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Fondant au Chocolat nennen es die Franzosen. Es ist eine fürchterlich leckere Magenmine, und schneller zubereitet als man denkt. Ich empfehle, als Vorbereitung schon mal sechs Förmchen auszubuttern und zusätzlich ein passend kreisförmig ausgeschnittenes und ebenfalls gebuttertes Stück Backpapier auf den Boden der Förmchen zu legen (geeignet sind z.B.  Keramik-Förmchen, 5 cm hoch und 10 cm im Durchmesser). Den Rest macht man, wenn die Gäste das Hauptgericht verspeist haben und während sie sich davon erholen.

Den Backofen auf 200° C vorheizen, 250 g dunkle Schokolade (ich empfehle Tobago von Fassbender  Rausch) zusammen mit 175 g Butter über dem Wasserbad schmelzen. (Anders als der Name suggeriert bedeutet Wasserbad, dass die Schüssel über dem Dampf das Wasser nicht berührt). Sobald alles geschmolzen ist, nimmt man die Schüssel vom Dampf herunter und lässt die Schmelze wieder etwas abkühlen. Währenddessen trennt man 5 Eier, schlägt erst das Eiweiß zu steifem Schnee und rührt dann die Eigelbe mit 125 g Puderzucker schaumig (der Vorteil dieser Reihenfolge ist, man kann dieselben Rührquirle benutzen ohne zwischendurch abzuwaschen). Die Eigelbe zur Schokobutter geben und unterheben, dann 75 g Mehl darüberstäuben und weiterrühren, zum Schluss die Eiweiße unterheben. Die Creme sollte jetzt glatt aussehen wie Nutella, auch wenn sie zwischendurch mal den Eindruck machte, als würde alles missraten. Die Creme sofort in die Förmchen füllen und ab in den Ofen. Nach 7 Minuten testen, ob sich oben eine feste Kruste gebildet hat, und wenn ja, sofort die Förmchen aus dem Ofen holen, Stürzen und auf Tellern anrichten.

Dazu passen frische Früchte oder ein Fruchtsaucenspiegel. Übrig gebliebene Törtchen kann man auch am nächsten Tag noch essen, sie schmecken dann wie Brownie.

Pasta Doooriana

Wer eine neue Spezies entdeckt, darf dem Tierchen mit einem Namen den eigenen Stempel aufdrücken. Ebenso verhält es sich mit Krankheiten, geografischen Begebenheiten, Sternen und mathematischen Formeln. Für weniger Begabte bleibt die Kocherei als einzige Chance, sich für die Ewigkeit einzuschreiben. Ich habe deshalb „Pasta Doooriana“ erfunden.

Als kleiner Nebeneffekt ist das Gericht höchst schmackhaft geraten, leicht nachzukochen ist es auch. Der Nachteil: Die Zutaten sind weder preiswert noch leicht zu beschaffen. Ich habe sie alle vom Frischeparadies Lindenberg erworben. Sowieso ein heißer Einkaufstipp für alle Gernekocher, aber Vorsicht, hunrig dort einzukaufen wird teuer!

Zutaten für vier Personen:

 8 kleine Artischocken
350 g Topinambur
350 g Salsicce
2 Schalotten
1 unbehandelte Zitrone
ein halbes Glas Weißwein
2 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer, Chili nach Geschmack
500g Riesen-Rigatoni (bei mir heißen sie Abwasserrohre)
frisch geriebener Parmesan

Von der Zitrone die Schale dünn abraspeln oder sie mit einem sehr feinen Sparschäler schälen und feinhacken. Von dem Zitronenraspel brauchen wir nur etwa ein Drittel, der Rest sollte in ein kleines Schraubglas gefüllt und eingefroren werden, er ist viel zu schade zum wegwerfen. Der Saft der Zitrone wird ausgepresst und in eine Schüssel mit etwa einem halben Liter Wasser gegeben. Dann werden die Artischocken erst gewaschen und dann geputzt. Die äußeren Blätter alle abrupfen, bis man von den noch stehenden Blättern den hellgelben oder leicht violetten Teil sieht. Der wird beim Kochen weich und ist essbar, alles was (dunkel)grün ist bleibt hart und holzig und muss weg. Den Stil schälen und vorne die Blätter kappen. Das Ergebnis sieht dann so aus wie die Artischockenherzen aus der Dose, die man kennt. Die Herzen vierteln und sofort in das Zitronenwasser geben, zusehen dass sie rundum benetzt sind, sonst werden sie braun.

