Wie unsere Leser wissen, waren wir – das schwarze Schaf Waltraud und der winzige Tiger Biggi – letztes Jahr zusammen in Paris. Die beiden uns begleitenden Menschen waren etwas lästig (aber leider nötig, da unsere Verkehrsmittel heute immer noch nicht Stofftiergerecht ausgebaut sind), dennoch war die Reise war ein Erfolg und wir beschlossen, dieses Jahr wieder so einen kleinen Städtetrip zu machen. Prag also. Während ich dies schreibe, läuft übrigens „Die Moldau“ aus dem Zyklus „Mein Vaterland“ von Bedrich Smetana. Über das r von Bedrich gehört so ein Kringel, ich weiß. Ich hab den aber grad nicht griffbereit. Der Kringel macht ohnehin nur Ärger, führt er doch dazu, dass einem die Unmöglichkeit abverlangt wird, das r gleichzeitig zu rollen und auch noch ein sch drauf zu setzen. Die spinnen, die Tschechen.

Die oben zum Besten gegebenen Klugheiten entnahmen wir übrigens dem Reiseführer, den wir im Zug auswendig lernten. Der Bahnhof Praha Holosevice (wieder einige Kringel und Häkchen dazudenken) ist ein sozialistisches Werk das wirkt wie in einem Stück aus Beton gegossen. Unsere Menschen brauchten eine Weile, um Fahrscheine für den Nahverkehr zu erwerben und die richtige Straßenbahnhaltestelle zu finden, die uns zum Hotel brachte.

Die Menschen luden dort unser Gepäck ab und wir ließen sie nicht lange rumtrödeln, denn das Wetter war schön und das erste Bier wartete. Bier ist eine tschechische Erfindung. Vorbildlich gekühlt und nie schal, da können sich die Berliner ein Scheibchen von abschneiden!

Jetzt hatten wir Kraft für den ersten Teil des touristischen Pflichtprogramms. Die astronomische Uhr am Altstädter Ring…

Die Karlsbrücke, eigentlich eher ein Flohmarkt als eine Brücke, zudem derzeit gerade in der Sanierung begriffen…

Die blöden Gerüste versperrten auf der einen Seite den Blick auf die Moldau. Ich hab schon wieder Smetana im Ohr. Eigentlich müsste hier vorne im Vordergrund jemand mit einer Harfe sitzen und das Glitzern der Sonne auf den kleinen Wellen spielen.

Frische Luft macht Hunger. Wir hatten uns aus dem Guide Michelin das „LeTerroir“ ausgesucht, nicht gerade Imbissbuden-Preise, aber gezahlt haben eh’ die Menschen. Und sie mussten bluten, oh ja! Das Essen war ganz hervorragend, der Wein köstlich. Selig und ganz überwältigt von den Eindrücken sanken wir ins Bett. Obwohl wir uns von den Menschen tragen ließen, waren wir ziemlich alle.

Wir ließen am nächsten Tag das Frühstück im Hotel unberührt, und machten uns stattdessen auf ins Café Savoy auf der Kleinseite, also dem Ufer auf dem auch die Prager Burg steht. Gleich hinter der Legionärsbrücke links liegt es, im Reiseführer gepriesen für seine heiße Schokolade (von Valrhona) und seine Obstknödel.

Beides ist allein die Reise nach Prag wert, und auch die Magenbeschwerden hinterher, die die unvermeidliche Folge sein werden. Allerdings darf niemand es versäumen, im Café Savoy die Toilette aufzusuchen, denn auf dem Weg dorthin erblickt man die Show-Patisserie des Etablissements. Ich hätte den Rest des Tages hier verbringen können, und zuschauen. Aber Biggi wollte weiter.
Wir haben uns dann mal dieses Denkmal für die Opfer des Kommunismus angeschaut. Nicht schlecht, aber ich finde da wird ein bissel viel Wind drum gemacht. Wo ist das Denkmal gegen die Stofftierdiskriminierung?

Von der Prager Burg aus hat man einen tollen Blick über die Stadt.

Franz Kafka hat da mal gewohnt, in der Goldenen Gasse, die wahrscheinlich so heißt weil die Touristen da für viel Geld so viel Nepp kaufen. Kann aber der arme Kafka nix für.

Die Burg ist auch Sitz des Präsidenten – oder jedenfalls empfängt er dort Staatsgäste und macht einen auf wichtig. Ich wollte eigentlich dem Vaclav Klaus einen Stift bringen, damit er endlich den Lissabon-Vertrag unterschreiben kann, aber der Feigling hat sich verleugnen lassen. Sei’s drum.
Die Straßen um die Burg rum sind schöner als die Burg selbst, die mit ihren vielen Höfen, Museen und Kirchen eine Stadt in der Stadt ist – und zwar eine völlig überlaufene. Das unten abgebildete Gässchen gehört zum Viertel „Neue Welt“ – mir erschließt sich allerdings nicht, was daran neu sein soll. Außer dem Anstrich natürlich.

Schöne Ornamente an den Fassaden zwar, aber mal wieder fehlt ein Motiv: Schwarze Schafe. Auch hier wird die Unterdrückung durch Negierung fortgesetzt.

So viel Lauferei und Guckerei, das geht nicht ohne Stärkung. Lecker und schick das Jugendstil-Kaffeehaus im Repräsentationshaus (Kavarna Obecni Dum):

Im ehemaligen jüdischen Ghetto Josefov…

… gibt es auch ein Kafka-Denkmal.

Und wie der Zufall so spielt, wir haben einen kleinen Kerl getroffen, der Franz Kafka heißt, Spitzname Franzky. Er ist Maulwurf, und er war auf der Suche nach einem Job. Wir haben ihn eingestellt als Assistenzgärtner, weil er so gut graben kann. Bis zum Frühjahr, wenn endlich der Balkon neu bepflanzt wird, behilft sich Franzky mit Wäschehaufen, durch die er sich juchzend vor Vergnügen durchwühlt. Hier sieht man ihn im Hotel. Bei uns in Berlin hat er sich aber auch schon gut eingelebt.

Die Zeit ging schnell rum. Am letzten Abend ließen wir uns von den Menschen in diesen alten Glockenturm tragen, in dem oben ein Restaurant ist. Nicht schlecht, aber grotesk überteuert – egal, es war ja nicht unser Geld.
