wort und Bild beschreibt, ergänzt um Rezepte, und eines aus der Kochshow von Kerner, mit Champagner statt Weißwein und schwarzem Trüffel. Gegen die negativen Folgen ungehemmten Käsegenusses glaubte ich mich gewappnet: Immerhin ist das Regal gut gefüllt mit feinen Obstbränden, Calvados, Vieille Prune, Whiskey… Ach! Welch groteske Selbstüberschätzung!
Meinen beiden Rezepten fehlte ein wichtiges Detail: Es war nicht angegeben, wie viele Personen damit zu füttern sind. (Heute weiß ich, die Menge war für Zehn gute Esser, anwesend waren aber nur Sieben.) Und dann machte meine reizende Gattin einen Vorschlag, der unser Schicksal besiegeln sollte. Wo Käsefondue doch so wenig Arbeit macht, schlug sie vor, könnte man doch einen etwas aufwendigeren Nachtisch in Erwägung ziehen. Sie dachte da an Profiteroles.
Gesagt, getan. Unser Rezept für 8 Personen ergab zwei Bleche mit Windbeuteln, die mit zwei Bechern aus geschlagener Sahne, aromatisiert mit Birnengeist gefüllt, zu einer Pyramide geschichtet und mit einer Sauce aus 2 Tafeln Bitterschokolade, Butter und etwas Orangensaft übergossen wurden.
Alle Gäste hatten sich einen Rest Magenkapazität für die Herausforderung aufgespart, von den Käsefondues blieb jeweils ein Rest in den Töpfen. Aber es half nichts. Diese Magenmine war das Ende der Möglichkeiten gewöhnlicher Magensäure. Aber aufhören zu Essen kam nicht in Frage. Ich bitte Euch! Profiteroles! Die kann man doch nicht wegwerfen!
Also Schnaps. Espresso. Wieder Schnaps. Noch ein Profiterole. Wieder von vorne.
Ich hoffe, dass alle meine Gäste zu Hause angekommen sind. Und ich fürchte, ich bin auch für sie kein guter Umgang…
Mööönsch! Willkommen in der schönen, nicht mehr ganz so neuen Blogwelt!
Alles was es zu den Kesseln mit dem geschmolzenen Käse zu sagen gab, habe ich ja schon im befreundeten Küchendschungel hinterlassen.
Hier der Link (hoffentlich klappt das bei mir???):
http://kuechendschungel.twoday.net/stories/4480578/#4481037
Es fehlt nur noch die finale Punktevergabe. Dazu muss ich mich mit dem göttlichen Gatten noch abstimmen und melde mich morgen an dieser Stelle noch einmal.
Sofern ich mich noch entsinnen kann, ging es mir erstaunlich gut nach diesem opulenten Abendschmaus. Aber irgendwie habe ich seitdem nicht mehr so viel Lust auf Käse….