Topinambur schälen und in Scheiben schneiden. Schalotten würfeln. Die Salsicce aus der Pelle drücken und zu kleinen Klößen formen.

Jetzt das Nudelwasser aufsetzen. Die Schalotten in etwas Olivenöl glasig anbraten, dann die Salsicce-Klöße dazu geben und leicht bräunen. Die Topinambur und die Artischocken (ohne das Wasser!)  dazu geben und mit dem Wein ablöschen. Zugedeckt dünsten lassen und immer wieder umrühren. In der Zwischenzeit kocht das Nudelwasser, hinein mit der Pasta. Kurz bevor die Pasta gar ist den Knoblauch in die Artischocken-Sauce drücken, mit Salz und Pfeffer, bei Bedarf auch gerne mit Chili abschmecken. Die bissfeste Pasta abgießen, alles vermischen und mit Parmesan bestreut servieren.

Zwei Stofftiere in Prag

Wie unsere Leser wissen, waren wir – das schwarze Schaf Waltraud und der winzige Tiger Biggi – letztes Jahr zusammen in Paris. Die beiden uns begleitenden Menschen waren etwas lästig (aber leider nötig, da unsere Verkehrsmittel heute immer noch nicht Stofftiergerecht ausgebaut sind), dennoch war die Reise war ein Erfolg und wir beschlossen, dieses Jahr wieder so einen kleinen Städtetrip zu machen. Prag also. Während ich dies schreibe, läuft übrigens „Die Moldau“ aus dem Zyklus „Mein Vaterland“ von Bedrich Smetana. Über das r von Bedrich gehört so ein Kringel, ich weiß. Ich hab den aber grad nicht griffbereit. Der Kringel macht ohnehin nur Ärger, führt er doch dazu, dass einem die Unmöglichkeit abverlangt wird, das r gleichzeitig zu rollen und auch noch ein sch drauf zu setzen. Die spinnen, die Tschechen.

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Die oben zum Besten gegebenen Klugheiten entnahmen wir übrigens dem Reiseführer, den wir im Zug auswendig lernten. Der Bahnhof Praha Holosevice (wieder einige Kringel und Häkchen dazudenken) ist ein sozialistisches Werk das wirkt wie in einem Stück aus Beton gegossen. Unsere Menschen brauchten eine Weile, um Fahrscheine für den Nahverkehr zu erwerben und die richtige Straßenbahnhaltestelle zu finden, die uns zum Hotel brachte.

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Die Menschen luden dort unser Gepäck ab und wir ließen sie nicht lange rumtrödeln, denn das Wetter war schön und das erste Bier wartete. Bier ist eine tschechische Erfindung. Vorbildlich gekühlt und nie schal, da können sich die Berliner ein Scheibchen von abschneiden!

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Jetzt hatten wir Kraft für den ersten Teil des touristischen Pflichtprogramms. Die astronomische Uhr am Altstädter Ring…

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Die Karlsbrücke, eigentlich eher ein Flohmarkt als eine Brücke, zudem derzeit gerade in der Sanierung begriffen…

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Die blöden Gerüste versperrten auf der einen Seite den Blick auf die Moldau. Ich hab schon wieder Smetana im Ohr. Eigentlich müsste hier vorne im Vordergrund jemand mit einer Harfe sitzen und das Glitzern der Sonne auf den kleinen Wellen spielen.

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Frische Luft macht Hunger. Wir hatten uns aus dem Guide Michelin das „LeTerroir“ ausgesucht, nicht gerade Imbissbuden-Preise, aber gezahlt haben eh’ die Menschen. Und sie mussten bluten, oh ja! Das Essen war ganz hervorragend, der Wein köstlich. Selig und ganz überwältigt von den Eindrücken sanken wir ins Bett. Obwohl wir uns von den Menschen tragen ließen, waren wir ziemlich alle.

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Wir ließen am nächsten Tag das Frühstück im Hotel unberührt, und machten uns stattdessen auf ins Café Savoy auf der Kleinseite, also dem Ufer auf dem auch die Prager Burg steht. Gleich hinter der Legionärsbrücke links liegt es, im Reiseführer gepriesen für seine heiße Schokolade (von Valrhona) und seine Obstknödel.

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Beides ist allein die Reise nach Prag wert, und auch die Magenbeschwerden hinterher, die die unvermeidliche Folge sein werden. Allerdings darf niemand es versäumen, im Café Savoy die Toilette aufzusuchen, denn auf dem Weg dorthin erblickt man die Show-Patisserie des Etablissements. Ich hätte den Rest des Tages hier verbringen können, und zuschauen. Aber Biggi wollte weiter.

Wir haben uns dann mal dieses Denkmal für die Opfer des Kommunismus angeschaut. Nicht schlecht, aber ich finde da wird ein bissel viel Wind drum gemacht. Wo ist das Denkmal gegen die Stofftierdiskriminierung?

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Von der Prager Burg aus hat man einen tollen Blick über die Stadt.

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Franz Kafka hat da mal gewohnt, in der Goldenen Gasse, die wahrscheinlich so heißt weil die Touristen da für viel Geld so viel Nepp kaufen. Kann aber der arme Kafka nix für.

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Die Burg ist auch Sitz des Präsidenten – oder jedenfalls empfängt er dort Staatsgäste und macht einen auf wichtig. Ich wollte eigentlich dem Vaclav Klaus einen Stift bringen, damit er endlich den Lissabon-Vertrag unterschreiben kann, aber der Feigling hat sich verleugnen lassen. Sei’s drum.

Die Straßen um die Burg rum sind schöner als die Burg selbst, die mit ihren vielen Höfen, Museen und Kirchen eine Stadt in der Stadt ist – und zwar eine völlig überlaufene. Das unten abgebildete Gässchen gehört zum Viertel „Neue Welt“ – mir erschließt sich allerdings nicht, was daran neu sein soll. Außer dem Anstrich natürlich.

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Schöne Ornamente an den Fassaden zwar, aber mal wieder fehlt ein Motiv: Schwarze Schafe. Auch hier wird die Unterdrückung durch Negierung fortgesetzt.

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So viel Lauferei und Guckerei, das geht nicht ohne Stärkung. Lecker und schick das Jugendstil-Kaffeehaus im Repräsentationshaus (Kavarna Obecni Dum):

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Im ehemaligen jüdischen Ghetto Josefov…

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… gibt es auch ein Kafka-Denkmal.

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Und wie der Zufall so spielt, wir haben einen kleinen Kerl getroffen, der Franz Kafka heißt, Spitzname Franzky. Er ist Maulwurf, und er war auf der Suche nach einem Job. Wir haben ihn eingestellt als Assistenzgärtner, weil er so gut graben kann. Bis zum Frühjahr, wenn endlich der Balkon neu bepflanzt wird, behilft sich Franzky mit Wäschehaufen, durch die er sich juchzend vor Vergnügen durchwühlt. Hier sieht man ihn im Hotel. Bei uns in Berlin hat er sich aber auch schon gut eingelebt.

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Die Zeit ging schnell rum. Am letzten Abend ließen wir uns von den Menschen in diesen alten Glockenturm tragen, in dem oben ein Restaurant ist. Nicht schlecht, aber grotesk überteuert – egal, es war ja nicht unser Geld.

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Turbinöses Vergnügen

Werte Leserinnen und Leserinnen, es folgt der Werbeblock.  Haben Sie schon mal unsere Frauen-Nationalmannschaft im Fernsehen angefeuert? Dann könnte ein Besuch im Stadion das Richtige für Sie sein. Ich war gestern mit Frau Dr. bereits zum dritten Mal im Karl-Liebknecht-Stadium in Potsdam, nach zwei (siegreichen) Bundesligaspielen hatten wir das 8:0 Champions League 16tel-Finale Rückspiel vor uns ausgebreitet, sahen die Nationalspielerin Fatmire Bajmarai wieselflink über den Platz toben (wenngleich sie in der ersten Halbzeit Leim am Schuh zu haben schien, weil ihr das Leder irgenwie nicht ins Tor gehen wollte, aber in der zweiten Halbzeit versenkte sie zweie), durften Anja Mittag drei mal treffen sehen und Jennifer Zietz ein mal, um nur mal die Prominenz zu nennen. Alles live und in Farbe, in ganz entspannter, familärer Athmosphäre. Das Vergnügen ist billiger als ein Kinobesuch, ein Bier gibt es für 2,50 €, die Bratwurst für 2.- €, also warum nicht öfter?

Fusball

Okay, einen Nachteil gibt es. Anlässlich des dritten Besuchs, quasi als Stammgast, sahen Frau Dr. und ich uns in der moralischen Pflicht, einen Schal zu erwerben. Die Anschaffung eines Trikots hat aber noch Zeit. Ich könnte mich eh’ nicht entscheiden, ob ich lieber eins von Monique Kerschowski oder von Isabell Kerschowski haben wollte. Die beiden Zwillinge aus Marzahn haben es mir angetan, weil sie mit so furchterregender Köperkraft und so einem wild entschlossenen Gesicht auf die Tribüne zustürmen können, dass es Fluchtreflexe auslöst. Ich mag Mädchen, die Jungs verprügeln (können).

Was die Turbinen natürlich nicht taten. Sie zerlegten statt dessen ihre Gäste nach allen Regeln der Kunst, so dass die armen finnischen Mädchen in ihrem Unglück mir leid taten. Nach dem Spiel kletterte Torhüterin Desirée Schumann die Absperrung zur Tribüne hoch und begrüßte die zahlreich erschienene Familie mit Küsschen links und Küsschen rechts. Da konnte man ihr doch nicht böse sein, dass sie keinen einzigen der (wenigen) finnischen Torschüsse auch nur ausnahmsweise mal ein bisschen ins Tor gelassen hatte.

Nachdem ich im vergangenen Monat eine waschechte Frischluftvergiftung durchgemacht habe frage ich mich, warum in einer Zeit, da über nahezu jedes Gesundheitsthema ein Überfluss an Informationen vorhanden ist, ausgerechnet diese heikle Erkrankung so wenig Beachtung findet.

Mit einer Frischluftvergiftung ist nicht zu spaßen. Sie tritt vorzugsweise im Urlaub auf, manchmal auch an Wochenenden. Opfer sind zumeist Großstadtbewohner, die einen Ausflug ins Grüne wagen, aber ganz besonders gefährdet sind Camper. Die Symptome sind eine unnatürliche Müdigkeit in den Abendstunden, manchmal schon um 21 Uhr, sowie ein krankhaft frühes Erwachen am Morgen, teilweise um sechs Uhr früh, und das im Urlaub!

Frau Dr. navigiert uns durch Korsika

Frau Dr. navigiert uns durch Korsika

Vielleicht ist die Krankheit auch deshalb so unbekannt, weil die Opfer ihr Leiden schamhaft verschweigen. Schließlich ist es für den Großstadtmenschen nicht opportun, mit den Hühnern zu Bett zu gehen. Und mit dem „Land der Frühaufsteher“ möchte auch kein Mensch identifiziert werden, der etwas Würde zu behalten trachtet.

Als gesichert kann gelten, dass körperliche Bewegung an frischer Luft (solche mit einem unterdurchschnittlichen Gehalt an Abgasen und menschlichen Ausdünstungen) das Leiden fördert, wenn nicht gar der Auslöser ist. Als hochtoxisch erwies sich bei uns die Luft im Niolo, das ist ein Gebirgstal auf Korsika. Die geringe Bevölkerungsdichte ist verheerend. Unsere Wandertouren durch die phantastische Landschaft taten ihr übriges.

In der "Spelunken"-Schlucht, im Angesicht des Erschöpfungstodes

In der "Spelunken"-Schlucht, im Angesicht des Erschöpfungstodes

Die echte Frischluftvergiftung ist in ihrer Symptomatik übrigens nur schwer zu unterscheiden von der senilen Bettflucht. Das kann nur ein Arzt nach sorgfältiger Erhebung der Krankheitsgeschichte. Ein wichtiges Indiz ist die Tatsache, dass die Frischluftvergiftung nach kurzem Aufenthalt in der Stadt wieder abklingen sollte.

Schwieriger zu kurieren ist da schon eine andere Urlaubsfolgekrankheit, unter der ich bis heute leide: Die Korsika-Sucht. Leichtsinnige seien gewarnt: Schwere Entzugserscheinungen drohen allen, die so leichtsinnig sind, den Urlaub auf der ille belle zu verbringen. Man sieht es an den Autos der Urlauber: Wer den Aufkleber der „Corsica Ferrys 2009″ neben denen von 2008, 2007, 2006… u.s.w. auf der Heckscheibe kleben hat, ist ein typischer und wohl leider unheilbarer Fall.

Ich habe gezögert, diesen sehr hellsichtigen Artikel aus der brand eins hier zum Thema zu machen, denn ich muss die berechtigte Kritik meiner Leser fürchten. Ich bin ob des Artikels innerlich zerrissen. Einerseits möchte ich dem Autor Wolf Lotter recht geben, andererseits will und kann ich es nicht akzeptieren, dass Hamsterräder abgebaut und Hamster arbeitslos werden. Der Hamster gehört doch in sein Rad! Ich sehe auch die Alternative nicht, die Lotter andeutet – ein Lotterleben etwa?

Ja,  ich gebe es zu, auch wir haben den Arbeitsplatz eines Hamsters abgebaut, eine schmerzliche Entscheidung, die aus dringenden betrieblichen Gründen  erfolgte – Allergisches Asthma auf Seiten von Teilen des Managements – und die uns nicht leicht gefallen ist. Auch angesichts der Proteste, die sich dagegen erhoben. Wir hatten schon verschiedentlich Demonstrationen in unseren vier Wänden, aber diese traf vor allem Frau Dr. als Gewerkschaftsmitglied und Betriebsratsvorsitzende (disclaimer: sie vertritt eine andere Spezies als die Hamster, nämlich Menschen) sehr persönlich.

Aber zurück zu brand eins. Wir legen Wert auf die Feststellung, dass die bei uns angestellten Hamster, insbesondere Cecilia (aka Bernadette), keine Goldhamster waren sondern anständige, ordentlich das Hamsterrad betätigende Tiere. Wir haben den Käfig samt Hamsterrad an eine Investorin verkauft, der uns versicherte, er wolle den Arbeitsplatz mit einem neuen Hamster besetzen. Bei der Investorin handelte es sich allem Anschein nach um eine echte Unternehmerpersönlichkeit, und nicht um einen Heuschrecken-Fonds, der die einzelnen Teile des Käfigs gewinnbringend im Zoohandel veräußert hätte.

Ich denke, wir sind nach alledem unser ethischen Verpflichtung zum Erhalt von Vollzeit-Hamsterradarbeitsplätzen nachgekommen.

Wie Spiegel Online berichtet, werden schwarze Schafe immer seltener. Das Magazin beteuert, dahinter stehe keineswegs eine weißschafistische Verschwörung, sondern der Klimawandel. Weil die Winter milder würden, seien die Tiere mit dunklem Fell, die von der Sonne besser gewärmt werden, nicht mehr im Vorteil. Grundlage der Beobachtungen sind Schafspopulationen auf isolierten Inseln.

An der Darstellung sind Zweifel angebracht. Was wirklich hinter der Zurückdrängung schwarzer Schafe steht, muss noch aufgedeckt werden. In der Isolation ferner Inseln könnten sich anti-schwarzschafistische Verschwörungen austoben, die mit pseudowissenschaftlichen Theorien bemäntelt werden sollen. Unsere unkritische Presse verbreitet die natürlich ungeprüft weiter. Ein Skandal ist das.

Dass es in den letzten Monaten um das Thema Schwarzschafismus ruhig geworden ist, bedeutet nicht dass diese nach der Weltherrschaft strebende Ideologie an Brisanz verloren hätte. Im Gegenteil, es gibt erste konkrete Anzeichen, dass eine schwarzschafistische Verschwörung die Wirtschaftskrise ausnutzt, um über den Hebel ökonomischer Macht letztlich die politische Dominanz zu erringen.

Wir erinnern: Der Schwarzschafismus ist eine Ideologie der moralischen Erpressung. Schwarze Schafe versuchen, der als weißschafig und dumm verachteten Mehrheitsgesellschaft mit der Tatsache ihrer vermeintlichen Diskriminierung Zugeständnissse abzupressen. Wenn der Trick mit dem schlechten Gewissen nicht funktioniert, dann wendet der Schwarzschafismus auch gerne die Technik des „nerven bis zum Nachgeben“ an.

Ich weiß wovon ich rede, ich habe ein schwarzes Schaf in meinem Haushalt. Dieses hat sich praktischerweise das Amt der Antidiskriminierungsbeauftragten angemaßt, und sich obendrein zur Vorsitzenden der Stofftiergewerkschaft ausgerufen. Das sind aber erst die ersten Stationen, denn dem Machtstreben des Schwarzschafismus sind bekanntlich keine Grenzen gesestzt.

Nun also die wirtschaftliche Unterwanderung. Der Beweis ist hier:

Schwarzschafistische Unternehmen unterwandern Holland

Schwarzschafistische Unternehmen unterwandern Holland

Das ideale Wochenende…

… besteht leider auch nur aus zwei Tagen. Weswegen dessen Dichte erhöht werden muss, damit es ein ausbalancierendes Gegengewicht zur Woche bilden kann, die mit 5 Tagen die größere Ausdehnung besitzt. So weit zur Physik des idealen Wochenendes.

Kommen wir nun zur Praxis. Die Case Study, die ich hier vorstellen möchte beginnt mit einem Freitag abend in unserem externen Wohnzimmer, dem Café Oberwasser. Das Oberwasser ist schon allein wegen Ursulas großartiger Bratkartoffeln, Suppen und Spätzle eine Reise wert, aber am Freitag brachte dort ein Duo, dessen Name mir leider entfallen ist, Songs von Tom Waits zu Gehör. Mit einer hellen Frauenstimme, begleitet von Quetschkommode, Tuba und Glockenspiel. Es war so schräg, wie es klingt. Und wunderbar.

Samstag streiften wir über den Kollwitzmarkt, ich vollzog mein alljährliches Bärlauch-Ritual, und abends trafen wir uns in einer Runde von Freunden, verspeisten den göttlichen Hackbraten von MOZ, und führten mit Hilfe diverser alkoholischer Getränke völlig ermüdungsfrei Debatten über so sedative Themen wie „Feminismus heute?“ – ehrlich gesagt kann ich heute kaum mehr glauben, dass wir das wirklich getan haben, und wir hatten auch noch Spaß dabei!

Sonntag haben wir verschlafen, wie sich das gehört, rappelten uns dann aber doch recht behende aus den Federn und auf in die Ausstellung von Annie Leibovitz im Postfuhramt in Berlin, ich liebe ja ihre Fotos, da braucht man nicht viel mehr dazu zu sagen. Leider ist die Ausstellung so umfangreich nicht, aber auch das hatte sein Gutes, denn draußen lockte das herrlichste Wetter, weswegen wir zu Fuß nach Hause streiften, nicht ohne unterwegs im Café Fleury am Weinbergspark noch köstliche französische Tartes zu verspeisen.

Aber wir mussten dann auch schon gleich wieder aufbrechen, nach Lichterfelde. Rüdiger Kebe hatte uns eingeladen zu einem Hauskonzert bei Leuten, die wir gar nicht kannten. Dort spielten Swim (leider gibt’s bei lastfm noch nix zu denen), zu zweit, unplugged, schöne Popsongs. Dann rockte Rüdiger gemeinsam mit dem Freund seiner Tochter an den Percussions. Und schließlich gab Dana Cooper seine klassischen singer/songwriter-Weisen mit Gitarre und Mundharmonika zum Besten, alles in einem ganz normalen Wohnzimmer, vor 40 per Mail und Mundpropaganda zusammengetrammelten Leuten, für den Obulus einer Hut-Kollekte.

Als Frau Dr. G. und ich uns dann auf dem heimischen Sofa lümmelten, in der Hand einen Teller Nudeln mit Bärlauchpesto, und uns noch eine Folge „The L-Word“ auf DVD reinzogen, da hatten wir wirklich ein Wochenende gehabt, dass es mit der Woche aufnehmen kann, komme was da wolle.

Vorsicht Ohrwurm

Jetzt wo es mal wieder so weit ist fällt mir auf, dass ich das ewig nicht mehr hatte: ein ausgesprochenes Lieblingslied. Früher hab ich eingentlich immer irgend einen Favoriten gehabt, den ich rauf und runter gespielt und grottenfalsch mitgesungen habe, aber Musik hat allgemein an Bedeutung verloren für mich. Ich kann tagelang ohne auskommen, ohne dass es mir auch nur auffällt.
Nun also Natasha Bedingfield. Die ist sonst wirklich nicht mein Ding. Dance-Music sowieso nicht, dieses leicht hysterische Mädchengewackel. Aber ein Song von ihr, ein einziger Song, der ist ganz groß. Rätselhaft.
„Soulmate“ anzuhören erfolgt auf eigene Gefahr, wegen Vermus Auris, dem gemeinen Ohrwurm.

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